KSK Music Open in Ludwigsburg Sarah Connor lockt 10 000 Zuschauer ins Schloss

Von Sandra Bildmann
Sarah Connor heizte im Innenhof des Ludwigsburger Schlosses die Partystimmung an. Foto: /Werner Kuhnle

Bei den KSK Music Open im Ludwigsburger Schloss sorgte die Sängerin Sarah Connor für einen vollen Innenhof. Restlos ausverkauft waren die Tickets und das Publikum feierte sie. Ihren Song „Vincent“ sang sie für einen ganz besonderen jungen Mann.

Sie plauderte gern und viel, verwechselte kurz mal ein Lied und sang vor allem auf Deutsch. Dank großer Werbeschilder des Hauptsponsors könne sie sich stets vergegenwärtigen, wo sie sei, ließ die Sängerin ihre Fans wissen. Kein Zweifel: Sarah Connor war in Ludwigsburg.

Es sei spät geworden am Abend vorher, aber: „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, befand die 42-Jährige und ermahnte damit wohl ein bisschen sich selbst. Gut aufgelegt und bestens bei Stimme sammelte sie mit ihrer originellen Moderation beim Publikum aber vor allem Pluspunkte.

Tickets unter der Hand

Im Rahmen ihrer pandemiebedingt verzögerten „Herz Kraft Werke“-Tour gastierte sie am Sonntagabend bei den KSK Music Open im Ludwigsburger Schlossinnenhof. Und diese Dame zieht: Mit 10 000 Besuchern war das Konzert ausverkauft. Letzte Tickets wechselten vor den Toren privat den Besitzer, denn an der Abendkasse war nichts mehr zu machen.

Um Punkt 20 Uhr wummerten bei glasklarem Sound sowie einer perfekt austarierten Abmischung von Band und Stimme die ersten Bässe. Als die Blondine von der kreischenden Masse empfangen wurde, kreischten aber keineswegs nur Teenies, die ihrem Idol zujubeln. Sarah Connor hat Fans in jeder Generation und in zahlreichen gesellschaftlichen Ecken. Das zeigte sich nicht nur durch das vielfältige, durchmischte Publikum in Ludwigsburg, sondern lässt sich auch durch ihren Stilwandel als Künstlerin erklären.

Gepfeffert, manchmal ordinär

Die Songs, mit denen ihr vor mehr als zwei Jahrzehnten der Durchbruch gelungen war – wie zum Beispiel „From Sarah with love“ –, mag manch eingefleischter Fan vermisst haben. Mit einem kurzen Medley machte sie am Sonntagabend einen Haken an die „Zeitreise in meine dunkle Vergangenheit“, wie sie ihre englischsprachige Ära selbst betitelte.

Die Sarah Connor von Heute unterscheidet sich wahrlich immens von der Künstlerin Anfang des Jahrtausends. Nach einem Karriere-Knick und einer fünfjährigen Pause hatte sich die Schwägerin von Rapper Bushido 2015 erstmals mit einem Album auf Deutsch zurückgemeldet. Und mit „Muttersprache“ kam auch der große Erfolg zurück. Ihre Texte sind sprachlich vielfach ein Phänomen: gepfeffert, manchmal fast ordinär, aber so auf den Punkt, dass sich viele Menschen darin wiederfinden können.

Slang und Inhalt beschreiben in einer bewundernswerten Natürlichkeit Gefühle und Erlebnisse aus der Mitte der Gesellschaft. Zwischen Songs wie „Kleinstadtsymphonie“, „Mein Jetzt, mein Hier“, „Dazwischen sind wir Freunde“ und „Ruiniert“ suchte sie obendrein eine noch unmittelbarere Brücke zu ihren Fans: So sorgte sie beispielsweise dafür, dass sich die Kinder vorn hinsetzen können und gab einem kleinen Jungen Kopfhörer als Schutz für seine Ohren. Die Vierfach-Mama kommt eben selbst mitten aus dem Leben. Sie heizte die Party-Stimmung an – aber appellierte auch daran, sich für die demokratischen Werte, Freiheit und Frieden stark zu machen.

Berührender Schluss

Den berührendsten Moment hatte sich die Sängerin für den Schluss aufgehoben. Durch eine Instagram-Zuschrift war sie auf Tim aufmerksam geworden. Der junge Mann im Publikum hatte ihr für „Vincent“ gedankt – den Song, durch den ihm sein Coming-Out leichter gefallen sei. Beim Texten des mit Platin dekorierten Liedes aus dem Jahr 2019 hatte Connor kein Blatt vor den Mund genommen, wodurch „Vincent“ in die Schlagzeilen geraten war. So mancher Radiosender sendet nur eine zensierte Version. Aber es ist der Song, auf den alle im Publikum gewartet hatten und der live vielleicht noch besser funktioniert als über die UKW-Sender Sarah Connor sang „Vincent“ für Tim, schlang sich eine Regenbogenfahne um die Schultern und sagte damit noch viel mehr als den reinen Text, den sie sang.

 
 
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