Interview mit Nachwuchstorhüterin Rena Keller (17) von der SG BBM Bietigheim „Die ganze Familie war stolz“

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Die Nachwuchskeeperin Rena Keller beim Einwerfen vor ihrer Bundesliga-Premiere gegen Metzingen. Im Hintergrund beobachtet Valentyna Salamakha, was ihre junge Teamkollegin macht.  ⇥ Foto: Marco Wolf

Nachwuchstorhüterin Rena Keller von der SG BBM Bietigheim über ihr Champions-League-Debüt, Vorbilder und den Sprung zu den Profis.

Mit 17 Jahren hat Rena Keller vor einer Woche gegen Metzingen ihr Bundesliga-Debüt im Profiteam der SG BBM Bietigheim gefeiert. Drei Tage später folgte gegen Györ in Ungarn ihr erster Champions-League-Einsatz. Im BZ-Interview spricht die Torhüterin über diese Erlebnisse und ihre Karrierepläne.

Wo erwische ich Sie gerade?

Rena Keller: Ich bin seit Montag beim Lehrgang der U19-Nationalmannschaft in Großwallstadt. Gerade hatte ich noch eine Trainingseinheit und danach ein kurzes Gespräch mit den Trainern.

Waren die anderen Lehrgangs-Teilnehmerinnen neidisch, als Sie von Ihrem Champions-League-Erlebnis erzählt haben?

Nein, gar nicht. Die meisten wussten schon davon. Alle haben cool reagiert und sich für mich gefreut.

Sie durften am Samstag in Ungarn gegen den Titelverteidiger Györi ETO KC eine Hälfte das Bietigheimer Tor hüten. Haben Sie in dieser Zeit daran gedacht, dass Sie gerade gegen das beste Team der Welt spielen?

Vor dem Spiel war mir das bewusst. Aber als ich dann auf dem Feld war, habe ich mich allein darauf konzentriert, mein Bestes zu geben, den Ball zu verfolgen und so schnell wie möglich zu reagieren. Für mich war es ein Riesenschock, als ich reindurfte. Ich habe mich gefreut, war aber auch mega nervös und angespannt. Ich hatte den Eindruck, dass das Blut kaum noch im Körper fließt.

Was hat SG-Trainer Markus Gaugisch Ihnen vor den Spielen gegen Metzingen und Györ gesagt, um Ihnen das Lampenfieber zu nehmen?

Dass ich einfach Spaß haben und mich freuen soll, wenn ich einen Ball halte. Und dass es schon wird, wenn ich 100 Prozent gebe.

Gab es bei diesen beiden Duellen für Sie einen besonderen Moment?

Gegen Metzingen waren es die drei Siebenmeter. Da lief ich auf Hochtouren und musste mich extrem konzentrieren. Obwohl ich alles gegeben habe, hat Marlene Zapf leider alle drei gegen mich verwandelt. Und in Györ war es die Anfangsphase, in der mir Veronika Christiansen gleich den Ball über den Schädel gezogen hat. Da habe ich realisiert: Jetzt bin ich in einem Champions- League-Spiel, jetzt geht’s rund.

Wie war die Resonanz auf Ihre beiden unverhofften Einsätze vorige Woche bei den Bietigheimer Profis?

Jeder aus meinem Umfeld hat sich für mich gefreut. Alle haben sich die Spiele angeschaut und mitgefiebert. Die ganze Familie war stolz, und auch alle meine Freunde haben mir gratuliert.

Sie trainieren im Erstliga-Team mit Emily Sando und Valentyna Salamakha. Was können Sie sich von so erfahrenen Torfrauen abschauen?

Dass sie immer extrem entspannt sind. Bei Würfen der Außenspielerinnen warten sie zum Beispiel immer wahnsinnig lang und reagieren dann innerhalb von Millisekunden. Viel lernen kann ich auch bei ihrer Kommunikation mit den Feldspielerinnen, beim schnellen Ballholen und bei den genauen Pässen zum Anspielpunkt oder zum Konter.

