Interview mit Kapitänin Greta Meissner vom Bietigheimer HTC „Corona bringt Unruhe ins Team“

Von Andreas Eberle
Kapitänin und Top-Torjägerin in Personalunion: Greta Meissner, hier gegen den Mannheimer HC am Ball, nimmt in der Bundesliga-Mannschaft des Bietigheimer HTC eine Schlüsselrolle ein. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Greta Meissner kämpft mit dem Bietigheimer HTC am Wochenende um den Bundesliga-Verbleib. Im Interview spricht sie über den Showdown, den Einfluss der Pandemie und ihren Werdegang. Von Andreas Eberle

Seit vier Jahren führt Greta Meissner die Hockey-Damen des Bietigheimer HTC als Kapitänin an. In der aktuellen Hallen-Saison ist die 23-jährige Media-Management- und Werbepsychologie-Studentin mit sieben Treffern die beste Torschützin im Bundesliga-Team. Im Interview mit der BZ spricht Meissner über das Abstiegsfinale an diesem Samstag (13.30 Uhr) gegen Feudenheim, die Einflüsse von Corona auf die Mannschaft und ihre besondere Beziehung zu ihrem Heimatverein.

Können Sie so kurz vor dem Schlüsselspiel gegen Feudenheim überhaupt noch gut schlafen?

Greta Meissner: Ja, bisher schon. Ich habe großes Vertrauen in unser Können und bin zuversichtlich, dass wir es schaffen. Die Nervosität wird erst am Spieltag kommen. Bis dahin versuche ich mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Im Training ist bei uns die Anspannung schon zu spüren. Sobald ich die Halle verlassen habe, kann ich aber ganz gut abschalten.

Wie hat sich die Mannschaft auf das Abstiegsfinale vorbereitet?

Wir hatten nur über Weihnachten eine kurze Pause und sind dann ab dem 27. Dezember direkt wieder ins Training eingestiegen. Seitdem trainieren wir wieder dreimal wöchentlich. Unser Coach Kristian Martens hat gleich wieder richtig Zug reingebracht und uns gut auf Feudenheim eingestellt – auch mit Hilfe von Videoanalysen. Gegen den FHC haben wir schon in der Vorrunde gespielt und aus diesem Duell einige Erkenntnisse mitgenommen. Wir sind sehr gut vorbereitet.

An den vergangenen beiden Doppelspieltagen kassierte der BHTC vier Pleiten am Stück mit fünf bis neun Toren Unterschied. Hat das der Mannschaft einen Knacks gegeben?

Solche Niederlagen tun weh. Derartige Klatschen habe ich bisher auch noch nie bekommen, schon gar nicht so oft hintereinander. Aber man muss bedenken, dass wir personell geschwächt waren, vor allem in den vergangenen beiden Spielen. Da hatten wir nicht unseren normalen Kader zur Verfügung, sondern mussten das Team mit Spielerinnen aus der zweiten Mannschaft auffüllen. Die haben einen super Job gemacht, aber man hat schon gemerkt, dass wir nicht eingespielt waren und eine gewisse Unruhe da war. 

Was würde ein Abstieg für das Team und den Verein bedeuten?

Die Situation wäre eine neue Erfahrung für uns. Seit ich bei den Aktiven spiele – und das sind jetzt schon sechs Jahre –, sind wir immer nur aufgestiegen oder haben den Klassenerhalt geschafft. Ein Abstieg aus der Ersten Bundesliga in der Halle wäre keine Schande für einen kleinen Verein wie Bietigheim. Das würde der BHTC sicher verkraften. Das wäre zwar schade, aber man kann ja danach auch wieder aufsteigen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass dieser Fall eintritt. Wir haben es noch selbst in der Hand.

Inwiefern hat sich Corona auch auf Ihre Mannschaft ausgewirkt?

Wir hatten zwei Spielerinnen, die infiziert waren. Außerdem fallen immer wieder Leute aus, die Kontakt zu einer positiven Person hatten. Aus diesem Grund hat bei einem Doppelspieltag im Dezember auch unser Trainer auf der Bank gefehlt. Die Betroffenen dürfen erst wieder ins Training kommen, wenn die Angelegenheit geklärt ist. So muss man bei uns nach einer bestimmten Zeit einen negativen PCR-Test vorweisen, um wieder mittrainieren zu dürfen. Corona bringt schon eine gewisse Unsicherheit und Unruhe ins Team. Jede Spielerin fragt sich, ob sie vielleicht die nächste ist.

Beim Mannheimer Stadtderby am Mittwoch haben einige Akteurinnen des MHC sogar mit Maske gespielt. Was halten Sie davon?

Da bin ich zwiegespalten. Das macht aus meiner Sicht nur Sinn, wenn die ganze Mannschaft geschlossen mit Maske spielt. Natürlich ist das beim Sport schon eine Einschränkung, aber wenn die Liga, Masken vorschreiben würde, um das Infektionsrisiko zu vermindern, hätte ich damit auch kein Problem.

