Escape-Room des Stadtmuseums Bietigheim-Bissingen Geschichte live erleben in der Rumpelkammer des Museums

Von Heidi Vogelhuber
Die Leiterin des Stadtmuseums Hornmoldhaus, Dr. Catharina Raible, im Escape-Room des Museums. Inhaltlich geht es um die Rettung des historischen Gebäudes. Das Spiel basiert auf der tatsächlichen Geschichte des Hauses und soll Wissen vermitteln. Foto: /Martin Kalb

Das Hornmoldhaus, Stadtmuseum in Bietigheim-Bissingen, hat einen Escape-Room eingerichtet, der die historische Rettung des Hornmoldhauses erfahrbar macht.

Wir schreiben das Jahr 1975 und befinden uns in der Hauptstraße 57 in Bietigheim-Bissingen. Ein herruntergekommenes Haus, in dem im Erdgeschoss eine Bäckerei mit Ausschank untergebracht ist und in den oberen Stockwerken elf Gastarbeiterfamilien hausen. Die Zimmer sind klein, es wurden über die Jahre zahlreiche Wände eingezogen. Die Decken sind abgehängt. Das ganze Gebäude ist ein Schandfleck und soll weg, meinen Gemeinderat und Oberbürgermeister Karl Mai sowie ein Großteil der Bürgerschaft.

Initiative setzt sich für Erhalt ein

Doch eine Gruppe von Bietigheimer Bürgern hält das 1536 fertiggestellte Haus, das ehemals stolzer Wohnsitz seines Bauherren Sebastian Hornmold (1500-1581) war, für erhaltenswert. Unter dem Dreck und den nachträglichen Baumaßnahmen vermuten sie einen stadtgeschichtlichen Schatz.

Der Bietigheimer Günther Bentele, Lehrer sowie Kunst- und Geschichtsliebhaber, gründet 1974 mit anderen engagierten Bürgern und Bürgerinnen die „Bürgerinitiative für eine humane Stadt Bietigheim“. Die Initiative will das historische Gebäude retten und Bentele macht sich auf den Weg ins Rathaus, um mit dem OB zu sprechen – es soll das entscheidende Gespräch werden, die letzte Chance für den Erhalt des Hornmoldhauses.

Genau an diesem Punkt in der Geschichte befindet sich der Besucher des Hornmoldhauses, der die neueste „Dauerausstellung“ des Stadtmuseums entdecken möchte: den Escape-Room (siehe Infobox) „Rumpelkammer – Rettet das Hornmoldhaus“.

Geschichte spielerisch erleben

„Die Idee ist, das Hornmoldhaus und seine Geschichte mitzuerleben und spielerisch etwas über die Stadtgeschichte Bietigheims zu lernen“, erklärt die Leiterin des Hornmoldhauses, Dr. Catharina Raible, die den Rätselraum gemeinsam mit ihrem Museums-Team, professionellen Spiele-Entwicklern und Handwerkern erdacht und geschaffen hat.

Bis zu sechs Personen können am Spiel teilnehmen, mindestens zwei sollten es sein. Nicht nur, weil der Spaßfaktor sich erhöht, sondern auch aus praktischen Gründen. Denn die Hinweise, die das Hornmoldhaus vor dem Abriss retten sollen, sind in einem Raum im zweiten Obergeschoss des Stadtmuseums versteckt. Besser gesagt in einer Rumpelkammer. Zudem ist der Strom ausgefallen. Die Spieler finden sich in dem düstren Räumchen daher nur mit einer Taschenlampe zurecht.

„Im Raum sind lauter Objekte aus den 70er-Jahren“, sagt Raible. Altes Geschirr, ein alter Sekretär sowie Schränke und Regale, ein Overhead-Projektor, gerahmte Bilder und Notizen. Unter den Fuß einer Tischlampe ist ein Papierfetzen geklemmt. Auf der Rückseite – es scheint sich bei dem Papier um eine alte Fotografie zu halten – sind Zahlen vermerkt.

Licht, Wecker, Fragen

„Außer der Taschenlampe bekommen die Tüftler noch ein Klemmbrett mit Leitfragen, deren Antworten sich in der Rumpelkammer finden lassen“, sagt Raible und erklärt, dass Zahlen kombiniert, Schlüssel gefunden, Schlösser geöffnet und Rätsel gelöst werden müssen. „Man schlüpft in die Rolle eines Initiativen-Mitglieds Mitte der 70er-Jahre.“ Die Gegenstände stammen aus dem Depot der Stadt und sind authentisch aus der Zeit und aus Bietigheim.

Um die Rätsel zu lösen, hat jedes Team eine Stunde Zeit. Um die Uhr nicht aus dem Auge zu verlieren, bekommen die Spieler einen mechanischen Wecker mit, der klingelt, sobald die Zeit vorbei ist. Wer Hilfe braucht, kann einen Blick in das Hilfs-Booklet werfen, das sei jedoch nur für den Notfall, mahnt Raible. Übrigens ist der Raum, nicht abgeschlossen, wie sonst üblich bei Escape-Games, sondern wird nur durch einen Vorhang abgedunkelt. „Man kann jederzeit raus“, versichert die Museumsleiterin. Wer das Hornmoldhaus retten konnte, bekommt eine Urkunde überreicht und eine Übersicht, was historisch korrekt ist und was im Raum leicht angepasst werden musste, um das Spiel voranzutreiben. „Es ist eine andere Art der Wissensvermittlung und soll auch Jüngere ansprechen. Wir sind eines der ersten Museen, die einen solchen Ansatz ausprobieren“, erklärt Raible die Idee hinter dem Escape-Room. Kinder könnten zwar gemeinsam mit ihren Eltern auch Spaß haben, die Rätsel seien aber anspruchsvoll und eher für Jugendliche und Erwachsene gedacht.

Bitte nichts verraten

Übrigens: Günther Bentele entdeckte 1975 die heute wieder sichtbaren Renaissance-Malereien und rettete damit das Hornmoldhaus. Was die Tüftler im Spiel entdecken? „Das bleibt geheim“, sagt Raible und schwört diejenigen Besucher, die das Geheimnis gelüftet haben, darauf ein, es für sich zu behalten. Sodass jeder, der möchte, die Chance hat, das Abenteuer selbst zu durchleben.

Das verbirgt sich hinter dem Begriff „Escape-Room“

Das Spiel wird
als Gruppe gespielt und ist daher beliebt als Teambuilding-Maßnahme unter Kollegen sowie gemeinsam mit Freunden oder mit der Familie.

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