Konstantin Wecker in Ludwigsburg Musik und Lyrik gegen den Krieg

Von Helga Spannhake
Konstantin Wecker im Forum Ludwigsburg⇥ Foto: Martin Kalb

Liedermacher Konstantin Wecker war mit Pianist Jo Barnikel und dem gemeinsamen Programm „Solo zu zweit“ im Forum.

Die Veranstaltung war ausverkauft, auch kein Wunder, war es doch der Nachholtermin des Nachholtermins. Viermal wurde das Konzert durch Corona verschoben, entsprechend groß war der Jubel im Publikum als Konstantin Wecker die Bühne betrat.

Er griff sich das Mikrofon und rezitierte ein Gedicht von Georg Heym: „Aufgestanden ist er, welcher lange schlief“. Gemeint ist der Krieg und obwohl der Text bereits über 100 Jahre alt ist, sei er immer noch sehr aktuell: „Wie sich die Bilder gleichen“, bemerkte Konstantin Wecker und konstatierte, dass die Hirne abgestorben und die Herzen kalt seien: „Macht ein Ende mit dem Irrsinn“, forderte er unter dem Applaus des Publikums.

Bekennender Pazifist

Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Liedermacher und ist seit seinen Anfängen tief in der Friedensbewegung verwurzelt. Konstantin Wecker war und ist bekennender Pazifist, zitierte auf der Bühne Gandhi: „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten“. Er bekräftigte, dass ihm Uniformen so zuwider seien und er an die Schönheit der Utopie glaube. Der Hass solle durch Zärtlichkeit besiegt werden, denn wir sind aus der Liebe geboren. Wecker betonte aber gleichzeitig, dass er keine neue Gewalt sähen wolle, der Pazifismus seine eigene Entscheidung sei und er keinen überzeugen wolle. In diesen Zeiten, in denen kraftvolle öffentliche Äußerungen zum schnellen Shitstorm führen können, mit Bedacht gewählte Worte. 

Poesie und Musik als Weg

Als Kind lernte Konstantin Wecker das Klavierspiel ebenso wie Geige und Gitarre. Er sang im Kinderchor und neben der Musik ist es die Poesie, die ihn all das ausdrücken lässt, was aus seiner Seele hinaus will in die Welt. Zwischen seinen Liedern und Texten erzählte der Liedermacher locker plaudernd aus seinem Leben. Wie er durch die Geburt seines ersten Sohnes die Wunder in der Welt wieder entdeckt habe und, seitdem er den Glanz in den Kinderaugen sah, Schneeflocken ganz anders betrachtet.

Er erinnerte an seinen Vater, der ein sanfter Mann war und mit dem er als Kind romantische Opernduette im eigenen Wohnzimmer aufführte. Aus dieser Zeit gibt es sogar Tonaufnahmen. Konstantin Wecker ließ eine kurz einspielen, in der sein glockenreiner Sopran ertönte und er berichtete auch über die letzten Momente im Leben seines Vaters, den er offensichtlich sehr geliebt hat.

Seit Jahrzehnten vereint

Überhaupt bezeichnete sich Konstantin Wecker als Romantiker, der gleich Novalis die blaue Blume finden und außerdem, anstatt Geld zu transferieren, lieber die ganze Welt poetisieren wolle. Mit seinem Konzert ist ihm das Poetisieren beim Publikum, das viele seiner philosophischen Aussagen sofort beklatschte, schon einmal trefflich gelungen. Konstantin Wecker erzählte, rezitierte und sang – kongenial am Flügel begleitet von Pianist Jo Barnikel. Die beiden treten seit über 30 Jahren gemeinsam auf und Wecker war voll des Lobes für seinen musikalischen Begleiter.

Im Publikum entdeckte Wecker überdies mit dem Saxofonisten Norbert Nagel einen weiteren Musikerfreund. Als Überraschung holte er ihn mit auf die Bühne und sie musizierten einen Song als Trio.

Überhaupt war das Programm bunt durchmischt: Mit dem Lied „Die weiße Rose“ erklang ein Werk Konstantin Weckers aus den 1980er-Jahren, mit „Utopia“ eins aus dem letzten Jahr und in „Die Tage grau“ beschäftigt sich der Liedermacher mit dem Thema Demenz. Am 1. Juni wird Konstantin Wecker 75 Jahre alt. Dass er damit aber noch lange nicht zum alten Eisen zählt, hat er mit seinem Konzert eindrucksvoll unter Beweis gestellt. 

 
 
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