Neujahrskonzert in Bietigheim Musiker lösen Beifallssturmin der Kirche aus

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Solotrompeter Thomas Reiner (links) mit Organist Jürgen Benkö in Sankt Laurentius. Foto: /Oliver Bürkle

Trompeter Thomas Reiner und Jürgen Benkö an der Orgel spielten beim Neujahrskonzert in Sankt Laurentius in Bietigheim-Bissingen vor mehreren Hundert Besuchern.

Als Anfang Dezember Händels „The Messiah“ aufgeführt worden war, sah man die Laurentiuskirche so gut besucht wie lange nicht. Einige Konzertbesucher hatten auf die Empore ausweichen müssen, weil das Kirchenschiff voll besetzt war. Dekanatskirchenmusiker Jürgen Benkö sagte damals im Gespräch mit der BZ, er hoffe, dass sich solche Erlebnisse besonders nach der herausfordernden Pandemiezeit wiederholten und dass die Musik weiterhin auch Menschen in die Kirche brächte, die keine klassischen Gottesdienstbesucher seien. Dass der berühmte „Messiah“ weder Zufallstreffer noch Eintagsfliege war, bewies nun das Neujahrskonzert am vergangenen Sonntagabend.

Sammlung kürzerer Stücke

Kein abendfüllendes Oratorium, sondern eine Sammlung kürzerer Stücke für Trompete und Orgel waren diesmal Grund für erneut mehrere Hundert Menschen, sich der Kirchenmusik an St. Laurentius zu widmen. Jürgen Benkö hatte den Pleidelsheimer Trompeter Thomas Reiner, der bereits in den zurückliegenden Jahren mehrfach in der Stadt musiziert hatte, als Duopartner für das Neujahrskonzert ausgewählt.

Gemeinsam präsentierten sie eine Reihe ausgewählter Kompositionen, deren Dramaturgie sorgfältig gestaltet war; die ihren Schwerpunkt auf Barockmusik legte und ihre Interpreten glänzen ließ. So begann das Duo mit einem „Trompeten Voluntary“ – einer zur Improvisation aufrufenden Gattungsform – von Jeremiah Clark.

Richteten sich diese Stücke im Ursprung einzig an die Ausführung durch einen Organisten mit Trompetenregister, verbreitete sich zunehmend die Praxis, eine echte Trompete erklingen zu lassen. Damit rahmten die beiden Musiker ihr Konzert, denn den schimmernden Schlusspunkt setzte als Zugabe erneut ein „Trumpet Voluntary“, diesmal von John Stanley.

Der festlichen Eröffnung ließen Reiner und Benkö eine Sonate von Pietro Baldassari folgen, ehe der hiesige Kirchenmusiker eine Kombination von Präludium und Fuge in C-Dur von Johann Sebastian Bach solistisch darbot. Zum Programm gehörten anschließend außerdem zwei jeweils dreisätzige Concerti in D-Dur für Trompete und Orgel, zunächst von Antonio Vivaldi, später aus der Schöpfung des Komponisten Johann Georg Knechtel.

Sie boten den beiden Instrumentalisten die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten und hohe künstlerische Qualität auszuspielen. Thomas Reiner imponierte nicht nur durch seine strahlenden wie makellosen Spitzentöne, sondern auch durch die Wandlungsfähigkeit seines Trompetentons, der zwischen schlank und voluminös changierte sowie wärmende und tröstende Farben schuf.

Mit seinen beiden weiteren Soloeinsätzen löste sich Benkö aus dem Barockzeitalter, spielte César Francks Pastorale in E-Dur und wagte sich mit Louis Viernes „Carillon de Westminster“ für Orgel ins 20. Jahrhundert. Der tonsprachliche Kontrast, der den entwicklungshistorischen Fortgang der Orgelmusik deutlich erkennbar werden lässt, verbunden mit den hohen künstlerischen Fähigkeiten von Benkö beeindruckte das Publikum in besonderem Maße. Unmittelbar nach dem Schlussakkord entlud sich ein Beifallssturm mit anerkennenden Rufen.

Stehende Ovationen

Für das Finale des gut einstündigen Konzerts hatten sich die beiden Musiker Händels „Wassermusik“ ausgesucht und spielten die Suite in D-Dur, die Ausschnitte aus dem Orchesterwerk für die Besetzung Trompete und Orgel adaptiert. So endete das Konzert mit einem Marsch und es lag die Empfindung nahe, als kündige dieser das Jahr 2023 majestätisch an. Stehende Ovationen für ein wahrhaft festliches Neujahrskonzert.

 
 
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