Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen Moritz Baumgartls „Magie der Stille“

Von Heidi Vogelhuber
Rudolf Bayer hält die Einführungsrede zur Ausstellung von Moritz Baumgartl „Kosmos“ in der Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen. Bei der Eröffnung war auch der Maler selbst da. Foto: Andreas Essig

Noch bis 12. November ist in der Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen die Ausstellung „Kosmos“ des Malers Moritz Baumgartl zu sehen. Ein Überblick.

Fast 140 Gemälde sind noch bis zum 12. November in der Galerie Bayer in Bietigheim-Bissingen zu sehen. Fast sind es zu viele, könnte man meinen. „Ich wollte in einem Bilderteppich zeigen, wie sein ‚Kosmos’ an Bilderwelten begreifbar wird. Die Summe eines Malerlebens zeigen“, erklärt Galerist Rudolf Bayer im Gespräch mit der BZ. „Kosmos“, eben so heißt die Ausstellung des Künstlers Moritz Baumgartl, der bei der Ausstellungseröffnung auch zugegen war.

Lernte und lehrte in Stuttgart

Nicht zum ersten Mal zeigt der Bietigheimer Galerist Werke des mittlerweile 88-jährigen Baumgartls. Bayer begleite dessen künstlerisches Leben bereits seit Anfang der 1970er-Jahre, erklärt er. Bayer schätze die Werke des im Erzgebirge geborenen Malers, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studierte und später auch lehrte, sehr. Mit den Malern Axel Arndt, Adam Lude Döring und Franz Sequenc bildete Moritz Baumgartl die Künstlergruppe der „Stuttgarter Schule“. Baumgartl habe den Realismus in Deutschland seit den 1970er-Jahren mitgeprägt. „In einer Zeit, da die Abstraktion dominierte, spielte er eine revolutionäre Rolle“, ordnet Bayer den Maler ein.

In zahlreichen, zumeist kleinformatigen Werken zeigt Baumgartl verschiedene Welten. So auch absurde Kriegsbilder, die aber nicht nur den Schrecken zeigen. „Furchtbares tritt in Relation mit dem Zärtlichen, was die Kriegsbilder noch furchtbarer werden lässt“, beschreibt Bayer und meint Gemälde wie „Die Eierwerfer“ (siehe Foto). Fast lustig mutet die absurde Szenerie an, in welcher Soldaten mit rohen Eiern spielen. Betrachtet man das Ei jedoch als ein Symbol für das Leben selbst, bekommt das Gemälde einen bitteren Beigeschmack, denn die meisten Eier sind zerbrochen. Der Panzer im Hintergrund strahlt eine einnehmende Ruhe aus, die verstört, bedenkt man, dass es sich um eine menschenmordende Kriegsmaschine handelt.

Eben dies sei für ihn das Besondere an den Werken Baumgartls, sagt Bayer: „Die Magie der Stille in den Bildern.“ Die Werke wirken entschleunigend, so der Galerist. „Erst herrscht Stille, dann entsteht Zeit.“ Der Künstler habe Momentaufnahmen geschaffen, die den Betrachter darüber grübeln lassen, was vor und was nach dem dargestellten Moment geschehen ist oder geschehen wird. „Es sind Cliffhanger-Bilder“, sagt Bayer, der dies auch als „Dornröschen-Effekt“ beschreibt. Der Moment nämlich, als Dornröschen sich an der Spindel sticht und alles in der Bewegung erstarrt.

Die Bildersprache Baumgartls erstreckt sich von gegenwärtig Alltäglichem, über Vergangenes bis hin zum Fantastischen. Immer jedoch gegenständlich und mit handwerklicher Perfektion auf der Leinwand eingefangen.

Päpste, Drachen und Häuser

Junge Frauen beim Einkaufen, Kaiser, Päpste und Drachen am Bahnhof, aber auch menschenleere Szenen, oft von Häuser, Tore, Räume dominiert, die multiperspektivisch das Auge des Betrachters herausfordern. Auch Gegenstände wie Taschen, Schädel, menschenleere Kleidung treten als Protagonisten auf.

„Ich verbrauche ungeheuer wenig Farbe“, beschrieb der Maler seine Kunst 1986. Mit einer Leichtigkeit, die man Öl kaum zutraut, entstehen dramatische Himmel, weitläufige Landschaften und Räume, in denen sich Baumgartls Figuren frei bewegen und sich die Betrachter verlieren können.

Eines sei dem Ausstellungsbesucher jedoch geraten: Es empfiehlt sich, Zeit mitzubringen. Denn die Werke Baumgartls lassen nicht nur Zeit entstehen, wie Galerist Bayer beschreibt, sie brauchen auch Zeit, um ihre Wirkung entfalten zu können.

 
 
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