Ludiwgsburger Kammertheater Mit dem Publikum auf Tuchfühlung

Von Dietmar Bastian
Das Team von Q-rage: (von links) Foto: /Oliver Bürkle

Beste Unterhaltung verspricht Q-rage bei seinem vierten „Mord(s)Dinner“, bei dem das Publikum miträtseln soll.  

Im rustikalen „Gasthaus Allgäu“, das in einem historischen, denkmalgeschützten Gebäude direkt vis-à-vis des Ludwigsburger Schlosses untergebracht ist, gilt es ab Samstag wieder ein kniffliges Rätsel zu lösen. Im vierten Fall des Theaters Q-rage, „In vino veritas“, kommen die drei Schauspieler Sandra Hehrlein, Jörg Pollinger und Michael Fiedler dem Publikum ganz nah, quasi auf Tuchfühlung, und beziehen es geschickt mit ein.

Rätsel um die Weinkönigin

Im Weinort Schwarzrieslingen soll die Weinkönigin gekürt werden. Zwei Bewerberinnen buhlen um die Gunst der Jury, also auch des Publikums. Isabell und Sarah heißen die Konkurrentinnen. Dem Vater Sarahs, Werner Bächle, ist jedes Mittel recht, damit seine Tochter die Krone erringt. Doch so einfach ist es nicht: Sarah macht Sperenzchen, die Mutter der Konkurrentin, die Bäuerin Heike, kämpft mit harten Bandagen. Und auch sonst ist das Spektakel so verwickelt, dass man eine ganze Weile braucht, das Knäuel zu entwirren.

Weitere Rollen sind Sarahs Freund Jean Vin, der Briefträger Max, der Umweltschützer Henry oder die Reporterin Frau Springer vom „Schwarzrieslinger Boten“. Rasante Rollenwechsel sind ebenso Programm des Kammerspiels wie gewitzte Wortspiele oder glatte Situationskomik. Ein wichtiger Anteil des durchweg überzeugenden Konzepts des „Mord(s)Dinners“ kommt der eigens für das Stück komponierten Musik des schauspielenden Musikers Michael Fiedler zu. Instrumentale Einleitungen und Zwischenspiele, auf dem Keyboard live gespielt, verdeutlichen und kommentieren die Handlung. Einige Songs („Bier auf Wein, das lass sein“, „Ich bin der Briefträger Max“, Sarahs Traumsong „Sansibar“) bringen Ruhe in die Handlung und verdeutlichen noch mehr die Klasse der professionell agierenden Theaterpädagogen.

Die Mischung machts

Die Mischung aus schwäbischer Komik, Spannung und herausgespielten Überraschungen ergibt ein Format, das so nicht häufig anzutreffen ist. Das Team des Gasthofs Allgäu um Wirt und Koch Christoph Rieger zaubert an den fünf Veranstaltungsabenden ein Feinschmeckermenü, das die Handlung in vier Akten an passenden Stellen geschickt unterbricht. Dieser vierte Fall der Schauspielergruppe sei, wie die vorherigen auch, aus dem Prozess heraus entstanden, erklärte Sandra Hehrlein bei der Hauptprobe.

Erst habe man eine Handlung improvisiert, wobei viel gelacht worden sei, dann die fixen Handlungsstränge festgelegt und das Ganze erst viel später in eine Textbuchfassung übertragen. Der Truppe, die ursprünglich beim Improvisationstheater zusammengefunden hat, steht der studierte Theaterpädagoge und Regisseur Rüdiger Erk zur Seite. Mit seiner Hilfe habe man auch beim vierten Fall zu einer überzeugenden Bühnenperformance gefunden. Q-rage spielt seit 2007 zusammen, seit 2011 im Gasthof Allgäu, arbeitet an Schulen und tritt auch noch in anderen Kontexten in Erscheinung. Bei der Premiere am Samstagabend, 10. September um 18.30 Uhr, und bei den weiteren Aufführungen, 11. September um 17.30 Uhr, 24. September um 18.30 Uhr und 25. September um 17.30 Uhr, wird sich der recht kleine Gastraum, der maximal 40 Gäste fasst, wieder in eine Bühne verwandeln. „Es ist etwas passiert“, heißt es im dritten Akt. Die frisch gekürte Weinkönigin ist verschwunden, die Krone ist voller Blut; das LKA befragt das Publikum und verhört die Verdächtigen. Ob es Mord war? Und wer war der Täter?

www.q-rage.de

 
 
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