Haben Sie ein Vorbild?

Ein direktes Vorbild nicht. Ich würde eine Mischung aus Tess Wester, Silja Solberg und Amandine Leynaud nennen.

Wie kam es dazu, dass Sie im Kasten gelandet sind?

Das hat in der D-Jugend angefangen. Ich habe selbst keine Erinnerung daran, aber meine Mutter hat mal auf meine Frage hin gemeint, ich sei immer zu faul zum Laufen gewesen. Ob das wirklich so stimmt, weiß ich nicht. Ich hoffe nicht. Jedenfalls bin ich froh und glücklich, dass ich im Tor gelandet bin.

Torleuten unterstellt man ja oft eine gewisse Verrücktheit oder eine Macke. Trifft das auch auf Sie zu?

Als Torhüterin hört man schon immer mal so Sprüche wie „Du hast doch einen Vogel“. Manchmal mache ich schon auch verrückte Dinge, aber das trifft auf eine Rückraumspielerin genauso zu. Ich fühle mich ganz wohl und habe alles, was ich brauche – Freunde und Familie.

Normalerweise spielen Sie für die weibliche A-Jugend der SG BBM und die Drittliga-Frauen der SG Schozach-Bottwartal, wo sie bisher ein Zweitspielrecht hatten. Wie stellen Sie sich Ihre nahe Zukunft vor?

Das Zweitspielrecht wurde mittlerweile aufgelöst. Da ich noch unter 18 bin, kann ich nicht gleichzeitig für zwei verschiedene Frauenmannschaften spielen. Für den Rest der Saison habe ich mich darum für Bietigheim entschieden. Für die kommende Runde habe ich schon bei der SG Schozach- Bottwartal unterschrieben. Wie es sonst weitergeht, kann ich noch nicht sagen. Ich könnte noch ein Jahr A-Jugend spielen, aber es ist auch möglich, dass ich mich auf die Frauen konzentriere. Das muss ich mir noch überlegen.

Immer wieder verlassen Toptalente wie Jana Scheib oder Leonie Patorra Bietigheim. Ist der Sprung für eine junge Spielerin in ein international besetztes Star-Ensemble zu groß?

Klar ist es schwierig, sich da zu behaupten. In der Champions League sind die meisten Spielerinnen zwischen 27 und 30 Jahre alt und darum enorm erfahren. Als junge Spielerin kannst du einfach nicht so viel Spielpraxis vorweisen. Der Sprung in so eine Mannschaft ist groß, aber ich denke, dass man ihn trotzdem schaffen könnte.

Fühlen Sie sich bei der SG BBM genug unterstützt?

Durch das Trainerteam habe ich da ein gutes Gefühl. Ich bekomme immer viele Tipps, und vor den Spielen machen wir Torhüterinnen zum Beispiel auch immer eine Besprechung und Analyse mit Torwart-Trainer Axel Strienz. Auch die Mädels pushen mich immer und wünschen mir Glück.

Was sind ihre nächsten Ziele?

Im Sommer steht für die deutsche U19-Nationalmannschaft die Junioren-Europameisterschaft in Slowenien an. Ich hoffe, dass ich da dabei sein kann und wir das Turnier auch bestreiten dürfen – und dass wir dort dann gut abschließen.

Welchen Traum wollen Sie sich während Ihrer Handball-Karriere einmal erfüllen?

Man träumt natürlich immer davon, mal für die A-Nationalmannschaft zu spielen – und von den großen Turnieren wie einer WM oder Olympia. Aber ich bin kein Mensch, der sich sagt: In fünf Jahren möchte ich da und da stehen. Ich schaue lieber darauf, was unmittelbar vor mir liegt, zum Beispiel die nächste Saison. Dann gehe ich Schritt für Schritt weiter und gucke, was möglich ist.

 
 
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