Riesen treffen erneut auf den FC Bayern Riesen wollen weiter eklig sein

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Teyvon Myers ist die Stimmungskanone im Ludwigsburger Team. Am Mittwoch hatte er gegen Bayern nun auch seinen zweiten Turniereinsatz. Hier zieht er an Paul Zipser vorbei. ⇥⇥ Foto: Tilo Wiedensohler

Showdown in München: Ludwigsburg geht mit einem Mini-Vorteil von vier Zählern ins zweite Viertelfinalduell gegen den Titelverteidiger FC Bayern. Von Andreas Eberle

Vier Punkte sind gar nichts. Ein Dreier und ein Korbleger – schon ist das Ding vorbei.“ Jonas Wohlfarth-Bottermann von den MHP Riesen Ludwigsburg lässt sich von dem 87:83-Erfolg am späten Mittwochabend im ersten Viertelfinalduell gegen Favorit Bayern München nicht blenden. An diesem Freitag (16.30 Uhr/live auf Magenta Sport) fällt die Entscheidung, welcher der beiden Klubs beim Abschlussturnier ins Halbfinale einzieht. Mit dem Vier-Punkte-Vorsprung haben sich die Riesen ein kleines Polster erkämpft, mehr aber auch nicht. Nach wie vor gilt als völlig offen, wer die Best-of-Two-Serie für sich entscheidet. „Es war erst die erste Halbzeit“ verkündeten Riesen-Coach John Patrick und sein Bayern-Kollege Oliver Kostic unisono nach Spiel eins.

Riesen psychologisch im Vorteil

Einen psychologischen Vorteil haben gleichwohl die Korbjäger aus der Barockstadt. Die Riesen haben nach dem 81:74-Heimtriumph am 19. Januar in der regulären Runde nun bereits ein zweites Mal den großen FCB bezwungen – diesmal sogar in dessen gefürchteten Audi-Dome, der ohne Publikum für die gegnerischen Teams längst seinen Schrecken verloren hat. Die Münchner sind angezählt. Die Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel war bereits die dritte Pleite im Turnierverlauf, auch wenn Fachleute der Mannschaft um Nationalspieler Danilo Barthel einen Aufwärtstrend attestieren. „Ich habe gesehen, dass mehr Energie von der Bank kommt“, stellte etwa der aus Dallas zugeschaltete Maxi Kleber bereits in der Pause bei Magenta Sport fest. Der NBA-Star trug von 2015 bis 2017 selbst mal das rote Bayern-Trikot.

In puncto Energie sind bisher allerdings die schwäbischen Riesen das Maß der Dinge – und die kommt nicht zuletzt von der Bank. Kein anderes Team ist so laut und engagiert bei der Sache wie Ludwigsburg. Die Mannschaft harmoniert prächtig und bildet auf und neben dem Feld eine verschworene Gemeinschaft. „Mir macht das Spaß. Es ist schön, so eine Atmosphäre zu kreieren. Ich kenne das auch anders. Man spielt dann auch gerne hart, wenn man den Support untereinander hat. Das hilft ungemein“, sagt Wohlfarth-Bottermann.

Als Einpeitscher und Stimmungsrakete tut sich bei dem Titel-Wettstreit an der Isar vor allem Teyvon Myers hervor. „Er ist ein lustiger Typ und spezieller Charakter, aber im positiven Sinne. Er könnte auch gut einen Stand-up-Comedy-Channel machen – den würde ich auf jeden Fall angucken und weiterempfehlen“, sagt Mitspieler „WoBo“ mit einem Schmunzeln über den aus Gießen geholten Guard.

Myers auch sportlich wertvoll

Myers ist aber nicht nur als Animateur eine Klasse für sich, sondern bringt auch sportliche Impulse und viel Energie von der Bank aufs Spielfeld. Bei seinem zweiten Einsatz im Riesen-Dress – schon zum Auftakt hatte er gegen Vechta gut 18 Minuten mitmischen dürfen – zeigte sich der 25-jährige US-Amerikaner in Topform. Er versenkte gegen die Bayern alle drei Würfe und fiel gerade im Eins-gegen-Eins positiv auf. Patrick hat mit der Nachverpflichtung wieder mal sein gutes Händchen bewiesen. Myers passt nahezu perfekt ins Ludwigsburger System, das auf Pressing, Aggressivität, Intensität, Schnelligkeit und Athletik beruht.

Dem Meister haben die Riesen mit diesem Stil am Mittwoch den Schneid abgekauft. „Das Spiel war nicht immer schön. Wir haben eine super Moral gezeigt. Das war ein Arbeitssieg“, resümierte Patrick und hob einen Akteur hervor: „Hans Brase hat sein bestes Saisonspiel gemacht.“ Mit 18 Punkten war der 2,05 Meter große Flügelspieler Ludwigsburgs Topscorer und stellte so nebenbei einen Karriere-Bestwert auf. Doch auch Brase weiß, dass noch nichts gewonnen ist: „Jetzt ist erst Halbzeit. Wir müssen weiter so aggressiv und eklig spielen und ein hohes Tempo gehen.“

Physio ist der „wichtigste Mann“

Als Schlüsselfigur im Aufgebot hat Patrick freilich einen Mann auserkoren, der bisher noch gar keine Sekunde auf dem Parkett war – und sich dafür primär um die Regeneration der Profis kümmert: Jan Braun: „Unser Physio ist unser wichtigster Mann jetzt“, stellt der Trainer launig fest.

Zahlenspiele zum Viertelfinale der MHP Riesen gegen Bayern München

18 Punkte bedeuten einen Karriere-Bestwert: Hans Brase von den MHP Riesen machte im Hinspiel gegen München nicht nur ein sehr gutes, sondern sein bis dato bestes Spiel als Profi. Neben 18 Zählern markierte der 26-Jährige 6 Rebounds und 2 Blocks – und war mit plus 24 der mit Abstand effektivste Spieler auf dem Parkett.

11 Rebounds bedeuten ebenfalls einen Superlativ: Marcos Knight schaffte gegen den FC Bayern am Mittwoch ein Double-Double (17 Punkte, 11 Rebounds). Dieses Kunststück gelang ihm schon einmal, damals im Trikot von Jena. Gegen Tübingen markierte er 18 Zähler und 10 Rebounds.

4 Mal legten die Riesen im Verlauf des Finalturniers in der zweiten Hälfte die sprichwörtliche Schippe drauf. Gegen die Bayern markierten die Schwaben nach dem Seitenwechsel stolze 51 Zähler. ⇥bz

 
 
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