Gewerbe in Hohenhaslach Widerstand gegen Leimengrube

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Blick übers geplante Gewerbegebiet Leimengrube in Richtung Hohenhaslach.⇥ Foto: Mathias Schmid

Eigentlich schien alles klar beim geplanten Gewerbegebiet in Hohenhaslach. Doch jetzt gibt es neue Proteste aus der Bürgerschaft.

Fragt man die Entscheidungsträger aus Hohenhaslach – Ortschafts- und Gemeinderäte – ist die Meinung klar: Das geplante Gewerbegebiet Leimengrube an der Schießmauerstraße in Hohenhaslach ist ein Segen. Denn die Nachfrage ortsansässiger Unternehmer sei hoch. Doch eine von Anwohnern gestartete Online-Petition zeigt: Das sehen nicht alle so. Sie wollen das 1,5 Hektar große Gewerbegebiet noch verhindern.

Aktuell liegt der Bebauungsplan noch bis zum 7. Februar öffentlich aus. Heißt: Jeder kann seine Anmerkungen einreichen. Es ist schon die zweite Auslegung. Erste Anregungen, beispielsweise von Behörden und Anreinergemeinden wurden bereits eingearbeitet. Steffen Schurr, Bauverwaltungs-Teamleiter der Stadt, geht daher nicht davon aus, dass es noch einmal kritisch wird für das Gewerbegebiet.

Dennoch wird es in der kommenden Woche noch einmal einen Gesprächstermin mit den Protestierenden und Bürgermeister Holger Albrich geben. Federführend für die Online-Petition sind Peter Nissan und Frau Birgit Weller-Nissan sowie Nachbar Peter Tubs. Sie haben mittlerweile gut 100 Unterstützer – davon rund 60 bekennend aus Sachsenheim.

Der Hauptkritikpunkt wird schon aus dem Namen der Petition klar: „Kein Gewerbegebiet im Ortskern Hohenhaslach“. Peter Nissan betont gegenüber der BZ: „Wir haben nichts gegen ein Gewerbegebiet, würden uns freuen, wenn die örtlichen Unternehmen die Möglichkeit bekämen, sich niederzulassen. Aber doch bitte am Rand, so wie überall.“ Eine Befürchtung: Das Thema Verkehr. „Wir haben schon jetzt viel Verkehr und Lkw, die durchdonnern“, sagt er. Und das am „Flaschenhals Schießmauerstraße“. In den Kommentaren der Petition ist von einer Steigerung von zehn bis 15 Prozent in 24 Stunden die Rede.

Vekehr wurde gezählt

Schurr betont, dass es zwar Verkehrszählungen gab, bestätigt die Zahlen aber nicht. „Man muss die Kirche im Dorf lassen. Wir reden von rund zehn kleinen Betrieben, die überwiegend handwerklichen Hintergrund haben.“ Er rechne daher nicht mit wesentlich mehr Verkehr als bei einem reinen Wohngebiet an selber Stelle.

Jörn Hattenkofer gehört ebenfalls zu den Unterstützern der Petition. Er hatte bereits 2018 in der BZ auf einen fehlenden sicheren Schulweg hingewiesen. Auch die Kirbachschule pocht in einer Stellungnahmen auf die Notwendigkeit eines solchen. „Es kann nicht sein, dass dieses Problem im Bebauungsplan weiterhin keine Lösung findet“, klagt Hattenkofer.

Ein alternativer Standort, der im Zusammenhang mit der Petition aufkommt, ist am Ortsausgang vor der Abzweigung in Richtung Hohenhaslach. Schurr gibt zu: „Verkehrlich wäre das der bessere Standort. Aber das Gebiet wäre dann an prominenter Stelle mit Blick auf den Berg.“ Außerdem liege man hier tatsächlich in einem Landschaftsschutzgebiet, ein Ausschlusskriterium – im Gegensatz zur Leimengrube, wo man lediglich an ein solches angrenze. Die Petenten behaupten dagegen, man läge mitten im Naturschutzgebiet.

Von behördlicher Seite gab es weder bei Arten- noch Naturschutz größere Bedenken. Während der Bauphase muss festgestellt werden, dass die in angrenzenden Bereichen gesichteten Mauereidechsen und Laubfrösche angelockt werden und sich auf der Baustelle ansiedeln. Grünfink und Girlitz sollen dadurch geschützt werden, dass Eingriffe, falls erforderlich, außerhalb der Vegetationsperiode erfolgen. Auch lärmintensive Betriebe müssen den Nachweis erbringen, dass nachts gewisse Werte im angrenzenden Wohngebiet nicht überschritten werden.

Seit 1999 beschäftige sich die Stadt bereits mit einem Gewerbegebiet für ortsansässige Betriebe in Hohenhaslach, so Schurr: „Der jetzige Standort wird von allem mitgetragen. Auch der Ortsvorsteher steht dahinter.“ Die notwendigen Grundstücke wurde ebenfalls bereits alle aufgekauft.“ Wir haben uns viele Alternativen angeschaut, das ist unser Standort, es gibt keinen, der besser geeignet ist.“

Auf die Frage, weshalb er und seine Mitstreiter erst jetzt aktiv würden, meint Peter Nissan: „Wir haben davor nicht so richtig erfahren, was da passieren wird.“ Erst über einen BZ-Bericht im vergangenen Jahr sei er hellhörig geworden. Daraufhin schrieb er im Juli 2019 an die Stadt. „Eine Antwort habe ich aber erst Mitte Dezember erhalten.“

Info Noch bis 7. Februar liegt der Bebauungsplan im Rathaus aus, ist außerdem auf der Internetseite der Stadt zu finden.

www.sachsenheim.de

 
 
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