Früheres Steelers-Talent Jakub Borzecki schafft Durchbruch Freude bei Red Bull, Frust bei der WM

Von Andreas Eberle
Jakub Borzecki hat sich mit Topleistungen ins Profiteam von Red Bull Salzburg gespielt. Siebenmal lief das Stürmer-Talent sogar in der Champions League auf. ⇥ Foto: GEPA pictures/ Hans Oberlaender via www.imago-images.de

Der frühere Bietigheimer Nachwuchsstürmer Jakub Borzecki hadert mit dem Abbruch des U20-Turniers. Dafür läuft die erste Profisaison in Salzburg für den 19-Jährigen bisher voll nach Wunsch. Von Andreas Eberle

Ohne Corona hätte Jakub Borzecki einen perfekten Abschluss seiner Juniorenzeit erlebt. Der 19-jährige Sohn des früheren Steelers-Kapitäns Adam Borzecki, der in der Jugend auch für die Schüler des SC Bietigheim-Bissingen gespielt hat, ging bei der U20-WM in Kanada für die deutsche Auswahl aufs Eis – gemeinsam mit den anderen 24 nominierten Talenten des Deutschen Eishockey-Bunds. Doch kurz vor dem dritten Gruppenduell gegen Gastgeber Kanada am 30. Dezember wurde das Turnier wegen zu vieler Corona-Fälle abgebrochen. So flog der DEB-Tross bereits an Neujahr unverrichteter Dinge von Edmonton über Toronto zurück nach Frankfurt – mit viel Wehmut, denn für alle Teilnehmer war ein Traum geplatzt.

Besonders hart traf Borzecki die Absage. Denn für dessen Jahrgang 2002 war die Weltmeisterschaft die letzte Gelegenheit, sich bei einem Juniorenturnier international zu beweisen. „Für uns alle war es ein Schock und eine Enttäuschung, vorzeitig wieder nach Hause fliegen zu müssen. Wir haben uns das ganze Jahr auf diese WM vorbereitet, die Vorfreude war riesig“, sagt Jakub Borzecki. Der Nachwuchsstürmer verbrachte nun bei den Eltern in Bietigheim die letzten freien Tage, ehe er Ende der Woche nach Österreich zu seinem Klub EC Red Bull Salzburg zurückkehrte. Am Freitag trainiert Borzecki erstmals wieder bei den „Roten Bullen“. Bis dahin wird er drei PCR-Tests gemacht haben.

Schon bei der Junioren-WM im Jahr zuvor, die mitten in der Pandemie ebenfalls in Edmonton stattfand, hatte Borzecki Pech gehabt: Am vorletzten Tag der Quarantäne wurde er positiv getestet. Statt mit den deutschen Cracks auf dem Eis zu stehen, verbrachte er fast drei Wochen isoliert im Hotelzimmer.

Sprung zu den Profis gelingt

Umso erfolgreicher sind seine ersten Schritte bei den Profis verlaufen. 2020/21 war Borzecki noch für das Farmteam Red Bull Hockey Juniors in der Alps Hockey League aktiv. Seit dieser Saison hat er nun bei der ersten Garde der Salzburger einen Stammplatz. 25 Partien hat er in der „bet-at-home ICE Hockey League“ – so heißt Österreichs Eliteklasse offiziell – für den souveränen Spitzenreiter bisher bestritten. Dabei erzielte er zwei Treffer und bereitete fünf weitere vor. Hinzu kommen sieben Einsätze in der Champions Hockey League, wo er zwei weitere Scorerpunkte sammelte. „Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft und bekomme das Vertrauen des Trainers. Das ist für einen jungen Spieler sehr wichtig“, sagt Borzecki.

An seine Bietigheimer Zeit denkt der 1,86 Meter große und 92 Kilogramm schwere Rechtsschütze gern zurück. 2016/17 stürmte er für die U16 des SCB in der Schüler-Bundesliga und gehörte mit 50 Scorerpunkten (23 Tore, 27 Vorlagen) in 29 Duellen zu den Senkrechtstartern. Damals spielte er an der Seite der jetzigen Steelers-Jungstars Fabjon Kuqi, Robert Kneisler und Jimmy Martinovic, mit denen er bis heute befreundet ist. Nach einem einjährigen Abstecher zu den Kölner Junghaien wechselte „Kuba“ Borzecki 2018 schließlich zur renommierten RB Hockey-Akademie nach Salzburg. Sein Jugendvertrag bei Red Bull läuft am Saisonende aus. Was danach kommt, ist noch offen.

Dass er eines Tages ins Ellental zurückkehren könnte, schließt Borzecki nicht aus. „Im richtigen Moment und wenn ein Angebot kommen sollte. Man weiß im Profigeschäft aber nie, wohin es einen verschlägt“, sagt der in Syracuse (New York) geborene Youngster, der gleich drei Pässe besitzt: einen deutschen, einen polnischen und einen US-amerikanischen. Sein Geburtsland ist dabei zugleich ein sportliches Sehnsuchtsziel. „Mein Traum ist es, mal in der NHL zu spielen“, verrät Borzecki. „Ich weiß, dass der Weg dorthin lang und schwierig ist, aber es ist wichtig, sich Ziele zu setzen.“

Vater Adam Borzecki als Mentor

Zu seinen Vorbildern zählt der kanadische Center Steven Stamkos von den Tampa Bay Lightning – und natürlich Papa Adam Borzecki, dessen Spiele Jakub schon als kleiner Bub von der Tribüne aus verfolgt hat. „Da war der Weg zum Eishockey vorgezeichnet. Ich stand schon mit zwei Jahren zum ersten Mal auf dem Eis“, erzählt Borzecki junior und sieht in dem Steelers-Meisterkapitän von 2015 und 2018 auch einen Mentor: „Ich bin für seine Tipps und Ratschläge sehr dankbar. Von seiner Erfahrung kann ich nur profitieren.“

Sinisa Martinovic als Torwart-Trainer dabei

Zum DEB-Tross, der bis Neujahr bei der U20-Weltmeisterschaft in Kanada weilte, hat auch Sinisa Martinovic (41) gezählt. Der langjährige Goalie der Bietigheim Steelers fungierte als Torwart-Trainer und komplettierte das Trainerteam, das noch aus Tobias Abstreiter (Chefcoach), Pettri Väkiparta, Patrick Strauch (beide Assistenztrainer) sowie Christian Bachmann (Athletikcoach) bestand. Mit Verteidiger Arkadiusz Dziambor und Stürmer Noah Dunham standen außerdem zwei Förderlizenzspieler der Heilbronner Falken im deutschen Aufgebot. Beide stammen aus der Talentschmiede des DEL-Kooperationspartners Adler Mannheim. ⇥ae

 
 
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