Kreis Ludwigsburg Hausärzte verimpfen, was sie kriegen

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In dieser Woche können die Hausärzte in ihren Praxen mit dem Impfen beginnen.⇥ Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Seit heute wird in den Hausarztpraxen geimpft. Zuerst nur zwischen 18 und 40 Patienten pro Woche, aber es sollen schnell mehr werden.

Theoretisch, so Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg in Stuttgart (KVBW), starteten am gestrigen Dienstag die Impfungen bei den Hausärzten. „Wegen der Feiertage können die Impfdosen aber frühestens seit Dienstag geliefert werden, also gehen wir davon aus, dass die Impfungen erst am Donnerstag beginnen“, so Sonntag. Die jeweiligen Impfdosen werden laut KVBW nach einem komplizierten Schlüssel vergeben, den das Bundesgesundheitsministerium vorgegeben hat und der sich auch nach dem Vorhandensein des Impfstoffes bemisst. Pro Woche wird so eine bestimmte Menge an Impfstoff für die Praxen bestimmt. Die Zuteilung wird nach dem Arzt und der Anzahl seiner Patienten berechnet, „somit kann eine große Praxis mehr Impfstoff als eine kleine erhalten“, so Kai Sonntag. Dr. Caola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft sagt, dass die Praxen im Landkreis an diesem Mittwoch je nach Größe Dosen für 18 bis 40 Impfungen erhalten würden.

Impfstoff aus der Apotheke

Die Ärzte mussten ihre Impfdosen in der Apotheke bestellen, die Apotheker bekommen den berechneten Impfstoff und geben ihn weiter. „Wir haben keinen Einfluss darauf, wie viele Impfdosen letztlich konkret zugeteilt werden und können die ein oder andere ‚Überraschung’ bei der Belieferung nicht ausschließen“, schrieb Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorsitzender des KVBW an die Hausärzte.

„Im Prinzip kann jede Arztpraxis mitmachen, allerdings werden zum Start die Impfungen vor allem in den Hausarztpraxen stattfinden“, so Sonntag. Die Praxen müssen auch nicht registriert werden. Wer impfen will, kann es tun und Impfstoff bestellen. Die Bundesregierung hat vorgegeben, dass in erster Linie die Patienten mit der Impfpriorität 1 geimpft werden sollen. Die Terminvergabe organisieren die Praxen selbst.

Verimpft wird in dieser und auch wahrscheinlich in der kommenden Woche nur Biontech-Pfizer-Impfstoff, so Sonntag. Geplant war, dass in den Praxen Astrazeneca geimpft wird. Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts, teilt mit, dass die Kreisimpfzentren angehalten sind, ab dem 12. April kein Astrazeneca mehr für die Erstimpfung zu verimpen. „Ab diesem Zeitpunkt soll der Astrazeneca-Impfstoff für die Hausärzte zur Verfügung stehen“, so Fritz.

„Als KVBW sind wir für das Regelwerk um die Impfung herum mit zuständig, also den Bestellprozess, die Dokumentation und die Abrechnung“, sagt Kai Sonntag. Die Kosten der Impfungen übernimmt der Bund, nicht die Krankenkassen, die Abrechnung erfolgt über die Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Ärzte müssen die Impfungen auch gegenüber dem Robert-Koch-Institut dokumentieren.

200 Patienten auf der Liste

Dr. Holger Loibl, Arzt in Ingersheim, beginnt am Mittwochnachmittag mit den Impfungen, „denn unsere Ingersheimer Apotheke will am Morgen liefern“. Ihm wurden 40 Impfdosen zugesagt. „Wir verimpfen, was wir kriegen“, sagt er. Seine Praxis ist eine Corona-Schwerpunktpraxis. Er hat eine Telefonliste mit Patienten zusammengestellt, die sich impfen lassen wollen und die nach Bedarf von seinem Team benachrichtigt werden. 200 sind das, „es werden stündlich mehr“, so Loibl. „Von meinen Patienten sind durch das Pop-up-Impfzentrum am Montag in Ingersheim alle über 80-Jährigen geimpft, nun impfe ich die über 80-jährigen, die zu Hause gepflegt werden und Jüngere mit Risikofaktoren“, sagt er.

Kein Impfstoff geht verloren

Es gehe kein Impfstoff verloren, die Warteliste werde abgearbeitet, so Loibl. Schließlich müsse der Impfstoff, wenn er in der Praxis ist, innerhalb von 120 Stunden verimpft werden, ist eine Dose, mit der sechs Patienten geimpft werden können, geöffnet, muss sie innerhalb von zwei Stunden verbraucht sein. Er ist sicher, dass „die Impfungen jetzt schnell vorangehen, ich glaube, wir können bald auch die nächste Prioritätengruppe impfen.“

Dr. Carola Maitra, Vorsitzende der Kreisärzteschaft, ist froh, dass die Ärzte nun in den Impfprozess einsteigen: „Das für mich Entscheidende ist momentan, dass mit der Verteilung der Impfungen in die Praxen ein ganz wichtiger Schritt zu einer Durchimpfung der Bevölkerung und damit zur Bekämpfung der Pandemie geschaffen wird. Da ziehen wir alle an einem Strang.“

 
 
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