Rückblick auf den Bufdi-Einsatz Ein Jahr mit wertvollen Erfahrungen

Von Michaela Glemser
Anna Lindauer (links) und Selin Koller absolvierten ihren Bundesfreiwilligendienst in der Gemeinschaftsschule Foto: /. Foto: Martin Kalb

Selin Koller und Anna Lindauer unterstützen das Lehrerkollegium an der Gemeinschaftsschule Sachsenheim.

Schon in der Grundschule hat Selin Koller aus Löchgau zu ihrer Lehrerin gesagt: „So eine Lehrerin wie Sie möchte ich auch einmal werden.“ Inzwischen ist die 20-Jährige ihrem Traumberuf nähergekommen und hat viele Pädagogen kennengelernt, die ihr wie ihre Grundschullehrerin als Vorbilder dienen. „Das zurückliegende Schuljahr im Bundesfreiwilligendienst an der Gemeinschaftsschule Sachsenheim hat mir so enorm viel gebracht. Ich bin mir jetzt ganz sicher, dass ich Lehrerin an der Grundschule werden will“, betont Koller.

Viele Aufgaben übernommen

Auch Anna Lindauer aus Illingen hat vor diesem Schuljahr überlegt, nach dem Abitur eine Lehrerinnenlaufbahn einzuschlagen. „Ich habe allerdings im Laufe der vergangenen Monate gemerkt, dass dieser Beruf doch nicht der richtige für mich ist. Die Schülerinnen und Schüler erfordern große Aufmerksamkeit. Ihre Probleme, Sorgen und Nöte sowie der Schulalltag waren immer in meinem Kopf. Ich konnte nie richtig abschalten“, sagt Lindauer, die jetzt eine Ausbildung im Verwaltungsdienst bei der Stadt Bietigheim-Bissingen beginnen möchte.

Die beiden jungen Frauen haben das Lehrerkollegium der Gemeinschaftsschule in diesem Jahr bei ganz vielfältigen Aufgaben unterstützt. „Zu Beginn habe ich die Einschulung mit vorbereitet und den Kindern beim Ankommen in der Schule geholfen. Es ist toll zu sehen, welche große Entwicklung die Erstklässler im Laufe dieses Jahres gemacht haben“, macht Koller deutlich. Die beiden „Bufdis“ waren von der ersten bis zu zehnten Klasse im Einsatz. Sie sind eingesprungen, wenn eine Lehrkraft krank wurde, waren auf Schulausflügen dabei, haben eine kreative AG angeboten oder die Mittagsbetreuung übernommen. Vor allem um die Förderung der Kinder mit einer Lernschwäche haben sich die beiden jungen Frauen gekümmert und sich für diese Schüler ausführlich Zeit genommen. Meist waren sie an fünf Tagen in der Schulwoche jeweils von 7.30 bis 15.30 Uhr im Einsatz. Natürlich kamen in dieser Zeit auch viele Kinder und Jugendliche mit ihren Problemen zu den beiden „Bufdis“.

„In der Grundschule sind es meist Streitereien untereinander, die wir aber in Ruhe mit den Beteiligten klären konnten. In den höheren Klassenstufen sind die Probleme andere, beispielsweise filmen sich Schülerinnen und Schüler gegenseitig heimlich mit dem Handy. Aber dabei greift die Schulleitung rigoros durch“, erzählt Lindauer. Für ihre Kollegin Koller war es manchmal schwierig, die Probleme einzelner Kinder „auszublenden“ und ihnen immer wieder unbefangen zu begegnen. „Einzelne Situationen gehen einem manchmal schon sehr zu Herzen“, sagt Koller.

Selbstsicherheit gelernt

Die Löchgauerin hat im Laufe des Schuljahrs gelernt, selbstsicher vor eine Klasse zu treten. „Ich habe mir von den Lehrerinnen und Lehrern vieles abgeschaut, was ich später in meinem Unterricht selbst anwenden möchte. Ich konnte einzelne Ideen austesten und schauen, wie diese bei den Kindern und Jugendlichen ankommen. Am liebsten würde ich einfach an der Gemeinschaftsschule bleiben und so weitermachen wie bisher“, schwärmt Koller.

Nach Ablauf ihres „Bufdi-Jahres“ wird die Löchgauerin weiterhin das Lehrerteam der Gemeinschaftsschule beim Projekt „Lernbrücken-Lernen mit Rückenwind“ unterstützen. „Auch wenn ich mich jetzt entschieden habe, den Lehrerberuf nicht zu ergreifen, war diese Erfahrung dennoch enorm wertvoll für mich“, ergänzt Lindauer.

 
 
- Anzeige -