Gardetanz und Guggenmusik Musik und Tanz mit Brauchtum vermischt

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Auf einer Sänfte trug das Männerballett der Buchfinken ihren Kapitän in die Halle⇥ Foto: Helmut Pangerl

Die Bietigheimer Narrenzunft der Wobachspatzen feierte in der Aurainhalle. Prinzessin Kessy Blue I unterhielt die Gäste mit Gesang.

Die Aurainhalle in Bietigheim brummte am Samstagabend beim Brauchtumsabend der Wobachspatzen: Närrische Gruppen in der schwäbisch-alemannischen Tradition begegneten klassischen Karnevalisten. „Bei uns akzeptieren sich alle gegenseitig. Da gehts auch am Brauchtumsabend locker und tolerant zu“, freute sich Uli Prox, Vizepräsident der Wobachspatzen über die bunte Mischung an Akteuren.

„Normalerweise hat das Prinzenpaar am Brauchtumsabend nicht viel zu melden. Bei uns schon. Wir vermischen Musik und Tanz mit Brauchtum. Bei uns kommen auch die Gardemädchen zum Zug, die das ganze Jahr geübt haben“, sagte Uli Prox und erklärt: „Bei uns kann jeder kommen und mitmachen frei nach dem Faschingsmotto: Jedem zur Freud‘ und keinem zum Leid.“

Seit 25 Jahren dabei

Prox weiß deshalb so genau, worauf es den Wobachspatzen ankommt, weil er seinen Job im Verein schon seit 25 Jahren macht. „Seit ich hier bin, hatten wir noch nie eine singende Prinzessin“, sagte er mit Seitenblick auf Prinzessin Kessy Blue I. In Großerlach geboren, ist Kessy Blue I. im Gesundheitswesen tätig und singt als Ausgleich Schlager auch mal in der Öffentlichkeit. „Ich bin schon immer ein Faschingsfan“, bekannte sie am Samstagabend. Zusammen mit Prinz Christian regiert sie die CVB Wobachspatzen seit 11.11. 2019. „Für mich ist Singen ein Ausgleich zum Beruf“, erzählte sie.

Zum Brauchtumsabend hatte sie eigene Lieder mitgebracht. Das eine heißt „Weil er besoffen ist“ und läuft den Wobachspätzinnen besonders gut rein. Kessy managt sich selbst und greift auf ihr eigenes Playback zurück. Was auch gut ankommt bei den Bietigheimer Narren: Der Song „Scheiss‘ drauf“ von Peter Wackel. Eine Prinzessin, die singt,  „das ist für einen Verein ein Glücksgriff“, sagte Uli Prox.

Zur singenden Prinzessin kommen allerlei Musik- und Tanzgruppen. Die Jugendgarde des CVB Wobachspatzen schimmerte in blauen Anzügen und mischte Polka mit modernen Beats für ihre aufwendige Choreografie. Jedes Jahr dabei mit einem Beitrag ist der Bietigheimer Schwesternverein Buchfinken. Dieses Mal hatten sie ihr Männerballett mitgebracht, lauter Leichtmatrosen in Schläppchen mit Fernglas, Anker auf dem Hemd und einem sehnsuchtsvollen Blick in die Ferne. Das Männerballett ist eine starke Truppe bei den Buchfinken. Auf der Sänfte trugen sie ihren Kapitän in die Halle, und natürlich durfte als Hintergrundsound das „knallrote Gummiboot“ nicht fehlen.

Mistelhexen, Stadtnarren und Weingeister

Klassische Brauchtumgruppen hatten ihre große Stunde, die Mistelhexen aus Neckarweihingen zum Beispiel, die Bietigheimer Stadtnarren oder die Fellbacher Weingeister. Zum ersten Mal auf der Bühne bei den Wobachspatzen waren die Kobolde vom Silbernen Mehlstaub. Die Ittlinger Käfer waren extra aus dem Kraichgau angerückt. Dazu gab es immer wieder kräftige Guggenmusik etwa von den Immortails Bietigheim oder von den Hochdorfer Fleggafetzer.

Ganz groß war auch die Schwarzlichtshow der Wobachspatzen. Ihnen in die Hände spielten nur die Leuchtstabmajoretten aus Sulzbach. „Beim Fasching ergibt sich vieles spontan“, weiß Uli Prox, der Vize. Auch die Konstellation, wie sich die Gruppen beim Brauchtumabend zusammensetzen, ist eine Laune des Zufalles. „Der Brauchtumsabend ist jedes Mal eine einzigartige Mischung“, weiß Uli Prox.

Nur eine Gruppe, die hat, so die Ansicht der Wobachspatzen, beim Brauchtumsabend nichts verloren und das sind die „Spätzle.“ „Die Spätzle sind unsere kleinsten. Die Kindergruppe gibts seit zwei Jahren. Die sind heute Nachmittag beim Kinderfasching aufgetreten. Da passen sie hin“, erzählt Uli Prox. Je später der Abend, desto wilder das Brauchtum. Am Ende machen die Guggenmusiker von Immortalis Bietigheim den Kehraus.

 
 
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