Geschichte Auf den Spuren der Kelten

Von Michaela Glemser
Museumsleiterin Claudia Papp (links) mit der FSJ-lerin Laura Stöhrer da Silva an der Mitmachstation an der Getreidesorten bestimmt werden können. Foto: /Werner Kuhnle

Die Neue Ausstellung im Sachsenheimer Stadtmuseum ermöglicht Einblick in Ausgrabungen und Forschung

Wer die Karte von Baden-Württemberg am Eingang des Stadtmuseums betrachtet, merkt schnell, wie weit verbreitet die Keltensiedlungen im südwestlichen Bundesland waren. „Die Kelten waren am Oberlauf der Donau verortet. In Baden-Württemberg gab es keltische Fürstengräber, unterschiedliche Siedlungen und Gutshöfe. In dieser Wanderausstellung des baden-württembergischen Landesamts für Denkmalpflege wollen wir die wichtigsten Fundstellen und vor allem auch die neuesten Forschungsergebnisse präsentieren“, erläutert Dr. Claudia Papp, Leiterin des Stadtmuseums Sachsenheim.

Am Sonntag, 2. Oktober, ab 11 Uhr wird die spannende Reise in die Frühgeschichte mit einer fachlichen Einführung von Felicitas Schmitt, Gebietsreferentin für Vor- und Frühgeschichte beim Landesamt für Denkmalpflege, eröffnet. Anschließend stehen Experten des Landesamts auch für die Fragen der Besucher zur Verfügung. „Dazu werden ‚Keltische Kringel‘ als Gebäck aus dieser Zeit gereicht, und für die Ohren gibt es keltisch-irische Musik eines Gitarrenduos“, schildert Claudia Papp.

Fundstücke aus Sachsenheim

In Sachsenheim selbst gibt es nur wenige keltische Fundstücke. Zwei davon, die 1982 bei den Ausgrabungen eines römischen Gutshofs zum Vorschein kamen, sind im Rahmen der aktuellen Ausstellung zu sehen. „Es wurde bei den Grabungsarbeiten für den Gutshof festgestellt, dass es an diesem Ort schon vorher sogenannte ‚keltische Grubenhäuser‘ gegeben haben muss. Dies waren Werkstätten oder Wirtschaftshäuser, die meist tiefer gelegen waren, als die eigentlichen Wohnhäuser der Kelten“, erläutert die Museumsleiterin. Entdeckt wurden in Sachsenheim beispielsweise ein Tongefäß und eine Fibel. Dies war eine Art Brosche, welche die langen Mäntel der Männer und Frauen zusammenhielt, die darunter in Hüfthöhe gegürtete Tuniken oder Walle-Gewänder trugen. „Auch wenn es in Sachsenheim nur wenig keltische Fundstücke gab, wollen wir mit dieser Ausstellung den Blick über den Tellerrand hinaus wagen, denn in unmittelbarer Nachbarschaft in Eberdingen-Hochdorf gab es eine bedeutende frühkeltische Siedlung und ein Fürstengrab“, sagte Claudia Papp.

Andere Fundorte keltischer Siedlungstätigkeit wie die bekannte Heuneburg, der Heiligenberg hoch über dem Neckartal bei Heidelberg oder die Rosenstein-Region auf der Schwäbischen Alb werden ebenfalls in den bunt beleuchteten Schautafeln der Wanderausstellung detailliert vorgestellt. Die in Bildern gezeigten Fundstücke stammen aus frühkeltischer Zeit von 600 bis 400 vor Christi und reichen bis in die Spätphase der keltischen Besiedlung mit befestigten Gutshöfen und Großsiedlungen.

Neun Mitmachstationen

„Da wir in der Phase nach der Pandemie gemerkt haben, dass vor allem unsere Angebote für Kinder und die Veranstaltungen im Rahmenprogramm einer Ausstellung sehr gut angenommen werden, während die freien Besucher immer noch zögerlich kommen, haben wir uns wieder Verschiedenes einfallen lassen“, erzählt Museumsleiterin Papp. So gibt es insgesamt neun Mitmachstationen rund um das keltische Leben.

Unterschiedliche Getreide- und Hülsenfrüchte, die Grundlage der keltischen Ernährung waren, müssen den passenden Bezeichnungen wie Einkorn, Emmer oder Linsen zugeordnet werden. Wer möchte, kann sich auch in einem keltischen Gewand in den Sattel schwingen und mit Pfeil sowie Bogen auf ein Hirschbild zielen.

Brettchenwebbänder laden zu keltischen Handarbeiten ein, während Würfelspiele den Kindern in damaliger Zeit schon als Unterhaltung dienten. Eine Ausgrabungskiste, die Anfertigung von keltischen Schmuckstücken sowie das Erraten der Bedeutung gälischer Aussprüche sorgen ebenfalls für die spielerische Auseinandersetzung mit der Frühgeschichte.

„Wir freuen uns besonders auf Führungen mit Schulklassen, für die das Thema sehr interessant sein dürfte. Außerdem bieten wir Töpferkurse für Kinder und Erwachsene an, veranstalten wieder viele Kindererlebnisnachmittage mit dem Basteln von Panflöten oder Winterfeuern und ermöglichen einen Ausflug ins Keltenmuseum nach Hochdorf mit einer Abendführung“, berichtet Claudia Papp. Das Keltenmädchen „Tessia“ geleitet die Besucher mit einer Rätselkarte durch die Ausstellung im Stadtmuseum und macht dabei immer wieder auf spezielle Aspekte keltischen Lebens aufmerksam.

Info

Die Ausstellung „Kelten in Baden-Württemberg“ ist von 2. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023 zu den Öffnungszeiten dienstags von 14 bis 18:30 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum Sachsenheim zu sehen.

 
 
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