Neuer Vorschlag zum Saisonabbruch Vizemeister wollen auch aufsteigen

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Kresimir Trepsic (links) vom NK Croatia Bietigheim nimmt den Ball volley. Rechts Kai Pettinelli vom SV Gebersheim. Der Bietigheimer Bezirksligist plädiert zusammen mit 32 weiteren württembergischen Vereinen für einen Aufstieg des Tabellenzweiten. Foto: Jan Simecek

33 Vereine aus verschiedenen Bezirken in Württemberg fühlen sich benachteiligt und plädieren für eine geänderte Regelung beim Saisonabbruch. Demnach droht 2021 ein verschärfter Abstieg.

Dass die Saison 2019/20 im württembergischen Amateurfußball bis hin zur Oberliga auch offiziell abgebrochen wird, dürfte nur noch Formsache sein. Unzufrieden mit dem vorgelegten Beschluss sind vor allem die Tabellenzweiten. 33 Vereine aus Württemberg haben nun einen Alternativvorschlag vorgelegt.

Bis zum 20. Juni haben Delegierte aus den 16 Bezirken die Gelegenheit, über den vom WFV-Präsidium vorgelegten und vom Vorstand für den virtuellen außerordentlichen Verbandstag eingereichten Beschluss online abzustimmen. Demnach soll die Saison abgebrochen und nach der Quotientenregelung gewertet werden. Zudem soll es keine Absteiger geben. Diese Maßnahme, wie sie in Württemberg bei der Aufstiegsfrage angewendet werden soll, führt dazu, dass aufgrund von ungleicher Anzahl von ausgetragenen Spielen nicht alle beim Abbruch am 13. März auf Platz eins stehenden Mannschaften ihren Platz behalten und damit nicht aufsteigen. Durch den Verzicht auf die Relegation haben die Tabellenzweiten keine Chance, sich sportlich für die nächsthöhere Spielklasse zu qualifizieren. Das hat 33 Vereine aus den 16 Bezirken auf den Plan gerufen, die sich mit ihrem Vorschlag  an die Delegierten und den Verband gewandt haben und darauf hoffen, Gehör zu finden.

Vier aus dem Bezirk Enz/Murr

Unter den Vereinen sind aus dem Bezirk Enz/Murr  der SV Patonville, der GSV Hemmingen, der Club L‘Italiano Großbottwar und der NK Croatia Bietigheim, der in der Bezirksliga mit vier Punkten Rückstand und zwei Spielen Rückstand auf den Tabellenzweiten TSV Merklingen in der Abbruchtabelle Rang vier belegt. 2019 ist Croatia als Tabellenzweiter in der Relegationsrunde zur Landesliga gescheitert.

Auch innerhalb des Südbadischen Verbands hat sich Widerstand gegen die wie in Württemberg vorgesehene Abbruchmodalitäten  breitgemacht. Hier sind es 26 Vereine, die sich für eine erweiterte Regelung aussprechen und einen identischen Antrag gestellt haben. Alle diese 59 Klubs halten es „generell, moralisch und besonders aus sportlichen Gründen nicht für korrekt,  den Mannschaften auf den Relegationsplätzen die Aufstiegschance von vorne herein zu nehmen“, heißt es in ihrem Papier.

Der von den WFV-Vereinen an die Delegierten und den Verband gerichtete Antrag unterstützt zwar den Beschluss zum Abbruch der Saison 2019/20 zum 30. Juni, die Berechnung nach der Quotientenregelung und den Verzicht auf Absteiger, da viele Vereine noch die Chance gehabt hätten, sich auf einen Nichtabstiegsplatz zu retten. Er ist aber erweitert durch den Vorschlag, wonach neben dem Tabellenersten auch der Zweitplatzierte, der einen Relegationsplatz belegt, direkt aufsteigen sollte. Als Begründung führen die Antragsteller neben anderen Punkten an, dass der Aufstieg des Tabellenersten und -zweiten sportlich die fairste Lösung wäre.

Belohnung für die Leistung

Der Tabellenzweite würde so für seine Leistung in der Saison belohnt und sei nicht wie im Originalantrag die einzige benachteiligte Mannschaft. Ihm würde die Aufstiegschance verwehrt und er sei schlechter gestellt als jene Teams, die einen Abstiegsplatz belegen. Die Initiatoren widersprechen auch der Begründung, dass ein Abstieg in der Regel sportlich und wirtschaftlich schwerer wiegen würde als ein Nichtaufstieg. Die 33 württembergischen Klubs verweisen in diesem Punkt auf ihr anderes Rechtsverständnis und darauf, dass sie die Gewichtung der wirtschaftlichen Auswirkungen oberhalb der Landesliga zwar teilweise nachvollziehen können, diese aber ab der 7. Liga abwärts eher keine oder eine sehr untergeordnete Rolle spielen würden.

Bei einer vorgelegten Aufbereitung der Auswirkungen auf die Staffelgrößen bei Aufstieg der Erst- und Zweitplatzierten wird deutlich, dass es in einigen Spielklassen im Verbandsgebiet eine deutliche Erhöhung der Mannschaftszahlen geben würde. Die Korrektur der überschrittenen Sollstärken der Ligen sollte durch einen verschärften Abstieg in der Saison 2020/21 vorgenommen werden. Eine Spielplangestaltung wäre eine echte Herausforderung und würde zwangsläufig wohl etliche Spiele auch unter der Woche bedeuten. In die Staffel 1 der Landesliga würden nach dem vorgelegten Modell acht Mannschaften (je zwei aus den vier Bezirksligen Enz/Murr, Hohenlohe, Unterland und Rems-Murr)  – statt vier nach dem Beschlussantrag des WFV  für den Verbandstag –  aufsteigen. In die Bezirksliga Enz/Murr kämen sechs (statt drei) Teams aus den drei Staffeln der Kreisliga A und in diese wiederum 18 Mannschaften aus den neun Staffeln der Kreisliga B – und das alles bei jeweils zwei Auf- und keinen Absteigern.

 
 
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