Naturschutz Keiner muss mehr auf Bäume klettern

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Kai Vogel (links) und Klaus Wölfl räumen einen Nistkasten aus. Rund zwei Dutzend Natürschützer waren bei der Walheimer Aktion am Samstagvormittag im Einsatz.⇥ Foto: Susanne Yvette Walter

Knapp zwei Dutzend engagierter Walheimer Obst-, Garten- und Blumenfreunde treffen sich in jedem Winter, um gemeinsam über 100 Nistkästen im Wald sauber zu machen.

Am Samstagmorgen fuhren sie wieder hinauf zur Waldhütte im Walheimer Wald. Rund ein Dutzend engagierte Obst-, Garten- und Blumenfreunde wollten wie in jedem Winter gemeinsam rund 100 Nistkästen von Kot, Schmutz, Laub und Tierhaaren befreien, um sie wieder attraktiv für die nächste Generation brütender Vögel zu machen.

Oben am Treffpunkt Waldhütte im Walheimer Wald gab es erst einmal ein großes Hallo. Die Waldhütte, die im Jahr 1912 für die Waldarbeiter gebaut worden war hat einen Ofen und damit Magnetwirkung. Von hier oben aus teilten sich die Ehrenamtlichen in drei Gruppen auf und zogen ihre Runden durch den Wald mit Spachtel und einer Stange mit speziellem Haken ausgerüstet. Auch etliche Kinder sind dabei – die gemeinsame Nistkastenaktion hat in Walheim eine sehr lange Tradition.

„Ursprünglich hatte Martin Klein, der ehemalige Nabu-Vorsitzende diese Idee“, weiß Wilhelm Weiss, der als Revierpächter im Wald hier zuhause ist, noch ganz genau. Langsam habe sich die Nistkastenpflege vom NABU auf die Obst-, Garten-, und Blumenfreunde übertragen und die haben heute ihre Freude daran. „Früher sind wir mit Leitern die drei Meter hinaufgeklettert und haben die Kästen heruntergeholt. Heute gibt es diesen Spezialhaken an einer Stange. Das macht die Sache einfacher“, erklärt Klaus Wölfl und zeigte gleich mal am Nistkasten an der Waldhütte, wie man so vom Boden aus ganz locker den Nistkasten abhängen kann.

Gemeinsam mit Kai Vogel, dem Hauptorganisator der Aktion, öffnet er vorsichtig den Kasten und findet darin ein Nest, weich ausgepolstert mit Tierhaaren. Wilhelm Weiss der Jagdpächter sieht mit Kennerblick Rehhaare. „Aber auch viele Hundehaare sind dabei. Die schnappen sich die brütenden Vögel, wenn die Hundebesitzer im Wald ihren Vierbeiner auskämmen“, lachte er. Mit dem Spachtel kratzt er das Nest aus – mehr ist nicht zu tun. „Natürlich arbeiten wir hier nicht mit Putzmitteln“, schmunzelte Vogel schon bei der Vorstellung.

Blau-, und Kohlmeisen sind hier im Walheimer Wald Stammgäste in den Nistkästen, erzählte Vogel. Aber auch der Haussperling schätzt den von Menschen gemachten Unterschlupf für die Aufzucht seiner Jungen. Immer wieder nisten in den Kästen seltenere Vogelarten und sogar die Waldmaus findet wohl Gefallen daran. „Da drin ist es schön warm zum Überwintern“, beobachtet Jagdpächter Weiss. Die Waldmaus klettert den Stamm hinauf, schlüpft durchs Loch und findet sich im „Fünf-Sterne-Hotel“ wieder, oft in einem von Vögeln hinterlassenen ausgepolsterten Nest.

Manchmal sind wohl auch Plastikreste im Nest – von den Hinterlassenschaften der Spaziergänger im Wald. Die Arbeit mit den Stangen und den daran befestigten Haken erleichtert die Arbeit der Nistkasten-Pfleger ungemein. Keiner muss mehr die Bäume hochklettern, denn Nistkastenpflege ist längst ein Thema bei professionellen Nistkastenbauern, die das Zubehör gleich mitanbieten. Und so können sich die rund 20 ehrenamtlichen Naturschützer nach ihrem Rundgang schon zwei Stunden später wieder an der Waldhütte versammeln und zum gemütlichen Teil übergehen ­­– zum gemeinsamen Vesper in der freien Natur.

 
 
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