Lesen in Corona-Zeiten Ein anderes Kaufverhalten

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Maria Köber am thematischen Stand „Farbe bekennen“ in der Osianderschen Buchhandlung in Bietigheim. ⇥ Foto: Martin Kalb

Buchhandlungen und Büchereien stellen fest, dass mehr gelesen wird. In den Sommerferien gibt es daher die Buchtipps der Redakteure.

Ob generell mehr Bücher gekauft und damit gelesen werden, seit die Corona-Pandemie den Menschen mehr Zeit zum Lesen bescherte, das kann Maria Köber, Leiterin der Bietigheimer Filiale der Osianderschen Buchhandlung, noch nicht abschließend sagen, gefühlt sei es aber so. Das Kaufverhalten aber habe sich merklich verändert. „Die Leute haben von Anfang an online vor Ort eingekauft, das heißt, sie haben ihre Bücher im Online-Angebot der lokalen Buchhandlungen gekauft, nicht bei den großen Anbietern“, so Köber. Das hätten auch Kollegen aus anderen Buchhandlungen bestätigt.

Lokales einkaufen

„Da hat sich schon was verändert, die Kunden haben eindeutig mehr Loyalität zu den Händlern vor Ort bekundet“, sagt sie. Die Internetseite www.shopdaheim.de, auf der Händler jeder Region sich mit ihrem Online-Angebot registrieren könnten, sei stark frequentiert worden und habe dazu geführt, dass nicht nur Buchhandlungen sondern andere Geschäfte online besucht wurden.

Aber auch jetzt, wo die Osiandersche Buchhandlung wieder geöffnet habe, sei das Kaufverhalten ein anderes: „Die meisten kommen nicht mehr einfach so vorbei, manchmal mehrmals die Woche, sondern nur noch alle zwei bis drei Wochen und sie haben eine Bücherliste“, sagt Maria Köber. Zu Anfang des Corona-Lockdowns seien Bücher wie Camus „Die Pest“ oder Sachbücher zu Infektionen und zu Corona ganz speziell sehr gefragt gewesen. Als das Rassismus-Thema in den USA aufkam, seien Bücher dazu gekauft worden, auch historische Bücher zur Sklaverei oder zur Politik. „Anfangs wurden sehr viele zeitgenössische, gesellschaftliche Bücher gekauft“, so Köber. Deshalb sei in der Bietigheimer Dependance gerade ein Stand mit dem Titel „Farbe bekennen“ mit Literatur zu Rassismus und Diskrimierung aufgebaut. „Das interessiert die Leute grade.“

Im Sommer: Krimis

Mittlerweile, mitten in den Sommerferien, seien es wieder „die üblichen Verdächtigen“, die hauptsächlich gekauft würden: Frankreich-Krimis oder Donna-Leon-Romane. „Leichte Lektüre für den Sommerurlaub, meistens Bestseller“, so Köber.

Das kann auch Christine Blum von der Otto-Rombach-Bücherei in Bietigheim bestätigen. „Im Moment werden Krimis ausgeliehen und massenhaft Reiseführer für deutsche Gegegenden, das hatten wir in dieser hohen Zahl noch nie“, sagt sie. Das hänge sicher damit zusammen, dass die Kunden wegen Corona in Deutschland Urlaub machten. Zu Beginn der Pandemie seien hauptsächlich dicke Romane ausgeliehen worden. Und das online. „Wir hatten einen großen Anstieg an Online-Bestellungen“, so Blum.

Auch seien die Anträge für Büchereiausweise hoch gegangen, als die Bücherei diese online ausstellte. Im Moment aber sei man mit der Zahl der Vor-Ort-Besuche wieder bei der von Januar, aber immer noch sei die Online-Ausleihe höher als die vor Ort in der Bücherei. Insofern würden mittlerweile mehr Leute Bücher leihen. „Ob aber nun mehr Leute lesen, kann ich nicht definitiv sagen, gefühlsmäßig würde ich sagen, ja“, so Christine Blum.

Viele Besucher hätten ihr gesagt, sie lesen derzeit mehr als sonst. Vor allem bei den Kinderbüchern sei die Ausleihe um einiges höher als in einem vergleichbaren Zeitraum.

Info In loser Reihenfolge stellen in den nächsten Wochen die BZ-Redakteure Bücher vor, die sie für lesenswert halten.

 
 
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