Ingersheim Einbrecher stehlen Rathaus-Tresor

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Vor 100 Jahren wurde aus dem Rathaus in Großingersheim ein Tresor gestohlen.  ⇥ Foto: BZ-Archiv

Drei Einbrecher haben vor hundert Jahren einen Tresor aus dem Großíngersheimer Rathaus  gestohlen und in einem Bierkeller geöffnet.

Ein gutes Dutzend schwerster, mit größter Raffiniertheit ausgeführte Einbrüche in Rathäusern beunruhigte die Bevölkerung in mehreren württembergischen Landgemeinden im Winter 1919/1920.

Vor einhundert Jahren, im Februar 1920, war Großingersheim an der Reihe. In der Nacht vom 14. auf den 15. Februar schlichen sich drei Einbrecher mit einem Nachschlüssel in das Großingersheimer Rathaus. Ziel dieser Tat war der Kassenschrank der Gemeinde.

Reiche Beute erhofften sich die drei, machten sich ans Werk und wuchteten den rund fünf Zentner schweren Kassenschrank durchs Fenster auf die Straße. Dort schleppten die Einbrecher den Kassenschrank  in einen nahegelegenen Bierkeller. Mit welchen Hilfsmitteln die Einbrecher das schwere Möbelstück dorthin bewegten, ist  nicht überliefert. Nach dieser garantiert mehr als schweißtreibenden Tätigkeit öffneten die Einbrecher in aller Ruhe im Bierkeller den Tresor.

Kriegsanleihen ohne Wert

Die  Beute war zur Enttäuschung des Einbrechertrios recht überschaubar. 300 Mark in bar und 48 500 Mark in Kriegsanleihen fielen ihnen in die Hände.

Die Kriegsanleihen waren wertlos, da sämtliche Nummern sofort gesperrt wurden. Die zeitliche Abstimmung dieses Einbruches war zudem schlecht gewählt. Erst wenige Tage vor dem Einbruch hatte der Großingersheimer Bürgermeister Robert Sieber einen stattlichen Bargeldbestand in Höhe von rund 50 000 Mark in der Bank abgeliefert.

Mit der mageren Beute machte sich das Trio aus dem Staub. Angesichtes der raffinierten Ausführung der Tat und des erheblichen Kraftaufwandes, der dafür notwendig war, warnte die Polizei die Einwohnerschaft und sprach die Vermutung aus, dass es sich um eine gefährliche Einbrecherbande handele.

Lange währte die Freude an dem überschaubaren Diebesgut indes nicht. Ein paar Einbrüche später schnappte die Polizei zwei der Täter. Dem Kopf des Einbrechertrios gelang zunächst die Flucht.

Im September 1920 wurden die beiden Festgenommenen vor der Stuttgarter Strafkammer zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt.  Der flüchtige Einbrecher setzte sich nach der Festnahme seiner Komplizen nach Österreich ab und lebte dort unter falschem Namen.

Jedoch hatte bereits damals das Gesetz einen langen Atem und einen genauso langen Arm. Ende 1921 wurde der Haupttäter, der 1872 in Stuttgart geborene Maurer Gottlieb Stephan, in Graz verhaftet. Anfang 1922 überstellte ihn die österreichische Polizei nach Deutschland. Hier wurde er ins Stuttgarter  Untersuchungsgefängnis eingeliefert.

Die Stuttgarter Strafkammer verurteilte Gottlieb Stephan im März 1922 schließlich zu zwölf Jahren Zuchthaus.

 
 
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