Kirchheimer Apfelfest Im Erntezügle durch die Apfelgasse

Von Birgit Riecker
Mit dem Erntezügle ging es am Sonntag bei strahlendem Sonnenschein durch die Apfelgassen rund um die Kirchheimer Obsthalle. Foto: /Oliver Bürkle

Endlich wieder Apfelfest. Jung und Alt genossen gestern frische Äpfel und Birnen und das Zügle durch die Apfelanlagen rund um die Obsthalle.

Das Erntezügle rollt an. Auf fünf Anhängern stehen die hölzernen Obstkisten, die mit Strohballen als Sitzgelegenheit ausgestattet sind. Und die sind heiß begehrt. Schnell belegen interessierte Besucher die Plätze. „Bitte während der Fahrt sitzen bleiben“, mahnt Chauffeur Benjamin Braun vom Obstbauverein.

Mit durchweg sechs Stundenkilometern „fegt“ der Apfel-Express durch die Anlage. Hautnah erleben die Besucher eine Apfelgasse: Rechts und links hängen die Bäume prall voll mit rotwangigen Äpfeln. „Welche Sorte ist das?“, will eine Besucherin wissen. „Das sind Topaz-Äpfel. Sie kommen nächste Woche zur Ernte“, erklärt ihr Benjamin Braun.

„Hagel hatten wir noch keinen“

Manche Apfelreihen stehen frei, andere sind unter Hagelschutznetzen verborgen. Rund ein Drittel der Anbaufläche sei mit Hagelschutznetzen ausgestattet. „Hagel hatten wir zum Glück noch keinen, aber die Netze sind jetzt ein gewisser Sonnenschutz“, sagt Frank Braun, der Vorsitzende des Obstbauvereins. Sonnenbrand sei nämlich ein Wermutstropfen bei der laufenden Ernte: „Die exponierten Äpfel am Rand sind vor allem betroffen“, sagt Braun. Daher rechnet er letztlich mit einem Ausfall von fünf bis zehn Prozent.

Wasser aus dem Mühlbach

Doch die Äpfel gedeihen ansonsten sehr gut, da sie bewässert werden können. 99 Prozent der Anbaufläche werden mit Tröpfchenschläuchen versorgt. „Ohne Bewässerung geht jetzt gar nichts mehr“, sagt Braun. Und die Schläuche hätten sich richtig gut bewährt. „Da brauchen wir weniger Wasser als bei der Überkopf-Beregnung, können gezielt die Bäume bewässern und verlieren kein kostbares Nass im Gras.“ So reicht das Wasser, das der Obstbauverein größtenteils aus der Anlage zur Grundwasserabsenkung beim Mühlbach bezieht, für die ganze Fläche.

Am Probierstand können die Besucher die Äpfel kosten: Die frühe Sorte Piros gibt es kaum noch. Delbarestivale hat sie verdrängt. Und die Sorten Zari, Elstar, Rubinette, Wellant und Gala locken schon zum Reinbeißen. „Ich mag halt immer noch am liebsten die Elstar“, lacht eine ältere Dame. „Und ich bin für die jungen Sorten“, schmunzelt ihr Mann und zeigt dabei auf einen Wellant-Apfel.

Große Auswahl an Äpfeln das ganze Jahr

Die große Auswahl an frischen Äpfeln das ganze Jahr über kann die Obsthalle dank einer Kühlanlage bieten. Die Kundinnen und Kunden wissen das zu schätzen. Aber sie erfreuen sich auch an den Birnensorten, den Süß-, Salat- und Salzkartoffeln. Eine kleine Kürbisausstellung, Zwetschgen und natürlich Tafeltrauben sind nicht nur ein Hingucker.

Köstliche Säfte frisch gepresst

Auch die köstlichen Säfte aus Äpfeln, Holunder und Rhabarber stärken die Besucher. „Frisch gepressten Apfelsaft haben wir heute auch“, sagt Michael Nollenberger, der Verkaufsvorstand der Obstbauern. „Das Saftpressen für Kinder haben wir kurzfristig gestrichen. Es schwirren zu viele Wespen herum. Das ist zu gefährlich“, erklärt er. Für die Kinder gibt es einen riesigen Sandhaufen und Berge von Strohballen zum Spielen und Klettern.

Während die Kinder spielen, können sich die Eltern stärken: Der Gesangverein Liederkranz Kirchheim und der Musikverein Hessigheim sorgen bestens für das leibliche Wohl, das rollende Retro-Café für Kaffee und Kuchen. Grillhähnchen und Süßigkeiten runden das Angebot ab. Und es gibt die Rosé- und Weißweine der Kirchheimer Weinkultur sowie einen selbstgebrannten Gin aus der Werkstatt Wasser.

Gin mit Zitrone

Was verbirgt sich hinter der Werkstatt Wasser? „Da stecke ich dahinter“, gibt Michael Nollenberger lächelnd zu. Er habe zwischen 2017 und 2019 nebenher eine Ausbildung zum Brenner gemacht. Jetzt stellt er „Dry Gin“ mit der modernisierten alten Brennerei seines Vaters, Gerhard Nollenberger, und zwölf natürlichen Zutaten her. „Er schmeckt herrlich erfrischend“, schwärmt ein Besucher, der sich an einem Longdrink mit Gin, Wasser, Eiswürfeln und einer Zitronenscheibe labt.

 
 
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