OB-Wahl in Bietigheim-Bissingen Günther Kirchknopf zieht zurück

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Ex-OB-Kandidat Günther Kirchknopf. Foto: Martin Kalb

Da er nur Außenseiter-Chancen gehabt hätte und die Zeit lieber mit seiner Familien verbringe, entschied er sich zu dem Schritt.

Kurz vor der Sitzung des Wahlausschusses am Donnerstagnachmittag hat der dritte OB-Kandidat Günther Kirchknopf sich aus dem Rennen um den Chefsessel im Bietigheimer Rathaus zurückgezogen. „Ich war gerade bei Herrn Kölz und habe ihm persönlich erklärt, dass ich mich zurückziehe“, erklärte Kirchknopf im Gespräch mit der BZ am Donnerstagnachmittag. Als Gründe nennt er, ohnehin lediglich Außenseiter-Chance zu haben und daher die Zeit lieber mit seiner Familie zu verbringen.

„Ich war mit meiner Familie zusammen und dann kam meiner kleiner Enkel auf mich zugerannt. Da wurde mir klar, dass ich dafür künftig weniger Zeit hätte. Mein Enkel ist mir wichtiger als der OB-Wahlkampf“, so Kirchknopf. Er verstehe, wenn nun Leute sagten, dass er sich das Ganze auch hätte vorher überlegen können: „Den Schuh muss ich mir anziehen.“ Er hoffe dennoch, durch seinen frühen Rückzug der Stadt möglichst wenig Schaden zugefügt zu haben. Sollte er dennoch gewählt werden, will er die Wahl nicht annehmen.

Kurz vor Bewerbungsschluss am Montag hatte Kirchknopf seine Bewerbung abgegeben. Kirchknopf ist ein bislang kommunalpolitisch unbeschriebenes Blatt. Der Inhaber einer Medizintechnik-Firma in Ludwigsburg ist Jahrgang 1953, stammt aus Kornwestheim und wohnt seit zehn Jahren in der Bietigheimer Altstadt. Im BZ-Gespräch erzählt er, dass er geschieden ist und einen Sohn sowie ein Enkelkind hat. Seit 1995 betreibt er die Medizintechnik-Firma und ist in seiner Freizeit ein leidenschaftlicher Hobby-Läufer beim Team Blau. Er hat schon einige Marathons bewältigt.

Aktion für Altstadt-Bewohner

„Viele Menschen sind unzufrieden mit den etablierten Parteien. Das fängt im Großen an bei der Weltpolitik und zieht sich bis runter auf die kommunale Ebene“, sagte der 66-Jährige zu seiner Motivation, sich als OB-Kandidat zu bewerben. Er sei in keiner Partei Mitglied und sah das als Vorteil an, weil er sich keiner Parteirichtung fügen müsse. Nun erklärte er, dass er ohne Unterstützung einer Partei eben auch nur Außenseiter sei. Die Unzufriedenheit im Lokalen hat Kirchknopf 2018 selbst gespürt, als er eine Unterschriftenaktion der Altstadt-Bewohner initiierte und nach eigenen Angaben fast 180 Unterstützer für die Forderungen nach besseren Parkmöglichkeiten für die Anwohner auf seiner Seite hatte. Bei der Aktion forderte Kirchknopf auch ein Vorgehen gegen Lärmbelästigung, Trinkgelage und das Überschreiten der Schrittgeschwindigkeit in der Altstadt Bietigheims.

Ein weiterer Motivationspunkt für Kirchknopf war die Tatsache, dass Jürgen Kessing vor acht Jahren ohne Gegenkandidat und bei einer Wahlbeteiligung von 24,5 Prozent wiedergewählt wurde. Das habe totalitäre Züge, meinte Kirchknopf. Es sei immer gut, eine Wahl zu haben, in einer Demokratie gehöre das dazu. Die Demokratie stärken wollte der 66-Jährige auch, falls er gewählt wird. Dafür, die widerstreitenden Interessen von Anwohnern und Gastwirten in Einklang zu bringen, hatte er auch kein Patentrezept. Es wäre auch vermessen zu behaupten, eine Lösung für das Problem zu haben, das Kessing in zwei Amtsperioden nicht habe lösen können, sagte er. Kirchknopf wollte deshalb auf Bürgernähe setzten, er wolle mit den Menschen vor Ort sprechen und gemeinsam Lösungen finden, so der ehemalige Kandidat im BZ-Gespräch nach der Einreichung seiner Bewerbung.

 

 
 
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