Final Four in Stuttgart Gespielte Überraschung und ein stilvoller Abgang

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Foto: Marco Wolf

Das Final-Four-Turnier um den Deutschen Handballpokal bot auch in diesem Jahr wieder ordentlich Material für große und kleine Geschichten. Die BZ-Redaktion hat sich wie gewohnt am Wochenende in der Stuttgarter Porsche-Arena umgesehen und einige Anekdoten aufgetrieben.

 

Schulzes würdiger Abschied
Der Aufstieg der SG BBM zu einem Spitzenverein wird immer mit dem Namen Luisa Schulze verbunden sein. Mit zwei DHB-Pokaltiteln und einer deutschen Meisterschaft im Gepäck war Schulze 2016 aus Leipzig ins Ellental gewechselt. Und den Erfolg der Sächsinnen transferierte die heute 31-Jährige gleich mit. Mit Bietigheim gewann sie 2017, 2019 und 2022 die deutsche Meisterschaft, 2021 und 2022 den DHB-Pokal. Und natürlich die European League in diesem Jahr. Nach der Saison wechselt die Kreisläuferin zum Nachbarn Neckarsulm, wo ihr noch einmal ein Dreijahresvertrag angeboten worden war. Doch nach Schulzes letzten Erfolg am Sonntag im Pokal wusste der Bietigheimer Anhang genau, bei wem er sich zu bedanken hatte. „Schmu“ wurde vom Publikum nach ihrem letzten Spiel im SG BBM-Dress lautstark gefeiert und kämpfte sichtlich mit den Tränen.

 

Fans verbrüdern sich 

Die Zuschauerresonanz beim Final Four war mit rund 2000 an Tag eins und 2700 am finalen Sonntag noch durchaus ausbaufähig. Dafür machten diejenigen Fans, die es doch in die Porsche-Arena verschlagen hatte, ordentlich Radau. Die rotgekleideten THC-Supporter stellten sich im ersten Halbfinale ganz klar auf die Seite des Außenseiters aus Oldenburg. Nach einer Nullachtfünfzehn-Parade von Julia Renner beim Stand von 14:8 wurde die Torhüter-Routinierin von den Erfurtern mit „Julia Renner-Sprechchören gefeiert“. Als die 34-Jährige 40 Sekunden vor der Halbzeit dann auch noch einen Buxtehuder Strafwurf parierte, hatte sie endgültig einen neuen Fanclub. Für diese Unterstützung revanchierten sich die vielen (weißgekleideten) Fans aus Oldenburg dann wenig später. Im Halbfinale zwischen Bietigheim und dem THC brüllten sie die Niedersachsen nach vorne. Die eigenen Anhänger des THC hatten nach dem Aus gegen die SG BBM dann auch noch Häme für den Bietigheimer Anhang parat: „Ohne uns wäre hier gar nichts los“, skandierten sie.

 

Angebrochenes Geschenk

Und nochmal zurück zur bereits erwähnten Julia Renner. Bei der Pressekonferenz nach dem verlorenen Finale saß die Oldenburger Torhüterin, die nach 17 Jahren ihre Karriere beendet hatte, mit auf dem Podest, als neben ihr Bietigheims Trainer Markus Gaugisch und Spielmacherin Kim Naidzinavicius von der verletzten Spielführerin Danick Snelder und einigen anderen Mitspielerinnen mit der fast schon obgligatorischen Sektdusche „überrascht“ wurden. Während Renner von Snelder eine angebrochene Flasche zum Verzehr mitbekam, hatte Gaugisch für den Veranstalter noch einen Tipp parat. „Ihr müsst den Weg vom Eingang bis zum Podium kürzer machen, sonst kann man ja gar nicht den Überraschten spielen“, so der feiererprobte Trainer.

 

Kleiner Bruder verliert

Noch mehr Grund zum Feiern gegeben als ohnehin schon, hätte es fast bei Familie Smits in den Niederlanden. Doch daraus wurde nichts. Nachdem Tochter Inger nicht nur mit dem Pokal, sondern auch der Medaille als beste Spielerin des Final Fours prämiert wurde, war Ingers Bruder Kay am Abend mit dem SC Magdeburg im Europapokalfinale gegen Benfica Lissabon gefordert. Doch es wurde nichts mit dem nächsten Titel für die Familie Smits, denn Kay musste sich den Portugiesen nach Verlängerung knapp geschlagen geben. „Ich weiß nicht, was wir m Abend machen, aber ich werde mir das Finale auf jeden Fall mit einem Auge auf dem Handy anschauen“, hatte Smits noch unmittelbar nach dem Pokalsieg im Gespräch mit der BZ gesagt. Trösten kann sie ihren jüngeren Bruder aber schon bald persönlich, denn für Smits geht es heute für fünf Wochen zurück in die Heimat. Und da wird sicherlich auch Kay als dann frischgebackener Deutscher Meister aufschlagen.

 

Lokaler Feiertag

Es ist gut möglich, dass der 28. Mai bald zum Feiertag ausgerufen wird. Zumindest stark regional begrenzt in Oldenburg. Denn nicht nur waren die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg nach einer total verkorksten Saison im Pokalhalbfinale im Niedersachsenduell gegen den Buxtehuder SV über sich hinausgewachsen, auch die Fußballer des Nachbarklubs VfB Oldenburg sorgten an diesem Tag für Furore. In den Drittliga-Playoffs setzte sich der Meister der Regionalliga Nord zuhause mit 2:0 gegen den BFC Dynamo Berlin durch. Den Niedersachsen winkt nun mit einem ordentlichen Ergebnis im Rückspiel die Rückkehr in den Profifußball nach 25-jähriger Abwesenheit. Wenn das kein Grund zum Feiern ist.


Mangelnde Kreativität

Im Vorjahr hatten die Organisatoren bei der Vergabe des Wlan-Passworts für die Pressevertreter noch ihren Ärger über coronabedingt leere Tribünen kundgetan. „We Hate Corona“, hieß es damals. Und so hieß es auch in diesem Jahr. Ganz unrecht haben die Final-Four-Macher ja nicht, schließlich ist die Pandemie noch immer nicht vorbei, auch wenn bei dieser Edition des Turniers wieder Fans zugelassen waren. Doch wer weiß, vielleicht mangelte es den fleißigen Orga-Leuten auch einfach an Kreativität?

 
 
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