Initiative Bietigheim-Bissingen klimaneutral „Wir sind keine Gegenstimme zur Politik“

Von Heidi Vogelhuber
Unter anderem sind (von links) Cian Haensch, Julian Straub, Julia Hitsch, Melanie Leibert und Julian Schreder Mitglieder der Klima-Initiative „Bietigheim-Bissingen klimaneutral“. Hier bei einem Mitgliedertreffen in kleiner Runde in einer Bietigheimer WG. ⇥ Foto: privat

Nach Sachsenheimer Vorbild hat sich auch in Bietigheim-Bissingen eine Ortgruppe von Klimaaktivisten gegründet, die das Thema Klimaneutralität lokal angehen möchte: Bietigheim-Bissingen klimaneutral.

Nicht nur auf die Bundespolitik schauen, sondern vor Ort eingreifen, sich mit der lokalen Politik in Verbindung setzen, sich austauschen und das eigene Netzwerk von Experten und Expertinnen anbieten. Denn nur so können Klimaziele erreicht werden. „Wir wollen Bürger und Bürgerinnen dazu bewegen, sich zu engagieren und ihre Stadt bis 2035 klimaneutral werden zu lassen und damit die Klimakrise vor Ort bekämpfen“, erklärt Cian Haensch im Gespräch mit der BZ. Durch einen Bürgerentscheid könnte erzielt werden, dass ein Planungsbüro von der Stadt engagiert wird, das konkrete Maßnahmen für Bietigheim-Bissingen ausarbeitet, um beispielsweise mehr erneuerbare Energien zu nutzen, sagt er.

Trio startet Klima-Initiative

Haensch ist Teil des Gründer-Trios von der Klima-Initiative „Bietigheim-Bissingen klimaneutral“. Mitbegründerin Karla Bauszus kommt ursprünglich aus Sachsenheim. Dort gibt es seit April letzten Jahres die Klima-Initiative „Sachsenheim klimaneutral“, die von Bettina und Matthias Schlegel gegründet wurde (die BZ berichtete). „Sie war dort schon engagiert und dadurch, dass die Initiative in Sachsenheim so erfolgreich angelaufen ist, haben wir den Beschluss gefasst, auch in Bietigheim-Bissingen eine Ortsgruppe zu gründen“, sagt Haensch. Sein Mitbewohner Julian Straub komplettiert das Gründer-Trio.

Das Sachsenheimer Engagement habe inspiriert und Hürden abgebaut, anzufangen. „Wir stehen im regen Kontakt“, sagt Haensch. Nicht nur mit den Schlegels aus Sachsenheim, auch mit der Schorndorfer Ortsgruppe. Alle diese lokalen Klimagruppen sind Teil der bundesweiten Organisation „GermanZero“ (siehe Infobox). Der Vorteil: Die kleinen, lokalen Gruppen können sich von den Profis Tipps zur Gründung holen, werden zu verschiedenen Themen geschult und können auf ein großes Experten-Netzwerk zugreifen. Kick-off war für die Bietigheimer Klima-Gruppe am 19. Januar. „In einem dreistündigen Zoom-Meeting wurden uns demokratische Mittel aufgezeigt und uns erklärt, wie wir sinnvoll planen“, sagt Cian Haensch. Zwei Patinnen wurden den Bietigheimern zugeteilt, die immer ein offenes Ohr für Fragen haben und mit denen regelmäßig besprochen wird, welche Schritte als nächstes kommen und auch, ob die Planung funktioniert hat.

„Schorndorf ist ein Paradebeispiel“, erzählt Haensch. Die Stadt investiere viel in den Klimaschutz und in seinen zwei Jahren des Bestehens konnte die Gruppe sechs weitere Ortsgruppen im Umfeld motivieren, sich zu bilden.

Kontakt zum Gemeinderat

Apropos Austausch mit der Stadt: Die erste Kontaktaufnahme ist bereits erfolgt. „Wir haben uns bislang mit GAL, SPD und FDP getroffen“, sagt Haensch. Und das erfolgreich, wie er findet. Zu den Freien Wählern und der CDU habe die Initiative auch schon Kontakt aufgenommen. „Der Austausch mit den Mitgliedern des Bietigheimer Gemeinderats war sehr positiv“, so das Gründungsmitglied. Die Klimainitiative habe sich ernst genommen gefühlt und freue sich auf die weitere Zusammenarbeit. Denn eines ist Haensch wichtig zu betonen: „Wir sind keine Gegenstimme zur Politik. Der Gemeinderat sucht auch Lösungen, das hat man an den vielen Haushaltsanträgen zum Klimaschutz im Dezember gesehen.“ Die Klima-Initiative sieht beidseitiges Engagement und Handlungsbereitschaft. „Wir stehen jetzt erst in den Startlöchern, es wird noch viel kommen“, kündigt er an.

 
 
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