Pokalsieger Bietigheim empfängt Meister BVB Mehr Spitzenspiel geht nicht

Von Sebastian Klaus
Im Spitzenspiel muss die Freundschaft zwischen Dortmunds Amelie Berger (links), Bietigheims Julia Maidhof und BVB-Kapitänin Alina Grijseels ruhen. ⇥ Foto: Marco Wolf via www.imago-images.de

Am Sonntag treffen in der Stuttgarter Scharrena mit Bietigheim und Dortmund die beiden besten Teams des Landes aufeinander.

Was im Männerhandball das ewig packende Duell THW Kiel gegen die SG Flensburg-Handewitt ist, ist in der Bundesliga der Frauen seit einigen Jahren der Showdown zwischen der SG BBM Bietigheim und Borussia Dortmund. Am Sonntag (16.30 Uhr) kommt es in der  Stuttgarter Scharrena erneut zum Aufeinandertreffen des Pokalsiegers mit dem Deutschen Meister. Keine anderen Klubs in Deutschland verfügen über so viele Stars wie diese beiden Vereine. Doch welche weiteren Faktoren die Partie noch zu einem Highlight im Handballkalender machen dürften, hat die BZ einmal zusammengetragen.

Die Ausgangslage

Wie schon in den Vorjahren wird es auch in dieser Saison einen Zweikampf um die Meisterschaft geben. Beide Teams haben noch immer keinen Punkt abgegeben. Während die SG BBM nach dem Sieg gegen Buxtehude 18:0 Punkte aufweist, steht der BVB bei 16:0 Punkten. Der Grund: Das Duell der Borussinnen gegen Blomberg-Lippe wurde aufgrund eines Coronafalls im Team der HSG abgesagt. Bietigheim dürfte dementsprechend eingespielter sein, Dortmund dagegen frischer.

 

Die Vorgeschichte

In der letzten Saison hatten die Borussinnen offenbar noch der aufgrund von Corona abgebrochenen Meisterschaft 2019/20 nachgetrauert. Damals hatte der BVB beim Abbruch einen Punkt Vorsprung vor Bietigheim. Doch während bei den Männern der damals im Tableau führende THW Kiel zum Meister gekürt wurde, entschied sich die HBF dafür, die Saison zu annullieren. Schließlich hätte Dortmund wenige Wochen nach dem Abbruch noch in Bietigheim antreten müssen. Keine Diskussionen gab es dann in der vergangenen Spielzeit, als der BVB mit einer unglaublichen Bilanz von 60:0 Punkten zur Meisterschaft spazierte und dabei auch das mit sieben Punkten weniger abgeschlagene Bietigheim distanzierte. Vor allem an das Hinspiel in Ludwigsburg wird man sich bei der SG nicht gerne zurückerinnern, als die Fuhr-Sieben die Gastgeberinnen mit 28:22 in die Schranken wies. Wesentlich besser präsentierte sich das Team von Markus Gaugisch dann im Rückspiel. Trotz eines Mini-Kaders hielt die SG BBM die Partie in Dortmund lange offen und musste sich am Ende nach hartem Kampf nur hauchdünn mit 28:30 geschlagen geben. 

 

Die Generalprobe

Endgültig überwunden war das Bietigheimer Dortmund-Trauma dann Ende August, als die SG BBM unmittelbar vor dem Saisonstart dem BVB im Supercup keine Chance ließ. Dank einer famosen zweiten Halbzeit deklassierte der Pokalsieger den Meister, der wohl auch aufgrund eines geschrumpften Etats gleich elf Abgänge zu verkraften hatte,   mit sage und schreibe 31:21. Ausgerechnet die Ex-Borussinnen Kelly Dulfer (acht Tore) und Inger Smits (fünf Treffer), die den BVB im Sommer im Unfrieden in Richtung Bietigheim verlassen hatten, trumpften gegen ihren ehemaligen Klub groß auf.

Die alten Bekannten

Während die niederländischen Superstars Dulfer und Smits inzwischen im Bietigheimer Trikot überzeugen, trat Rechtsaußen Amelie Berger im Sommer den umgekehrten Weg in den Ruhrpott an. Dort haben sich die Einsatzzeiten der 22-jährigen Nationalspielerin, die sich in Bietigheim mit Trine Østergaard immer wieder abwechseln musste, deutlich gesteigert. Und Berger zahlt das Vertrauen ihres Trainers André Fuhr, der sie zuvor schon als Coach der deutschen U20 betreut hatte und der einst vergeblich versucht hatte, Berger zu seinem Ex-Klub HSG Blomberg-Lippe zu lotsen, mit Leistung zurück. Mit 38 Toren ist sie bisher hinter Kapitänin Alina Grijseels die zweitbeste Schützin ihres Teams. Nur bei der WM lief es zuletzt gar nicht gut für die 22-Jährige, die in den entscheidenden Spielen zahlreiche Hochkaräter liegenließ. Neben Berger steht mit Laura van der Heijden noch eine weitere Akteurin mit Bietigheimer Vergangenheit im Kader der Borussia. Die niederländische Rückraum-Shooterin spielte von 2018 bis 2020 für die SG und holte mit dem Klub 2019 die Meisterschaft.


Der Star

Ganz klar: Alina Grijseels ist die Denkerin und Lenkerin im Spiel des BVB. Seit mehr als sieben Jahren spielt die heute 25-Jährige bereits in Dortmund. In ihrer Premierensaison stieg die Regisseurin mit ihrem Klub in die Bundesliga auf. Bei der überraschend deutlichen Hinspielniederlage der SG BBM in Ludwigsburg letzte Saison überragte die Spielmacherin mit sieben Toren und zahlreichen bombastischen Anspielen auf Kreisläuferin Merel Freriks. Auch damals waren vor dem Spitzenspiel beide Teams noch ungeschlagen. Beim umkämpften Sieg der Fuhr-Sieben im Rückspiel war Grijseels mit sechs Toren hinter der heutigen Bietigheimerin Kelly Dulfer (8) die zweitbeste Schützin ihrer Mannschaft. Seit ihrer Wahl zur Kapitänin der deutschen Auswahl im Juni 2021 und dem fast zeitgleichen Abgang ihrer Mitspielerinnnen Dulfer und Inger Smits nach Bietigheim scheint Grijseels sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein noch einmal einen Sprung gemacht zu haben. Bei der WM war die Spielmacherin die überragende Akteurin im Team von Henk Groener, und mit 39 Toren ist sie beste Torschützin des BVB.

 

Der Meistermacher

Wohl auch um allen Spekulationen um eine mögliche Nachfolge von Bundestrainer Henk Groener den Wind aus den Segeln zu nehmen, verlängerte Dortmunds Meistertrainer André Fuhr vor zehn Tagen seinen Vertrag in Dortmund langfristig um drei Jahre bis zum 30. Juni 2025. Fuhr hatte den BVB im Sommer 2019 übernommen, sein Vertrag wäre Ende Juni 2022 ausgelaufen. Unter der Führung des 50-Jährigen planen die Klub-Macher, langfristig ins Final Four der Champions League einzuziehen.

 
 
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