Kirchheim Die Baumsammler

Von Yannik Schuster
Das Einsammeln der Weihnachtsbäume macht dem DRK-Team Spaß. Die Arbeit ist aber auch ganz schön anstrengend. Foto: /Oliver Bürkle

Der DRK-Ortsverein in Kirchheim entsorgt seit vielen Jahren die ausrangierten Christbäume. Rund 600 bis 700 Euro können die Mitglieder so für ihren Verein erarbeiten.

Die Feiertage sind vorbei – auf besinnliche Weihnachtsstimmung folgt die Rückkehr in den Alltag. Die weihnachtlichen Dekorationen werden wieder in Kartons verfrachtet und bis zum nächsten Jahr im Keller gelagert. Dann noch den Christbaum loswerden und es kann wieder Routine einkehren. In Kirchheim kümmert sich der Ortsverein des DRK seit über 15 Jahren um das Sammeln und Entsorgen der ausgedienten Bäume.

Bereitschaftsleiter Harald Auchter ist schon immer dabei gewesen und organisiert die Aktion. Ausgestattet mit zwei, passenderweise grünen, VW-Pritschenwägen, die von der Firma Mayer kostenfrei zur Verfügung gestellt werden, macht sich die neun Mann starke Truppe am Samstag um acht Uhr morgens auf den Weg. Die Freiwilligen setzen sich dabei aus Mitgliedern des DRK-Ortsvereins und des Jugend-DRKs zusammen. Im Team „östlich der Hauptstraße“, dem Auto von Harald Auchter sitzen seine beiden Söhne Silas und Christian sowie Matthias Bosbach. Eine wehende Fahne am Auto macht dabei auch für Passanten klar, wer hier gerade im Einsatz ist: Ein rotes Kreuz auf weißem Grund, die Fahne des DRK.

Fünf oder zehn Euro

Im Neubaugebiet schwärmt die Besatzung aus und verfrachtet die abgeschmückten Christbäume auf die Ladefläche. Für ihre Mühen bittet der Ortsverein pro Baum um eine Spende von mindestens zwei Euro. „Manche geben auch fünf oder zehn Euro“, sagt Auchter. Oft hängt aber auch gar nichts oder nur ein Zettel am Baum. Dann klingeln die Packer und sammeln das Geld persönlich ein. Eine umständliche Arbeit, da es zusätzlich Zeit kostet und gerade bei Mehrfamilienhäusern oft nicht klar ist, von wem der Baum überhaupt stammt. „Da liegen teilweise zehn Bäume, aber nirgends hängt Geld dran.“

600 bis 700 Euro

Die Leute seien vorsichtiger geworden, da in der Vergangenheit auch schon Spenden, die direkt am Baum angebracht waren, gestohlen worden waren. Die Einnahmen sind dennoch über die Jahre gestiegen , berichtet Harald Auchter. Früher seien sie auf rund 200 bis 400 Euro gekommen, mittlerweile kommen dabei eher 600 bis 700 Euro für den Ortsverein herum. Und das, obwohl die Anzahl der Bäume eher sinkt als steigt. „Man hat schon den Eindruck, dass an einigen Straßen nicht mehr so viele sind wie früher.“

Dieses Jahr seien die Bäume dafür besonders groß ausgefallen. Da stelle man sich die Frage, wie die überhaupt in das Wohnzimmer passen, sagt Auchter. In der Regel nehmen die Abholer alle Bäume, auch die zwei bis drei Meter hohen Exemplare, mit. Nur einmal habe er erlebt, dass sie einen Baum stehen lassen mussten, der wesentlich länger als das Fahrzeug war. Für den ein oder anderen Baum wäre eine Säge praktisch. So muss auf der Ladefläche viel gedrückt und gestampft werden, damit möglichst viele Christbäume dort aerodynamisch verpackt ihren Platz finden.

Sterne und Glocken

Immer wieder finden die Sammler des DRK noch Sterne, Glocken oder anderweitigen Weihnachtsschmuck an den ausrangierten Bäumen. In der Regel werden diese dann im Anschluss an die Aktion entsorgt. Ein kaum abgeschmückter Baum, mit jeder Menge Lametta, wird jedoch mit einer Notiz versehen liegengelassen. Nach gut einer Stunde ist die Ladefläche und Auchters privater Anhänger vollgestopft mit Christbäumen. Diese kommen in unterschiedlichen Ausführungen daher – manche in einem satten Grün, andere eher winterlich blass. Ähnlich fallen auch die Reaktionen der Helfer aus: „Das ist aber ein schöner Baum“ oder „wie kann man sich so etwas ins Wohnzimmer stellen?“

Warme Temperaturen

An diesem Tag sammeln die Helfer die Weihnachtsbäume bei „ultra-warmen“ zehn Grad ein, das war auch nicht immer so. Es habe auch schon Jahre gegeben, als man morgens erst einmal 30 Minuten gebraucht habe, um das Auto freizukratzen. Unangenehm sei die Arbeit vor allem dann, wenn die Bäume nass sind, vorgekommen sei auch das schon. Eine Schwierigkeit sei dabei im Blick zu behalten, dass alle Straßen abgefahren werden, sagt Auchter. Die Altkleidersammlung, die der Ortsverein zweimal im Jahr vornimmt, helfe dabei aber, sodass er bisher stets ohne Karte oder Navigationsgerät auskam.

Das Rangieren mit dem großen Pritschenwagen gestaltet sich dennoch herausfordernd. Wenn die Baumsammler ankommen, dann fährt selbst der Porsche zur Seite und macht Platz. Einmal seien sie sogar von der Polizei angehalten worden, weil einer der Helfer auf der Ladefläche war, berichtet Auchter.

Ist die Ladefläche schließlich voll, wird eine Fangleine darüber gespannt, sodass unterwegs nichts verloren geht. Auf dem Häckselplatz werden die Bäume schließlich abgeladen. Auchters Team hat insgesamt 60 Bäume auf Ladefläche und Anhänger bekommen. Sein Team rechne mit drei solcher Fahrten pro Tag, das andere Fahrzeug ohne zusätzlichen Anhänger, müsse eher sechsmal fahren. Auf dem Rückweg vom Häckselplatz fällt den Abholern auf, dass im Straßengraben der Landstraße ein Baum liegt. „Den muss das andere Team verloren haben“, sind sich alle schnell einig und lachen.

Positives Fazit

Am ende ziehen die Helfer ein positives Fazit: Die Arbeit mache Spaß, sei aber durchaus anstrengend. Wer seine täglichen Schritte zählt, der kommt bei der Arbeit auf jeden Fall auf seine Kosten. „Man ist an der frischen Luft, blendet alles andere für ein paar Stunden aus und kommt mit einem frischen Kopf nach Hause“, sagt Matthias Bosbach. Für ihn sei das auch eine Form von Entspannung.

 
 
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