Kolloquiumsbericht zu „Alkoholgeschichte(n)“ „Da gärt noch viel“

Von
Zum 25-jährigen Bestehen hat die Historische Gesellschaft Bönnigheim 2018 ein Kolloquium "Alkoholgeschichte(n)" organisiert. Jetzt ist eine knapp 100-seitige Broschüre zu diesem Thema herausgegeben worden. ⇥ Foto: Jürgen Kunz

Informativ und kurzweilig ist die neue, knapp 100-seitige Broschüre der Historischen Gesellschaft. Darin werden die Ergebnisse des Kolloquiums „Alkoholgeschichte(n)“ veröffentlicht.

Sind wir, die wir hier uns dem Thema Alkohol forschend widmen, dem Alkohol gegenüber voreingenommen und diesem Forschungsgegenstand gegenüber positiv gestimmt?“, fragte Frank Lang, freischaffender Kulturwissenschaften aus Vaihingen, in seinem Vortrag „Alkohol kulturgeschichtlich gesehen“. Lang war einer von 13 Referenten des Kolloquiums „Alkoholgeschichte(n)“, das die Historische Gesellschaft Bönnigheim, mit ihrem Vorsitzenden Kurt Sartorius an der Spitze, zum 25-jährigen Bestehen des Vereins 2018 im Schnapsmuseum organisiert hatte. In einer jetzt veröffentlichten, knapp 110-seitigen Broschüre kann man die ebenso informativen, wie auch kurzweiligen Referate nachlesen.

„Feiern wir bedeutende Belege für den zivilisatorischen Zuwachs und Gewinn durch Alkohol und blenden die Risiken und Nebenwirkungen aus?“, fragte der Lang in seinem Referat nach. Letztendlich bekannte er sich dazu, als Hobby-Wengerter und Streuobstwiesenbetreiber in seiner Freizeit und als jemand, „der gerne mal ein Viertele trinkt“, sei er elektrisiert und hochinteressiert an allen kulturhistorischen und naturhistorischen Zusammenhängen um den Alkohol. Unbeantwortet blieb seine Frage, ob ein Antialkoholiker diesen Vortrag anders gehalten hätte. Fazit von Lang: „Da gärt noch viel, was es zu bedenken, zu erhellen und zu erforschen gibt.“

Im Jahr 2018 wurde das Schwäbische Schnapsmuseum im Steinhaus in Bönnigheim 25 Jahre alt. „Aus diesem Grund haben wir im Oktober 2018 ein interdisziplinäres Kolloquium durchgeführt, bei dem die Kulturgeschichte des Alkohols aus verschiedenen Blickwinkeln betrachte wurde“, erklärt Kurt Sartorius in seiner Eigenschaft als Herausgeber der Broschüre. Nach seiner Rückschau haben die Referenten zu den verschiedenen Themen der vielfältigen Alkoholgeschichte wie Destillationstechnik, Likörbereitung, Steuerrecht, Holzfasslagerung oder Bräuche rund um den Schnaps ein interessantes Kolloquium ermöglicht.

Einen weiten geschichtlichen Bogen spannte Dr. Andreas Mendel vom Institut für Geschichte der Pharmazie der Philipps-Universität Marburg in seinem Vortrag „Die Destillation und ihr langer Weg von einer Kunst zur Wissenschaft“. So habe man 1974 am Indus-Fluss in Westpakistan eine Apparatur aus dem 3. bis 4. Jahrhundert vor Christus entdeckt, die wahrscheinlich zur Herstellung von ätherischen Ölen oder Duftwässern benutzt worden war.

Mit dem extensiven Obstbau in den Streuobstwiesen beschäftigte sich Conrad Fink (Stiftung Nature-Live-International) und erläuterte die Bedeutung von insgesamt 25 000 Kleinbrennereien in Baden-Württemberg (Deutschland: 32 000), die die Verwertung der Obstwiesenfrüchte über Destillate ermöglichen.

„Alkohol und Aromen“ war das Thema von Destillateur- und Braumeister Stefan Fuchs. Nach seinem Vortrag setzte sich der Alkohol als Genussmittel, als sogenannter Branntwein, ab dem 15. Jahrhundert durch. Ein Pionier war Lucas Bols, einer der Begründer der holländischen Alkoholindustrie, der 1575 in Amsterdam die erste mit Torf beheizte Destillierblase installierte. Er legte so den Grundstein für Genever, aus dem zwei Jahrhunderte später in England und auch heute wieder der Gin hervorgegangen ist.

Info Bericht zum Kolloquium „Alkoholgeschichten(n)“, 2018, 100 Seiten, DIN A4, Herausgeber: Sartorius, erhältlich bei der Historische Gesellschaft Bönnigheim, Museum im Steinhaus– Schwäbisches Schnapsmuseum, Gebühr: neun  Euro.

 
 
- Anzeige -