Ist es wahr, dass Sie für die Hallensaison Ihre Abschlussarbeit fürs Studium extra auf Januar verschoben haben?

(lacht) Das ist tatsächlich so. Theoretisch hätte ich im Dezember mit meiner Bachelorarbeit anfangen können. Seit der Feldsaison im August hatten wir nur an Weihnachten frei. Ich war praktisch jedes Wochenende auf dem Platz. Und jetzt in der Halle sah der Spielplan ausschließlich Doppelspieltage vor. Wir sind also samstags und sonntags angetreten. Wenn man dann noch Uni hat und arbeitet, wird es eng. Ab nächster Woche habe ich nun zumindest die Wochenenden wieder zur freien Verfügung.

Warum sind Sie dem BHTC trotz einiger Angebote anderer Klubs stets treu geblieben?

Im Endeffekt waren es die Freundinnen in der Mannschaft, die mich in Bietigheim gehalten haben. Das Team hat mir immer ein Familiengefühl gegeben. Ich hatte stets das Gefühl, beim BHTC richtig zu sein. Als damals die Angebote von anderen Vereinen kamen, wollte ich meine Freundinnen einfach nicht verlassen. Mit einigen spiele ich schon zusammen, seit ich mit fünf angefangen habe. Außerdem wäre es ein großer Mehraufwand gewesen, immer nach Mannheim oder Feudenheim zu fahren.

War die deutsche Nationalmannschaft für Sie nie ein Thema?

In der Jugend war ich im Landeskader Baden-Württemberg und habe da zu Beginn auch gern gespielt. Zu der Zeit war das Team aber sehr mannheimlastig und bestand zu 95 Prozent aus Mannheimer Talenten. Da konnte ich mich als Bietigheimerin nicht so gut durchsetzen und habe mich auch nicht mehr so wohl gefühlt. Darum habe ich mit 16 beschlossen, dort aufzuhören. Damit war auch das Thema Nationalmannschaft vom Tisch. Es wäre sicher ein kleines Träumchen gewesen, mal für die DHB-Auswahl aufzulaufen. Aus einem kleinen Verein ohne Connections den Sprung zu schaffen, ist schwer. Da muss man schon extrem gut und auffällig sein.

Halle oder Feld – wo spielen Sie lieber?

Eindeutig in der Halle. Das Spiel dort ist viel schneller, man kann als einzelne Akteurin mehr bewegen. Ich bin nicht so der Läufertyp, sondern eher der Techniktyp. Die Halle kommt mir da mehr entgegen, weil ich dort eher meine Technik auspacken und perfekt mitzocken kann.

Die Vorbereitung auf die neue Feldrunde beginnt erst Mitte Februar. Wie halten Sie sich in den sechs Wochen bis dahin fit?

Ich gehe auf jeden Fall Joggen. Soweit ich weiß, bekommen wir vom Trainer auch einen Laufplan, den wir abarbeiten müssen. Außerdem habe ich ein paar Gewichte daheim, mit denen ich regelmäßig Workouts mache. Dazu nutze ich gern auch YouTube-Videos. Aber in der ersten Woche nach der Hallensaison und dem ganzen Stress werde ich mir erst mal eine Pause gönnen. In den letzten Monaten hatte ich durchgehend Muskelkater.

Die Ausgangslage vor dem Saisonfinale in der Bundesliga-Gruppe Süd

Noch ein Doppelspieltag steht in der Hallenhockey- Bundesliga der Damen auf dem Programm. Der Bietigheimer HTC erwartet an diesem Samstag (13.30 Uhr) in der Gymnasiumhalle das Schlusslicht Feudenheimer HC zum Kellerduell der Gruppe Süd. Am Sonntag (12 Uhr) tritt das Team von Trainer Kristian Martens dann beim Topklub TSV Mannheim an – als krasser Außenseiter. Schließlich kämpfen die Kurpfälzerinnen als Zweiter noch um den Einzug ins Viertelfinale. Am Mittwochabend verlor der TSV das Gipfelduell beim Mannheimer HC mit 3:6 und musste die Tabellenführung dem Stadtrivalen überlassen. Auch der drittplatzierte Münchner SC hat noch die Chance auf den Einzug in die Endrunde um den DM-Titel.

Nach acht von zehn Partien stehen die Bietigheimerinnen mit drei Zählern auf dem fünften und damit vorletzten Rang, der am Rundenende der Klassenerhalt bedeuten würde. Ihr bisher einziger Saisonsieg war das 3:2 beim Abstiegsrivalen Feudenheim aus der Vorrunde. Der Aufsteiger aus dem Mannheimer Stadtteil hat erst einen Punkt geholt – durch ein 3:3 in München nach regulärer Spielzeit. Der FHC ist am Sonntag (12 Uhr) zum Rundenabschluss beim Tabellenvierten Rüsselsheimer RK zu Gast. Da es für die Hessinnen sportlich um nichts mehr geht, will sich der BHTC nicht auf eine etwaige Schützenhilfe verlassen – und darum am Samstag das Abstiegsduell gegen Feudenheim um jeden Preis gewinnen.

 
 
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