Projekt der offenen Jugendarbeit macht Elf- bis 16-Jährige stark Mädchen lernen sich zu verteidigen

Von Susanne Yvette Walter
Seit 1995 ist die Erligheimerin Uschi Daub als selbstständiger Couch tätig. Jetzt hat sich 15 Mädchen im Bönnigheimer Jugendhaus gezeigt, wie man sich gegen Angreifer behaupten kann.⇥ Foto: Susanne Yvette Walter

In einem Projekt der offenen Jugendarbeit üben 15 Elf- bis Sechszehnjährige mit Referentin und Coach Uschi Daub aus Erligheim.

Julia Krämer, zuständig für die offene Jugendarbeit in Bönnigheim und pädagogische Leiterin des Jugendhauses, wartet auf dem Parkplatz vor dem Stadionschen Schloss in Bönnigheim auf die Frau, die eine Gruppe von Mädchen in ihrem Auftreten stark machen will gegen potenzielle Angreifer und Provokateure: Uschi Daub aus Erligheim ist selbsständige Referentin und kann über einen Katalog gebucht werden, der von der Kreisjugendpflege herausgegeben wird.

Julia Krämer wählt dort gerne aus zwischen Themen wie Suchtprävention, Nachhaltigkeit und Selbstbehauptung und lädt Referenten ins Jugendhaus ein. Mit der Bönnigheimer Schulsozialarbeiterin Lea Mickler verbindet Uschi Daub eine lange Zusammenarbeit. In den zwei Jahren, in denen Julia Krämer das Bönnigheimer Jugendhaus leitet, hatte sie coronabedingt kaum Handlungsspielraum. „Die Anmeldung zum Selbstbehauptungskurs lief über die Schulsozialarbeit. Bei Lea Mickler meldeten sich 15 Mädchen zwischen elf und 16 Jahren an zum Kurs im Bönnigheimer Jugendhaus“, erzählt sie.

Uschi Daub ist hauptberuflich Coach seit 1995: „Was wir hier machen, kommt aus der feministischen Selbstverteidigung. Da ging es los mit speziellen außerschulischen Angeboten für Mädchen.“ Sie zeigt gleich, worauf es ankommt, nämlich auf das gekonnte Abwehren. Daub: „Was mache ich, wenn ich vor jemandem Angst habe? Ich bin alleine unterwegs und werde angesprochen oder mir läuft jemand hinterher. Wir üben geziel,t zu schlagen und zu treten.“

Die Trainerin hat Matten mitgebracht, damit kein Mädchen gegen die Wand treten muss. Sie macht es vor. „Es sind Trainings für den Ernstfall, den die Teilnehmer fast nie erleben“; so Daub.  Sie weiß auch, dass „Angst vom Elternhaus gefördert wird durch Sätze wie ,Gehe mit niemandem mit’ oder ,Lass dich nicht ansprechen’.“ Auch Filme, die Mädchen sehen, schürten Angst. Die Frage: „Was mache ich, damit der Angreifer aufhört und ich keinen Ärger bekomme“ sei zentral.

Was ist selbstbewusst und stark?

Was ist erlaubt als angemessene Reaktion? Was ist selbstbewusst und stark? Bei Uschi Daub lernen Mädchen auch, was Notwehr ist: „Wenn ich sage ,Lass es’ oder ,hör auf’ komme ich rüber wie ein Weichei. Wer zurück beleidigt oder gar die Faust ballt, riskiert, dass der Streit eskaliert.“ Sie zeigt Körperhaltungen, die Abwehr suggerieren und besteht darauf, dass die Mädchen die Hände vorne behalten und nicht etwa den „Hals recken wie ein Huhn, um größer zu wirken und die Hände vergessen, mitzunehmen““.

In nur zwei Stunden Workshop will Uschi Daub effektvoll eine Verteidigung aufbauen und die Bönnigheimer Mädchen lassen sich darauf ein. Sie lernen, dass Weitergehen und Linksliegen lassen wichtige Abwehrmechanismen sind. Sie erfahren, dass sie einen stabilen Stand brauchen, um die Techniken aus dem Judo oder Aikido anwenden zu können.

Als spezielles Accessoire für die Jackentasche empfiehlt Daub den Taschenalarm. Bei 140 Dezibel gibt er den lautesten Ton von sich. Janina Schuber und Charlotte Vogel vom Alfred-Amann-Gymnasium sind begeistert: „Der Taschenalarm ist cool. Wir sind da, um Techniken zu lernen, dass wir reagieren können“, erklärt Charlotte Vogel.

 
 
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