Handball-Zweitligist bezwingt Wilhelmshavener HV SG BBM meldet sich mit deutlichem Erfolg zurück

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Eine starke Partie lieferte einmal mehr Bietigheims Christian Schäfer gegen den Wilhelmshavener HV ab. Der Rechtsaußen war mit elf Treffern (sieben Siebenmeter) bester Schütze auf der Platte.⇥ Foto: Avanti/Ralf Poller

Die SG BBM Bietigheim hat am Samstagnachmittag den zweiten Saisonsieg eingefahren. Gegen den Wilhelmshavener HV gelang der Truppe von Trainer Hannes Jón Jónsson dank einer großartigen Anfangsphase in eigener Halle ein deutlicher 25:18-Erfolg.

Die SG BBM Bietigheim hat am Samstagnachmittag den zweiten Saisonsieg eingefahren. Gegen den Wilhelmshavener HV gelang der Truppe von Trainer Hannes Jón Jónsson dank einer großartigen Anfangsphase in eigener Halle ein deutlicher 25:18-Erfolg.

Es war das Aufeinandertreffen zweier Krisenklubs, die beide vor der Saison eigentlich mit mindestens einem Auge in Richtung Bundesligaaufstieg geschielt hatten. Doch während sich die SG BBM mit zahlreichen coronabedingten Spielausfällen und einer Ergebniskrise am Tabellenende der Zweiten Liga wieder fand, sind die Probleme des Aufsteigers aus Niedersachsen anderer Natur: Nach der Insolvenz des wirtschaftlichen Trägers und dessen Wechsel werden den Norddeutschen am Saisonende von der HBL-Lizensierungskommission vier Punkte abgezogen. Fünf Spieler hatten den Klub aufgrund der Turbulenzen der letzten Monate zudem verlassen. Der Neu-Bietigheimer Juan de la Pena war der erste Spieler, der das sinkende Schiff in der Hafenstadt verlassen hatte. Doch er sollte nicht der letzte sein: Erst vor knapp zwei Wochen hatten mit Tobias Schwolow, Nils Torbrügge und Vladimir Bojanic gleich drei Akteure auf einen Streich dem Lebewohl gesagt. Kreisläufer Torbrügge heuerte prompt beim Bundesligisten HSG Nordhorn-Lingen an und bestritt für die Niedersachsen auch bereits einige Spiele im Oberhaus.

Doch während Torbrügge im Emsland sehr schnell Fuß fasste, ist Juan de la Pena auch nach zwei Monaten offenbar noch nicht so richtig im Schwabenländle angekommen. Auch vor dem Anpfiff hatte der Spanier offenbar noch einige Probleme, sich zu orientieren. Der Spielmacher fand sich plötzlich in der falschen Hallenhälfte mitten unter seinen einstigen Mitspielern wieder. Wilhelmshavens Rückraum-Shooter Rene Drechsler musste seinen Kumpel lachend verscheuchen. Lediglich sieben Tore in fünf Spielen hatte der spanische Junioren-Weltmeister von 2017 vor der Partie gegen seinen Ex-Klub verbucht und auch in den 60 Minuten am Samstag kam kein weiterer Treffer zu der durchaus ausbaufähigen Statistik hinzu.

Doch auch ohne die wichtigen, vermeintlich „leichten“ Treffer, des Spaniers aus dem Rückraum, zeigten De la Penas neue Teamkollegen gegen den WHV von Beginn an in Offensive und Abwehr jede Menge Energie. Angetrieben von fünf Trommlern auf der ansonsten leeren Tribüne in der Sporthalle am Viadukt, die ordentlich Betrieb machten, besorgte Kapitän Jan Asmuth nach schönem Anspiel von De la Pena auf Linksaußen das 1:0. Dominik Claus, Christian Schäfer und Paco Barthe erhöhten auf 4:0, sodass sich Gästetrainer Christian Köhrmann bereits nach siebeneinhalb Minuten gezwungen sah, die erste Auszeit zu nehmen.

Erstes Tor nach 19 Minuten

Doch das Spiel seiner Mannen wurde auch danach nicht besser. Zu statisch und ohne Tempo agierte der WHV im Angriff. Immer wieder rannten sich die Norddeutschen in der sicher stehenden und unglaublich bissigen SG-Abwehr fest. Und wenn doch einmal ein Wurf der Gäste seinen  Weg in Richtung des Bietigheimer Gehäuses finden sollte, war er sichere Beute für SG-Keeper Aron Edvardsson, der am Ende nicht nur mit elf Paraden und fast 38 Prozent gehaltener Bälle, sondern auch mit einem eigenen Tor einmal mehr ein bärenstarkes Spiel ablieferte.

Nach drei weiteren Treffern von Jonas Link, Schäfer und Barthe stand es gar schon 7:0 für die Hausherren und Köhrmann hatte in seiner zweiten Auszeit nach zwölf Minuten genug: „Es reicht jetzt“, schrie der WHV-Coach seine Schützlinge an. Nach der Begegnung gestand der Gästetrainer, „unser Busfahrer hätte eigentlich gleich wieder zurückfahren können.“

Denn tatsächlich lief es auch in den Folgeminuten nicht rund. Erst nach sage und schreibe 19 Minuten erzielte Vedran Delic per Siebenmeter für Wilhelmshaven den ersten Treffer zum 1:10. Das erste Tor aus dem Spiel heraus folgte nach einem weiteren verwandelten Strafwurf in der 22. Minute durch Yannick-Marcos Pust zum 11:3. Kaum zu glauben, dass bei dem Spielstand der beste Spieler der ersten Halbzeit mit Jens Vortmann im Tor der Gäste stand. Ausgerechnet der ehemalige Nationaltorhüter und „Seuchenvogel“ Vortmann, der vor Wilhelmshaven schon mit Bayer Dormagen und dem HSV Hamburg zwei Insolvenzen durchgemacht hatte, glänzte mit tollen Reflexen und hielt einige freie Versuche der Hausherren.

Nach einem 15:6 zur Halbzeit verlief die zweite Hälfte dann ausgeglichen. Bietigheim ließ die Gäste nie näher als bis auf sieben Tore herankommen und schaukelte den großen Vorsprung so über die Ziellinie. Am Ende stand ein deutlicher 25:18-Heimerfolg. Der erst zweite Saisonsieg ließ auch den mit elf Treffern überragenden Christian Schäfer aufatmen: „Es war ein extrem wichtiger Sieg für uns. Nach der Negativserie war es überraschend, dass wir so gut ins Spiel gekommen sind. Wenn wir dieselbe Einstellung und Leidenschaft, wie wir sie heute gezeigt haben, in jedem Spiel so hinbekommen, ist der Knoten bei uns endgültig geplatzt“, freute sich der treffsichere Rechtsaußen.

 
 
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