Paco Barthe von der SG BBM im BZ-Interview Nach OP und Corona heiß auf Rückkehr

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Zurück in der Handball-Hochburg Bietigheim: Paco Barthe spielt in den nächsten zwei Jahren wieder für die SG BBM. ⇥ Foto: Helmut Pangerl

Paco Barthe will bei der SG BBM nach achtmonatiger Zwangspause wieder angreifen. Im Interview spricht er über den Kampf zurück nach seiner Schulterverletzung und die Corona-Zeit in Frankreich.

Die zweijährige Auslandsmission beim spanischen Topverein Bidasoa Irun ist vorbei, seit Juni ist Paco Barthe zurück in Bietigheim. Ab der neuen Zweitliga-Saison trägt der Rückraumspieler wieder das Trikot der SG BBM. Im BZ-Interview äußert sich Barthe über die Rückkehr zu seinem Ex-Klub, das anstehende Comeback nach einer Schulteroperation und den Corona-Lockout, den er im französischen Grenzort Hendaye erlebt hat.

Blutet einem als Handballer nicht das Herz, wenn man sieht, dass im Fußball und Basketball trotz der Corona-Pandemie weitergespielt wurde und wird, während die eigene Sportart sich frühzeitig auf einen Saisonabbruch festgelegt hat?

Paco Barthe: Es ist schon schade, dass wir so eine lange Pause einlegen mussten, während die Fußballer und Basketballer mit ihren Konzepten weitermachen durften. Aber auch wenn das jetzt komisch klingt: Alle verletzten Spieler haben letztlich vom Lockdown profitiert. Anfang Januar wurde ich in Barcelona an der linken Schulter operiert. So hatte ich die Zeit, mich von meiner Verletzung zu erholen. Die anderen Handballer haben in den vergangenen Monaten ja auch nicht spielen können. Darum habe ich wenig versäumt. Und da die Liga auch später wieder anfängt als sonst, habe ich noch zusätzlich Zeit gewonnen, um mich auf die neue Saison vorzubereiten.

Sie haben in der französischen Grenzstadt Hendaye gelebt. Die Reha nach der Operation fand aber bei Ihrem spanischen Klub in Irun statt. Konnten Sie dort nach den Grenzschließungen in Europa überhaupt noch behandelt werden?

Das waren erschwerte Bedingungen. Ich konnte nicht mehr jeden Tag zu unserem Physio bei meinem Verein in Spanien. Dennoch ging die Reha weiter. Bei Notfällen gab es Ausnahmen. Obwohl bei mir eigentlich kein überlebenswichtiger Notfall vorlag, durfte auch ich für meine Behandlung ein- und ausreisen. Dabei musste ich allerdings jedes Mal eine Bescheinigung und meinen Ausweis vorzeigen. An der Grenze wurde streng kontrolliert.

Wie haben Sie die Corona-Krise im französischen Baskenland erlebt?

Bei uns war der Lockdown härter als zum Beispiel in Deutschland. Wir haben quasi in ständiger Quarantäne gelebt und uns wie eingesperrt gefühlt. Das Haus oder die Wohnung durfte man nur innerhalb eines Radius von einem Kilometer verlassen. Man musste immer ein Papier mit Datum, Uhrzeit und Grund ausfüllen, wenn man raus wollte, etwa auch zum Einkaufen. Soziale Kontakte waren untersagt. Ich hatte aber noch Glück. Da ich ja zum Physio nach Spanien musste, war ich zumindest ab und zu unterwegs. Außerdem hatte ich ein Haus mit einem Garten. Es gab viele Leute, für die die Situation viel schlimmer war.

Was haben Sie während der zweimonatigen Ausgangssperre daheim die ganze Zeit gemacht?

Etwas Sport habe ich schon treiben können: um den Block joggen oder Reha-Übungen im Garten. Sonst habe ich Sachen getan, die ich normal nicht mache und für die ich normal keine Zeit habe, zum Beispiel Lasagne kochen. Kurz bevor der Lockdown angekündigt wurde, habe ich mir noch schnell eine Playstation gekauft – davor habe ich noch nie Video­spiele gespielt. Das war dann schon witzig, gerade wenn du mit Kumpels online zockst. Und den Umzug nach Deutschland habe ich natürlich auch vorbereitet.

Seit Anfang Juni sind Sie wieder in Bietigheim. Was macht der Genesungsprozess?

Es sieht gut aus. Zwei- bis dreimal in der Woche bin ich beim Physio und bei der Krankengymnastik. Neben der Reha gehe ich noch in den Kraftraum in der Viadukthalle und Joggen. Ich bin also gut ausgelastet. Wenn wir im August wieder mit Handball anfangen, werde ich mit Vollgas dabei sein können.

Von 0 auf 100 wird aber wohl nicht möglich sein, oder?

