Lichtensterngymnasium Sachsenheim Bildungspionier am Gymnasium

Von bz
Olantuji „Komo“ Akomolafe  stellte, das von ihm initiierte Village Pioneer Project vor. Foto: /Lichtenstern-Gymnaisum

Rektor Olantuji Akomolafe berichtet von seinen Schulen in Nigeria.

Dick eingepackt wie in all den Jahren zuvor, um dem deutschen Winter zu trotzen, betrat der langjährige Freund und Partner Olantuij Akomolafe das Klassenzimmer der 6b des evangelischen Lichtenstern-Gymnasiums. In seiner Heimat herrschten zu dieser Zeit tropisch-feuchte 28 Grad. Als Schulgründer und Schulleiter hatte er viel über seine Schulen im nigerianischen Bundesstaat Ondo, über das Leben der Kinder und Jugendlichen in den Tropen und über deren Zukunftschancen zu berichten.

Entwicklung eines Lebenswerkes

Angefangen hatte alles mit einem Stipendium und einem agrarwissenschaftlichen Hochschulstudium an der Universität Hohenheim. Familiäre Bindungen und das erworbene Know-how hätten eine Berufskarriere in Deutschland möglich gemacht, aber Akomolafe sah seine Aufgabe in Nigeria. Sein Anliegen: „Ich will Jugendlichen in meiner Heimat Perspektiven aufzeigen abseits der großen Städte im ländlichen Raum“. Nigeria ist mit über 220 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder dieser Erde. Der Bundesstaat Ondo ist eher ländlich geprägt. Landflucht und Urbanisierung prägen auch Nigeria mit den daraus erwachsenden Problemen hoher Jugendarbeitslosigkeit und einem Leben in Slums. Dagegen kann der ländliche Raum Perspektiven bieten, da ein nachhaltiger Umgang mit den natürlichen Ressourcen eine nachhaltige Lebensgrundlage bieten kann.

Zuerst Hasen gezüchtet

An verschiedenen Schulstandorten lernen Schülerinnen und Schüler daher neben Lesen, Schreiben und Rechnen viel über Hauswirtschaft, denn das Village Pioneer Project (VPP) beschäftigt sich neben dem Bildungszweig mit nachhaltigem Ackerbau, Kräuter- und Gewürzhandel, Vieh- oder Bienenzucht aber auch Wasserwirtschaft. Akomolafe selbst ist in seiner Heimat als Rabbitman bekannt, da er anfangs die Zucht von Hasen vorantrieb und dabei einen „nigerianischen Weg“ einschlug. Entstanden ist so über die Jahre das Village Pioneer Project mit seinen ganz unterschiedlichen Geschäftsbereichen, ein Verein, der von Waiblingen aus betreut wird, aber im nigerianischen Bundesstaat Ondo seine operativen Arbeitsfelder hat.

Fasziniert hören die Sechstklässler dem inzwischen über 60-Jährigen zu, fragen nach und beteiligen sich. Am Ende lernen sie ein nigerianisches Lied, denn Gesang und Musik gehören in Nigeria zum Schulalltag dazu. Neben den Schülern erfahren auch die Lehrer so manches über den Schulalltag in Nigeria.

Akomolafe selbst ist dankbar, dass sich sein Lebenswerk als Einrichtung so gefestigt hat. Die Absolventen sind heute in den Gemeindeverwaltungen der Region oder gar in Regionalparlamenten vertreten.

Village Pioneer Project als Modell

Seine Ideen finden Anklang und werden als Leuchtturmprojekte kopiert. Es ist für den umtriebigen Schulleiter eine echte Bestätigung, die Weichen richtig gestellt zu haben, um jungen Menschen eine Zukunft in ihrer Heimat zu eröffnen. Dabei verhehlt er nicht, dass seine Projekte in den zurückliegenden Jahren auch vor große Probleme gestellt waren. Militante Nomaden, die Corona-Pandemie und Überfälle durch Kämpfer der Boko Haram haben auch Ängste und Unsicherheit in die Region Ondo gebracht. Zum Glück habe sich das wieder gelegt, weshalb er hoffnungsfroh seinen Rückflug in die Millionenmetropole Lagos und von dort in seine Heimat antritt.

Lehrer Timo Schuh sieht in Begegnungen dieser Art einen großen Gewinn. „Wir wollen mit unseren Schülerinnen und Schülern in die Welt blicken und die Welt in unsere Schule holen, um einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen.“ Schuh ist an der Sachsenheimer „Schule im Park“ für außerschulische Kooperationen zuständig und dankbar für Partner wie Komo, die sich die Zeit nehmen, den Schülern ihre Geschichte, ihre Ideen und ihre Anliegen näher zu bringen.   bz

 
 
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