Handball, Bundesliga Frauen SG BBM ringt Leverkusen mit Kampfgeist und Herz nieder

Von
Karolina Kudlacz-Gloc, hier im Angriff, lief gegen Leverkusen zur Höchstform auf und steuerte sieben Tore zum Bietigheimer 25:20-Heimsieg bei. Den Bayer-Spielerinnen Anna Seidel (links) und Zivile Jurgutyte bleibt nur das Nachsehen. ⇥ Foto: Marco Wolf

Der Deutsche Meister besiegt die „Werkselfen“ mit 25:20 und sitzt Borussia Dortmund weiter im Nacken. Die erhoffte Schützenhilfe bleibt aber aus.

Die SG BBM Bietigheim hat ihre Titelchance in der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) gewahrt. Das Team um Kapitänin Kim Naidzinavicius bezwang am Samstagabend den Tabellensechsten Bayer 04 Leverkusen nach einem harten Kampf mit 25:20 (12:10) und sitzt Borussia Dortmund weiter im Nacken.

Da die erhoffte Schützenhilfe des Thüringer HC in Dortmund ausblieb, beträgt der Bietigheimer Rückstand auf den Spitzenreiter wie gehabt drei Zähler. Der BVB setzte sich nach einem 12:14-Rückstand zur Pause noch mit 27:25 durch und feierte so den 16. Sieg im 16. Saisonduell. „Wir können nur auf unsere Spiele gucken und da alles geben, was wir haben. Es macht keinen Sinn, die ganze Zeit auf Dortmund zu schauen“, sagte Laura von der Heijden, niederländische Nationalspielerin und Weltmeisterin der SG BBM, mit Blick auf die westfälische Konkurrenz um die Meisterschaft.

Albertsen baut auf Metzingen

Trainer Martin Albertsen zieht hingegen sehr wohl das Restprogramm der Borussia ins Kalkül. Er baut nun fest darauf, dass die drittplatzierte TuS Metzingen am nächsten Samstag dem verlustpunktfreien Tabellenführer die erste Niederlage zufügt. Zumal es da auch gegen André Fuhr, den langjährigen Trainer der heimstarken „Tussies“ geht. „Wenn Metzingen gegen Dortmund gewinnt, beträgt meine Zuversicht 100 Prozent, dass wir Meister werden, denn dann haben wir es wieder selbst in der Hand“, sagte Albertsen.

Was seine Spielerinnen gegen Leverkusen vor den 983 Zuschauern in der Viadukthalle in puncto Kampfgeist und Abwehrarbeit zeigten, war bereits wieder titelreif. Eine SG-Akteurin ragte dabei heraus und verdiente sich eine besonders gute Fleißnote: Karolina Kudlacz-Gloc. Die 35-jährige Polin krempelte die Ärmel hoch, übernahm Verantwortung und kämpfte so, als ob sie sich noch für einen neuen Vertrag empfehlen müsste. Dabei weiß sowieso jeder weit und breit, was sie auch im Spätherbst ihrer Karriere noch zu leisten vermag. Mit sieben Toren avancierte Kudlacz-Gloc zur Topwerferin an diesem unterhaltsamen Handball-Abend.

Die „Werkselfen“ boten der SG BBM wie erwartet heftige Gegenwehr und waren lange Zeit ebenbürtig. Nicht umsonst hatte die Mannschaft des Trainerduos Renate Wolf und Michael Biegler den Thüringer HC Ende Januar mit 34:25 aus der eigenen Halle gefegt. Hinzu kam, dass die Rheinländerinnen sich für das jüngste 26:35-Heimdebakel gegen Buxtehude rehabilitieren wollten. „Es war ein umkämpftes Match. Ich habe großen Respekt vor der Leistung von Bayer Leverkusen“, lobte auch Albertsen später den unbequemen Gegner.

Verletzte Aardahl fehlt der SG

Bereits im ersten Durchgang fielen nur 22 Treffer – ein Beleg, dass die Deckung beider Vereine ganze Arbeit leistete, allen voran die Torhüterinnen Dinah Eckerle und Nele Kurzke. Bayer musste sich bis zur Pause mit zehn Toren begnügen. Vier davon resultierten aus Siebenmetern, die Svenja Huber sicher verwandelte. Doch auch der Gastgeber verriet Schwächen im Angriff, was wohl auch mit dem Ausfall von Maren Nyland Aardahl zu tun hatte – die norwegische Kreisläuferin hat sich an der linken Hand verletzt und unterzieht sich an diesem Montag einer Magnetresonanztomographie (MRT). Mit 12:10 lagen die Bietigheimerinnen nach den ersten 30 Minuten letztlich vorne. Ihr größter Vorsprung hatte bis dahin drei Tore betragen – beim Zwischenstand von 6:3 (12.).

Auch im zweiten Durchgang ging das Kopf-an-Kopf-Rennen zunächst weiter. Leverkusen ließ sich sich nicht abschütteln und blieb bis zum 18:17 (42.) dran. Die Vorentscheidung brachte ein Bietigheimer Zwischenspurt mit vier Toren am Stück zum 22:17 (51.). In der Restspielzeit war die SG BBM dann so abgezockt, um den Vorsprung sicher über die Bühne zu bringen. „Es war wichtig, dass wir bis zum Ende gekämpft haben“, resümierte von der Heijden. Jetzt muss aus Bietigheimer Sicht eigentlich nur noch Dortmund patzen – am besten schon am Samstagabend in Metzingen.

 
 
- Anzeige -