Kirchheimer Obsthalle Vereinsvorstand wettert gegen Behörden

Von Birgit Riecker
Die Obstballe beim Apfelfest vor Kurzem. Foto: /Oliver Bürkle

Die Enttäuschung über die verwehrte Erweiterung der Obsthalle sitzt beim Obstbauverein tief. Der Ausbau sei notwendig. Vorstand Frank Braun holt bei der Generalversammlung mächtig gegen das Regierungspräsidium. Nun hofft man auf Landrat Dietmar Allgaier.

Die ursprüngliche Obsthalle an der B 27 ist mit ihrem Alter von über 60 Jahren an ihre Grenzen gekommen. Auch die gut 30 Jahre alte Erweiterung reicht nicht mehr aus. Neben einer Sanierung ist eine Vergrößerung dringend wünschenswert. Dafür wollte der Obstbauverein die Weichen stellen. Doch das Ludwigsburger Landratsamt und die Region Stuttgart verweigerten ihre Zustimmung.

Deshalb gingen die Wogen bei der Generalversammlung des Obstbauvereins am Donnerstag hoch. „Wären wir ein Wirtschaftsbetrieb wie die Hohenstein Institute, hätten wir keine Probleme mit dem bestehenden Landschaftsschutzgebiet und dem regionalen Grünzug“, sagte Frank Braun, Vorsitzender des Obstbauvereins, bitter. „Die Privilegien für Bauten im Außenbereich gelten in unserer Region nicht für landwirtschaftliche Genossenschaften.“

Einerseits wolle die Landesregierung die regionale Vermarktung unterstützen, andererseits würden dem Obstbauverein solche Prügel in den Weg geworfen. Und das angesichts der Tatsache, dass bereits eine Wasserversorgung aufgebaut und die Anbindung mit einem neuen Kreisverkehr geplant sei. „Das ,Kompromissangebot´ des Landratsamts ist nicht akzeptabel: Wir sollen einen öffentlich-rechtlichen Vertrag unterschreiben, in dem wir einer Erweiterung um 250 Quadratmeter als Anbau an den Bestand und keinen weiteren Baumaßnahmen auf immer und ewig zustimmen“, sagte Braun. Bei einer Online-Schalte, an der auch Vertreter der Region teilgenommen haben, habe man nicht mehr erreichen können.

Hoffen auf den Landrat

„Wir wissen nicht, wer hier die Quertreiber sind und warum. Deshalb hoffen wir, dass sich jetzt der Landrat für unser Anliegen stark macht“, sagte Braun. Die örtlichen Obstbauern haben gewichtige Argumente für ihr Anliegen: „Wir bauen auf über 32 Hektar Äpfel und Birnen an, die zu einem großen Teil direkt in der Obsthalle verkauft werden. Wir brauchen viel mehr Platz für die Präsentation, haben derzeit aber keine Fläche für eine Probiertheke und weitere Angebote.“

Unterstützung kommt auch von der Gemeinde: „Wir stehen voll und ganz hinter der Erweiterungsabsicht“ erklärte Bürgermeister Uwe Seibold. Im Herbst sollen die Gespräche mit den Behörden weitergehen. Denn auch der Verkauf hat angezogen: Über 944 Tonnen Obst konnten 2020 trotz Frostschäden und über 1134 Tonnen in 2021 geerntet werden.

„Wir konnten alles zu ordentlichen Preisen verkaufen,“ berichtete Michael Nollenberger, der im Vorstand für den Verkauf zuständig ist. Corona hat auch den Verkauf in der Obsthalle beeinflusst: „Mit über 810 00 Kunden waren es 2020 so viel wie nie.“ Der Umsatz 2021 war der bisher höchste in der Obsthalle, wobei rund 70 Prozent davon mit regionalen Lebensmitteln erreicht werden.   Birgit Riecker

 
 
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