Ex-Bietigheimer Zieker blickt auf eine besondere EM zurück Vom Nachrücker zum Matchwinner

Von bzh
Der frühere Bietigheimer Linksaußen Patrick Zieker steuerte fünf Tore zum deutschen 30:29-Sieg gegen Russland bei.  Foto: Marco Wolf

Der Ex-Bietigheimer Patrick Zieker war bei der EM einer der Besten im deutschen Nationalteam.

Zum Abschluss ein Leckerbissen: Das letzte Tor der deutschen Handball-Nationalmannschaft im abschließenden EM-Spiel gegen Russland zum 30:29 war Handball vom Feinsten. Den per Kempa-Trick herausgespielten Siegtreffer erzielte der aus Kleinbottwar stammende Patrick Zieker.

Turbulente Tage

Hinter dem Linksaußen des TVB Stuttgart, der aus Bratislava kommend am Mittwochmittag wieder zu Hause bei seiner Frau und den beiden Söhnen eintraf, liegen turbulente Tage. Die anfängliche Enttäuschung über die Nichtberücksichtigung für die EM ist großem Stolz gewichen. Weil die deutsche Mannschaft von immer neuen Corona-Fällen gebeutelt wurde, nominierte ihn Bundestrainer Alfred Gislason für die Hauptrunde nach. „Wir waren gerade im TVB-Training. Da kam unser Trainer auf mich zu und teilte mir mit, dass ich Axel Kromer anrufen sollte.“ Danach ging alles ganz schnell. „Für mich war es keine Frage, dass ich meine Sachen packe, nach Bratislava reise und helfe“, blickt Zieker zurück.

„Paddy“, der von 2008 bis 2012 für die SG BBM Bietigheim spielte, gehörte in den verbleibenden vier EM-Hauptrundenspielen zu den Besten im DHB-Team. Bei 13 Würfen erzielte der 29-Jährige vom TVB Stuttgart, elf Treffer. Dass es nach den Niederlagen gegen Spanien (23:29), Norwegen (23:28) und Schweden (21:25) nur den abschließenden Sieg gegen Russland gab (30:29), kann Ziekers guten Eindruck vom Zustand des deutschen Teams nicht schmälern. „Das war eine einzigartige Europameisterschaft, weil Corona vieles durcheinandergewirbelt hat. Aber wir haben als Mannschaft einen super Job gemacht. Das gilt für die Spieler, die die ganze Zeit vor Ort waren genauso wie für die positiv getesteten und die Nachrücker.“

Die tolle Atmosphäre im deutschen Team hat Ziekers „Hunger“ auf weitere Länderspieleinsätze noch gesteigert. „Über diese Nachrücker-Chance war ich froh und dankbar. Ich werde immer für die Nationalmannschaft bereit sein. Die Basis dafür ist, dass ich im Verein weiter gute Leistungen bringe.“ Aktuell steht er mit dem TVB Stuttgart auf Ligaplatz 16. Nur neun Punkte aus 18 Spielen sorgen für Abstiegsgefahr. „Wir hatten bisher keine glückliche Saison, mehrfach fielen Spieler verletzt aus. Wir müssen besser spielen, um unten herauszukommen.“

Wenig Zeit zur Erholung

Zur Erholung bleibt nach der EM nur wenig Zeit. Am Donnerstag, 10. Februar, geht es für die Stuttgarter mit dem Heimspiel gegen den THW Kiel weiter. Bis dahin wird Patrick Zieker die Geschichte des sensationellen Siegtors gegen Russland noch oft erzählen müssen. „Wir hatten das zuvor in der Auszeit genauso abgesprochen. Philipp Weber spielte den Ball von der linken Rückraumposition diagonal per Sprungwurf über die Abwehr zu Lukas Zerbe in die rechte Ecke. ‚Zebu‘ täuschte einen Wurf an, passte den Ball aber im Sprung quer durch den Kreis nach Linksaußen. Ich sprang dem Ball entgegen, fing ihn in der Luft und machte das Tor.“

 
 
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