Gemeindeverwaltung Kirchheim geht die Digitalisierung an Auf dem Prüfstand

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Die Gemeindeverwaltung Kirchheim soll bürgernäher und effizienter werden und geht eine Forschungskooperation mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung ein, die bis zum Jahr 2026 dauert. ⇥ Foto: Oliver Bürkle

Die Gemeindeverwaltung will in Zusammenarbeit mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung bürgernäher und effizienter werden.

Kirchheim ist gewachsen, die Mitarbeiterstruktur ist gewachsen und die Aufgaben sind gewachsen“, so leitete Bürgermeister Uwe Seibold eine besondere Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend ein. Ist die Gemeinde bereit für die Herausforderungen, zu denen auch Digitalisierung und Klimawandel zählen? Wo erwarten Bürger was vorzufinden, wo erwarten sie mehr Digitalisierung und wo nicht? Aus diesem Ansatz heraus sucht die Gemeinde Unterstützung bei der Hochschule für öffentliche Verwaltung Ludwigsburg, von der Professorin Claudia Schneider und Professorin Birgit Schenk per Video zugeschaltet waren und ihr Vorhaben erläuterten.

Es soll eine Forschungskooperation werden, die bis zum Jahr 2026 dauert und Kirchheim zur Modellkommune machen soll. Denn bislang beriet die Hochschule nur Teilbereiche von Kommunen und nie Kommunen als Ganzes. Unter dem Titel „Zukunftsfähige Gemeindeverwaltung Kirchheim: bürgernah digitalisiert“ wollen die beiden Professorinnen in der Steuerungsgruppe mit Vertretern von Verwaltung und Fraktionen arbeiten und die Prozesse optimieren.

Kampf um Fachkräfte

„Hierarchische Strukturen führen dazu, dass wir zu langsam sind, wir kommen mit der klassischen Amtsstruktur an unsere Grenzen“, machte Claudia Schneider deutlich. Derweil werde der Druck auf die Verwaltung immer größer und es gebe kaum Nachfolger, die in der Verwaltung arbeiten möchten. Für 50 Prozent der Gymnasiasten komme eine Stelle in der Verwaltung überhaupt nicht in Frage, daher sei der Kampf um Fachkräfte entbrannt und es gelte für die jungen Menschen attraktiv zu werden. Ein Bürgerkonto könne die Abläufe in der Verwaltung schneller und effizienter machen, Sensorik werde in Zukunft eine viel stärkere Rolle spielen, so Schneider. Für einen „radikalen Organisationsumbau“ müsse eine Digitalstrategie erarbeitet werden, was schon im Herbst starten soll. „Wir bauen um bei laufendem Motor“, so die Professorin.

Bereits bei der letzten Klausurtagung hatte sich der Kirchheimer Gemeinderat mit dem Thema befasst und sich entschieden, kein Consultingbüro zu engagieren sondern die Hochschule für Verwaltung in Ludwigsburg. „Wir gehen auf eine spannende Entdeckungsreise mit hoch motivierten und hoch kompetenten Ansprechpartnern“, erklärte Bürgermeister Uwe Seibold nach der einstündigen Präsentation. Ergebnisse sollen in Fachpublikationen veröffentlicht werden, und die Leistungen werden über fünf Jahre in Tranchen zwischen 10 000 und 35 000 Euro honoriert.

Hubert Deisinger von der Wählergemeinschaft sah das Vorhaben als guten Weg und erinnerte an die personalintensiven Großprojekte, die Kirchheim mit Gemeindehalle und Schulerweiterung zu stemmen hat. „Wie sehr sind die Mitarbeiter der Verwaltung mit einbezogen?“, fragte der Rat. „Vielleicht ist es genau der richtige Zeitpunkt“, hielt Seibold entgegen, so könnten Prozesse für künftige Projekte optimiert werden. Es sei wichtig zwischendurch Ergebnisse zu gewinnen und einen Prototyp zu schaffen, betonte Jürgen Brückner von der Wählergemeinschaft. Für Inge Schemminger von den Unabhängigen war es wichtig, auch den Personalrat mit einzubeziehen, es brauche Leute, denen man vertraue. Ihr Fraktionskollege Immanuel Schmutz bewertete die Zusammenarbeit als „sehr spannenden Weg auf den wir uns hoffentlich begeben werden“. Stephan Hennig von der Wählergemeinschaft wollte „am liebsten sofort beginnen“ und aus der Bürgerbeteiligung Anregungen bekommen.

Das Gremium war sich am Ende einig und stimmte geschlossen der Kooperationsvereinbarung mit der Hochschule zu.

 
 
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