Reichen 1000 Fans? Das sagen die Steelers und die SG BBM „Ein vernünftiger Anfang“, aber zum Überleben zu wenig

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So voll wie hier wird die EgeTrans-Arena bis auf Weiteres bei den Heimspielen der Bietigheim Steelers zwar nicht sein. Doch immerhin sind ab sofort wieder 1000 Zuschauer erlaubt. Ein Anfang zurück zur Sport-Normalität ist gemacht. Foto: Marco Wolf

Die Steelers und die SG BBM begrüßen die Zulassung von bis zu 1000 Fans in der EgeTrans-Arena. Um den Spielbetrieb zu stemmen, brauchen die Klubs aber mehr.

Die am Freitag neu angepasste Corona-Verordnung Sport des Landes Baden-Württemberg bringt etwas mehr Normalität zurück in den Spitzensport. So sind ab sofort in der Bietigheimer EgeTrans-Arena bei Spielen der jeweiligen Profiteams wieder 1000 Zuschauer erlaubt – mit einem adäquaten Hygienekonzept und unter Beachtung der Abstandsregeln. „Das ist ein Anfang und eine Chance, dass wir unseren geliebten Eishockey-Sport wieder zu sehen bekommen. Ich bin mir sicher, dass die Fans mitmachen und sich diszipliniert verhalten werden, damit bald noch weitere Lockerungen möglich sind“, sagt Volker Schoch, Geschäftsführer der Bietigheim Steelers.

Da die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga 2 (DEL2) erst am 6. November beginnt, tangiert die sechswöchige Testphase nur die Vorbereitung der Steelers. Beim Get-Ready-Cup tritt die Mannschaft von Trainer Danny Naud im Oktober gegen den ESV Kaufbeuren, die Ravensburg Towerstars und die Heilbronner Falken an – jeweils zu Hause im Ellental sowie auswärts. Ein viertes Test-Heimspiel versucht Schoch gegenwärtig noch einzutüten (Gegner noch offen).

Über 1000 bestellte Dauerkarten

Der Manager bittet die Fans um Verständnis, dass der Klub für die Vorbereitungspartien aufgrund der außergewöhnlichen Umstände nun generell Eintritt verlangt. Bisher bekamen Dauerkartenbesitzer solche Spiele immer als Bonus. Dieses Jahr werden die Dauerkarten aber erst später ausgegeben. Knapp über 1000 seien bisher schon bestellt, so Schoch. Ein flexibles Online-Ticketsystem, das die Mindestabstände zwischen den Besuchern/Haushalten berücksichtigt, der Verkauf von personalisierten Karten, Maskenpflicht beim Einlass und im Umlauf (nur am Platz darf der Mund- und Nasenschutz abgenommen werden), keine Gästefans, kein Ausschank von Alkohol – all das sind weitere Parameter.

Schoch setzt darauf, dass bis zum Beginn der Hauptrunde oder in einem frühen Stadium der Saison die Kapazitäten noch ausgeweitet werden. Als einen weiteren Zwischenschritt wünscht er sich, 50 Prozent der Sitzplätze (das wären 1500 Plätze) und 20 Prozent der Stehplätze (300) besetzen zu dürfen, was dann immerhin schon eine Kulisse von 1800 Besuchern bedeuten würde. Zum Vergleich: In der Spielzeit 2019/20 verfolgten durchschnittlich 2760 Fans die Bietigheimer Heimspiele. „1000 Zuschauer sind eine Größe, die uns wirtschaftlich nicht weiterhilft. Nur bei einer deutlichen Erhöhung haben die Vereine eine Chance zum Überleben“, sagt Schoch.

SG BBM reduziert Ausgaben

Bereits am 2. Oktober, fünf Wochen vor dem Rundenauftakt beim Eishockey, legt die Erste und Zweite Handball-Bundesliga wieder mit dem Spielbetrieb los. Die gegenüber normalen Zeiten geringere Hallenauslastung trifft auch die Zweitliga-Männer der SG BBM Bietigheim finanziell. „Das eine ist, was wir uns wünschen, das andere, was zurzeit möglich ist. Die 1000 Zuschauer sind ein vernünftiger Anfang. Wenn gar keine Fans reindürften, wäre es noch viel schlimmer“, sagt Geschäftsführer Bastian Spahlinger. 2019/20 strömten bis zum Saisonabbruch im Schnitt 2060 Besucher zu den SG-Spielen in die EgeTrans-Arena – also gut das Doppelte des gegenwärtig Erlaubten.

Um die Einnahmeausfälle zumindest ein Stück weit aufzufangen, hat sich die Spielgemeinschaft einen Sparkurs verordnet. Gesenkt wurden insbesondere die Personalkosten – man denke an Weltmeister „Mimi“ Kraus, der das Budget nach der Vertragsauflösung jetzt nicht mehr strapaziert – sowie die Aufwendungen für den Spielbetrieb. Doch dafür kommen durch Corona auch neue Belastungen hinzu. So hat die HBL, in der alle Erst- und Zweitligisten organisiert sind, vereinbart, wöchentlich sowohl die Spieler als auch die Klub-Mitarbeiter auf das Virus zu testen. Auf einen fünfstelligen Betrag taxiert Spahlinger die Kosten dafür.

BGV-Cup als Probelauf

Der Spieltag vor einer Woche im BGV-Cup war für die SG BBM ein Test für den Ernstfall. In drei über den Tag verteilten Begegnungen trafen da in der Ludwigsburger MHP-Arena die sechs baden- württembergischen Profivereine aufeinander. Allerdings waren zu jenem Zeitpunkt nur 468 Zuschauer auf den Rängen erlaubt. „Alles hat reibungslos funktioniert. Es war für alle Beteiligten gut, mal die Abläufe richtig kennenzulernen. Wir sehen uns mit unserem Hygienekonzept gut aufgestellt“, sagt Spahlinger.

Am Montagvormittag gibt es nun gemeinsam mit den Steelers einen Termin beim Bietigheimer Ordnungsamt, um über die Umsetzung der Hygienekonzepte zu beraten und unter den gegebenen Umständen eine möglichst hohe Auslastung der EgeTrans-Arena hinzukriegen. „Die Stadt ist da sehr kooperativ“, berichtet Spahlinger, der die Zweitliga-Heim­premiere der SG BBM am 10. Oktober gegen den TSV Bayer Dormagen kaum noch erwarten kann: „Wir alle lechzen danach, dass es wieder losgeht und hoffen, dass die Pandemielage zukünftig noch mehr Zuschauer zulässt.“

 
 
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