Geplante Wohnbebauung in Ochsenbach Kritik am Baugebiet „In den Gärten“

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Am südöstlichen Ortsrand Ochsenbachs soll ein Neubaugebiet entstehen. Die Bewohner haben Befürchtungen, dass dieses zu groß und zu massiv ausfallen könnte. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Bürger und Ortschaftsräte in Ochsenbach wollen nur eine kleine Teilfläche zu Bauland machen. Zudem ist ihnen die vorgesehene Bebauung zu massiv.

Die Emotionen kochten hoch am Mittwoch im Sitzungssaal der Verwaltungsstelle in Ochsenbach, in der sich rund 50 Besucher dicht gedrängt eingefunden hatten, um mit Ortschaftsräten und Verwaltungsvertretern über das geplante Baugebiet „In den Gärten“ zu diskutieren. Eindeutig klar stellten Bürger und Ortsvorsteher Dieter Baum dabei, dass sie nicht das gesamte knapp drei Hektar große Gebiet am südöstlichen Ortsrand zwischen Liebenbergstraße und Tannenbrunnenbächle entwickeln wollen.

Das hatten die Sachsenheimer Gemeinderäte in ihrem Aufstellungsbeschuss zum Bebauungsplan „In den Gärten“ im Dezember 2019 so beschlossen (die BZ berichtete). Die Ortschaftsräte Ochsenbachs jedoch hatten schon im Vorfeld 2018 klar zum Ausdruck gebracht, dass besagtes Baugebiet in einem ersten Abschnitt nur eine kleine Teilfläche von 1,4 Hektar umfassen soll.

Dörflicher Charakter

„Für das gesamte neue Baugebiet sollen dieselben Bedingungen hinsichtlich Art und Größe der Bebauung gelten, wie sie für das unmittelbar dahinter angrenzende Wohngebiet vorgeschrieben sind. Die Bebauung soll dem bestehenden dörflichen Charakter Ochsenbachs entsprechen“, machte der ehemalige Ortschaftsrat Wulf Ippich deutlich. Er fragte in die Runde, ob diese ohne Gegenstimmen gefassten Beschlüsse des Ortschaftsrats Ochsenbach auch in der Diskussion im Gemeinderat im Dezember zur Sprache gekommen seien. Dies verneinte Gemeinde- und Ortschaftsrätin Sabine Schülke. „Ich habe mich im Vorfeld über das Baugebiet und die Wünsche des Ortschaftsrats informiert. Mir wurde mitgeteilt, dass die Verwirklichung des Baugebiets ein langgehegter Wunsch des Ortschaftsrats sei. Davon, dass dieser zunächst eine kleine Teilfläche umsetzen will, wusste ich leider nichts“, erklärte Schülke.

Einige aufgebrachte Bürger besänftigten diese Sätze jedoch nicht. „Welche Schritte gedenkt der Ortschaftsrat zu unternehmen, sollte der Sachsenheimer Gemeinderat sich erneut über ein klares Votum des Ortschaftsrates hinwegsetzen? Soll etwa hingenommen werden, dass das Ortsbild durch Bauvorhaben wie in Großsachsenheim dauerhaft verschandelt wird?“, empörte sich Ippich unter dem Applaus der Anwesenden.

Doch da konnte Thomas Feiert, Fachbereichsleiter Technik bei der Stadt, beruhigen: Da die Stadt im Gebiet keine eigenen Flächen besitze, müsse im Rahmen des Umlegungsverfahrens zunächst ausgelotet werden, wo die Grundstückseigentümer zur Mitwirkung bereit seien. „Daher haben wir den Aufstellungsbeschluss über das gesamte Areal gefasst, um feststellen zu können, wo wir eine Teilfläche entwickeln können. Wir werden uns an den Beschluss des Ortschaftsrats halten und zunächst nur eine kleinere Fläche bebauen“, betonte er. Auch Bürgermeister Holger Albrich versprach, dass allen an einer moderaten Baulandentwicklung in Ochsenbach gelegen sei.

Auch Ortsvorsteher Dieter Baum bemühte sich, die erhitzten Gemüter zu beruhigen und verwies darauf, dass es in der Vergangenheit immer Usus gewesen sei, dass der Gemeinderat dem Abstimmungsverhalten des Ortschaftsrats folge. „Unser Beschluss von 2018 zu diesem Baugebiet ist für uns verpflichtend. Wir werden uns mit aller Macht dagegen wehren, dass sich der Gemeinderat darüber hinwegsetzt“, betonte Baum. Gemeinsam mit Ortschaftsrat Martin Dürr sitzt der Ortsvorsteher in einer Projektgruppe aus Gemeinderäten und Verwaltungsvertretern, in der die möglichen neuen Baugebiete in den Sachsenheimer Stadtteilen detailliert besprochen werden.

Dass die Ochsenbacher Vertreter aber erst zur zweiten Sitzung des Arbeitskreises eingeladen wurden erzürnte Bürger Dr. Rudi Ott: „In dieser Projektgruppe wurden im November die Rahmenbedingungen festgelegt, auf deren Grundlage der Gemeinderat anschließend den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan gefasst hat. Kein Vertreter aus Ochsenbach war dabei.“

Albrich und Feiert verwiesen darauf, dass die Projektgruppe ein freiwillig einberufenes Gremium sei, in das jede Fraktion Vertreter entsenden könne. „Die Projektgruppe beschäftigt sich mit allen vier in Aussicht genommenen Baugebieten in Groß- und Kleinsachsenheim, in Ochsenbach und Häfnerhaslach. Die Gruppe hat beratende Funktion. Bei der ersten Sitzung im November haben wir viel über die grundsätzliche Entwicklung von Bauland in der Stadt diskutiert“, so Feiert.

Dass dabei für das Ochsenbacher Areal „In den Gärten“ auch Mehrgenerationen- sowie Einfamilien- und Doppelhäuser mit zwei Vollgeschossen plus Dachgeschoss vorgeschlagen wurden, war vielen Zuhörern zu massiv. „Eine solche Bebauung macht den Bürgern Angst. Das passt hier nicht hin. Wir haben in Ochsenbach einen dörflichen Charakter, der sich auch im neuen Baugebiet wiederfinden muss“, so Baum.

 
 
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