IHK Ludwigsburg Stürmische Zeiten

Von bz
Die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate fallen beim Handel mit lediglich rund acht Prozent „verbessern“, aber 52 Prozent „verschlechtern“ Einschätzungen sehr pessimistisch aus. Foto:  

Die Bezirkskammer Ludwigsburg der IHK Region Stuttgart analysiert die wirtschaftliche Lage in diesem Herbst.

In diesem Herbst bewerten rund 47 Prozent der befragten Unternehmen im IHK-Bezirk Ludwigsburg ihre aktuelle Geschäftslage mit „befriedigend“, 37 Prozent mit „gut“ und 16 Prozent mit „schlecht“. Der Saldowert aus „gut“ minus „schlecht“ Lageangaben ist noch klar positiv, verschlechtert sich aber im Vergleich zum Frühsommer um 13 Prozentpunkte. Dies teilt die Bezirkskammer Ludwigsburg der IHK Region Stuttgart in ihrem Wirtschaftslagebericht mit.

Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate erwartet danach fast jedes zweite Unternehmen eine Verschlechterung seiner Geschäfte, nur rund jedes zehnte geht von einer Verbesserung aus (47 zu 11 Prozent). Der Saldowert aus „verbessern“ minus „verschlechtern“ Geschäftserwartungen sinkt im Vergleich zum Frühsommer um rund 27 auf minus 36 Prozentpunkte.

Schlechte Stimmung wie 2009

Ähnlich schlecht war die Stimmung zuletzt im Frühsommer 2009. „Die Multibelastungen aus Energiekrise, hoher Inflation, Zinswende, Abkühlung der Weltwirtschaft, Fachkräftemangel und instabilen Lieferketten sorgen für breite Verunsicherung. Hinzu kommt die Gefahr einer weiteren Eskalation des Krieges in der Ukraine“, fasst Bezirkskammerpräsident Julian Pflugfelder die aktuellen Belastungen und Unwägbarkeiten zusammen.

Die Top-Risiken für ihre weitere Geschäftsentwicklung sehen die Unternehmen in hohen Energiepreisen mit 81 Prozent Nennungen, gefolgt von einer schwächeren Inlandsnachfrage mit 63 Prozent und Fachkräftemangel mit 60 Prozent. Knapp dahinter folgen hohe Rohstoffpreise und Arbeitskosten (57 beziehungsweise 49 Prozent Nennungen).

„Die mit Abstand ganz oben auf der Geschäftsrisiken-Liste stehenden hohen Energiepreise zeigen den besonderen Problemdruck. Wir brauchen daher die angekündigten Energiekostenhilfen, zeitnah und unbürokratisch“, fordert Pflugfelder.

Bei den Investitionsplanungen gehen die Saldowerte aus expansiven minus restriktiven Antworten von rund 14 auf 4 (aktuell 28 Prozent „zunehmen“ zu rund 24 Prozent „abnehmen“), bei den Beschäftigungsplänen von rund sieben auf minus zehn Prozentpunkte zurück (aktuell 13 Prozent „steigen“ zu gut 22 Prozent „fallen“).

Die Branchen im Überblick:

In der Industrie sorgen vorhandene Auftragsbestände vorwiegend für „gut“ und „befriedigend“ Lagebewertungen (47 Prozent beziehungsweise 37 Prozent). Eine schlechte Geschäftslage gibt rund jeder sechste Industriebetrieb an (16 Prozent). Mit Blick auf die nächsten zwölf Monate zeigen sich aber deutlich eingetrübte Geschäftserwartungen: Rund 46 Prozent „verschlechtern“ stehen lediglich 14 Prozent „verbessern“ Einschätzungen gegenüber. Dazu trägt ein mit rund 14 Prozent „steigend“ und 56 Prozent „fallend“ Rückmeldungen aktuell schwächelnder Auftragseingang bei. Bei den Exporterwartungen der Industrie dreht der Differenzwert aus „steigen“ minus „fallen“ Einschätzungen ins Minus, von plus zwölf Prozentpunkten im Frühsommer auf aktuell minus 21 Prozentpunkte.

Im hiesigen Baugewerbe überwiegen „befriedigend“ Lagebeurteilungen. Die Geschäftserwartungen sind von „gleich bleiben“ bis „verschlechtern“ Einschätzungen geprägt. Im lang boomenden Wohnungsbau drücken die gestiegenen Preise für Baumaterial und die höheren Zinsen den Auftragseingang.

Im sehr heterogenen Dienstleistungssektor gibt es aktuell rund 36 Prozent „gut“ und elf Prozent „schlecht“ Lageangaben, ähnlich wie im Frühsommer. Deutlich schwächer fallen die Geschäftserwartungen aus. Bei diesen rutscht der Differenzwert aus „verbessern“ minus „verschlechtern“ Einschätzungen von zuletzt plus 8 auf minus 31 Prozentpunkte ab. Mit Abstand meistgenannte Geschäftsrisiken sind die drastisch gestiegenen Energiepreise und der Fachkräftemangel, so beispielsweise im Gastgewerbe und im Bereich Güterverkehr.

Handel ist pessimistisch

Aus dem Handel kommen aktuell 30 Prozent „gut“ und 24 Prozent „schlecht“ Lageangaben, wobei der Großhandel unter dem Strich deutlich zufriedener als der Einzelhandel ist. Die Erwartungen für die nächsten 12 Monate fallen mit lediglich rund 8 Prozent „verbessern“ aber 52 Prozent „verschlechtern“ Einschätzungen sehr pessimistisch aus. Im Großhandel erwarten viele eine schwächere Nachfrage aus Industrie und Baugewerbe. Der Einzelhandel spürt eine ausgeprägte Kaufzurückhaltung, vor allem weil die Kunden Kostensteigerungen bei Heizen, Tanken, Strom und Lebensmitteln auffangen müssen.

 
 
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