Es wird für uns alle einen leichteren Anfang geben, weil die Spieler fünf Monate handballerisch nichts gemacht haben – in meinem Fall sind es sogar acht Monate. Abgesehen von meiner Schulter ist es auch für die anderen Gelenke gut, wenn wir langsam wieder in den normalen Trainingsbetrieb rutschen.

Von 2018 bis 2020 haben Sie mit Irun in Spaniens Topliga Asobal und eine Saison auch in der Champions League gespielt. Welche Erfahrungen haben Sie da mitgenommen?

Es war eine tolle Zeit. In der Champions League zu spielen und dafür durch ganz Europa zu reisen, ist für jeden Spieler ein Traum. Als ich damals im Kreta-Urlaub erfahren habe, dass wir mit Irun eine Wildcard erhalten, sind mir fast die Tränen gekommen. Aber auch der zweite Platz in der spanischen Liga in meinem ersten Jahr wird mir in Erinnerung bleiben. Da konnten wir sogar den großen FC Barcelona etwas ärgern – auch wenn wir gegen ihn nie gewonnen haben. Außerdem habe ich in Spanien ein neues Spielsystem und einen ganz anderen Handball kennengelernt.

Inwiefern unterscheidet sich der Handball in Spanien von dem in Deutschland?

In Spanien spielt das Taktische eine größere Rolle. Bei unserer Mannschaft in Irun war alles vorgeplant. Wir wussten genau, welchen Spielzug wir spielen sollten, wenn der erste nicht geklappt hat. Viermal in der Woche hatten wir Videoanalysen. Statistiken, auch von jedem Spieler, wurden detailliert ausgewertet – so wie man es zum Beispiel aus dem Football in den USA kennt. Wir haben immer einen sehr sicheren, ich würde fast sagen „älteren“ Handball gespielt. Eine zweite Welle oder eine schnelle Mitte wurden kaum praktiziert – anders als hier in der Bundesliga, wo es oft schnell hin und her geht. Der Handball in Spanien ist viel langsamer.

Was liegt Ihnen mehr?

In Deutschland fühle ich mich eher als richtiger Handballer. Ich liebe das schnelle Spiel von einer Seite auf die andere und das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff. Da habe ich meine Stärken. Das ist auch die Spielweise der SG BBM. Ich glaube, ich habe auf dem Feld hier mehr Spaß als in Spanien. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nach Bietigheim zurückgekehrt bin.

Fällt es nicht schwer, sich für die Zweite Bundesliga zu motivieren, wenn man mal Champions League gespielt hat?

Nein, hier bei der SG BBM gar nicht. Vielleicht wäre das so, wenn ich zu einem anderen deutschen Verein gewechselt wäre – und vielleicht hätte ich mich dann auch gar nicht für einen Wechsel entschieden. Ich kenne Bietigheim und die Leute hier. Mit den meisten Spielern habe ich bereits zusammengespielt. Die Zweite Liga ist sehr gut, schnell und körperlich stark. Da spielen viele gute Spieler. Um die Motivation braucht man sich keine Sorgen machen. Ich bin nicht hergekommen, um hier nur ein bisschen mitzumachen.

Was haben Sie sich persönlich für die Saison 2020/21 vorgenommen?

Ich erwartete von mir nach der Verletzung und dem Wechsel einen weiteren Schub. Wir haben viele junge Spieler im Team. Ich gehöre mittlerweile zu den erfahreneren Handballern und würde gern Verantwortung übernehmen – gemeinsam mit den anderen Führungsspielern, die schon länger bei der SG sind.

Und wie ist es um Ihre Aufstiegsambitionen bestellt?

Ich habe schon die Idee im Kopf mit der SG BBM irgendwann wieder in der Ersten Bundesliga zu spielen. Als wir damals oben waren, habe ich leider die ganze Saison wegen einer Verletzung verpasst. Die Erste Liga in Deutschland ist mit das Größte, was man sich vorstellen kann. Wir brauchen uns in der Zweiten Liga nicht zu verstecken und wollen wieder oben angreifen.

Ihre Freundin Fie Woller hat bei den SG-Frauen keinen neuen Vertrag mehr erhalten und wechselt nun zum französischen Klub Bourg de Péage. Ein schlechtes Timing?

Wenn wir zusammen in der gleichen Stadt gespielt hätten, wäre das ein super Bonus für uns gewesen. Aber im Profisport ist es eben so, dass man mal hier und mal dort spielt. Ich habe nicht in Bietigheim unterschrieben mit dem Hintergrund, dass Fie bleibt. Wenn sie künftig woanders spielt, ist das schade, aber kein Drama.

Hatten Sie als ihr Freund Einfluss auf die Entscheidung?

Wir tauschen uns natürlich aus, und sie fragt nach meiner Meinung, aber im Endeffekt entscheidet sie. Sie hat selbst die größere Laufbahn und weiß, was sie machen muss, was sie braucht und was am besten passt – auch im Hinblick auf ihre Karriere in der dänischen Nationalmannschaft.

 
 
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