Rückblick auf die 50-jährige Vergangenheit des Markgröninger Geschichtsvereins „Denkmal-Lobby“ schützt seit 50 Jahren die Altstadt

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Ein historischer Blick: Buntes Treiben auf dem Marktplatz in Markgröningen während des Schäferlaufs. Eine aquarellierte Bleistiftzeichnung aus dem Jahre 1856.⇥ Foto: Carl Heeß, Quelle: Sammlung Zechmeister

In seiner aktuellen Veröffentlichung berichtet der Arbeitskreis Geschichtsforschung auch über die eigenen Vergangenheit.

Ein Stadtmuseum wollte der Verein einrichten, die 1200-Jahr-Feier vorbereiten, die Stadtgeschichte bekannter machen und einen sensibleren Umgang mit der historischen Bausubstanz erreichen. So lauteten die  ehrgeizigen Ziele des Arbeitskreises Geschichtsforschung und Denkmalpflege Markgröningen e. V. (AGD) bei seiner Gründung 1969, wie Peter Fendrich und Günther Mertz im jetzt erschienenen Band 11 der Buchreihe „Durch die Stadtbrille“ schreiben.

Der damalige Schäferlaufsprecher und CDU-Stadtrat Erich Tomschik hatte die Gründung des Vereins angeregt. Neben Bürgermeister Emil Steng kamen sieben Männer und eine Frau zum ersten Treffen im Januar, die offizielle Gründung erfolgte dann am 27. November 1969. Für Vorstandsmitglied Tomschik stand das Heimatbewusstsein im Vordergrund.

Dass die Denkmalpflege bereits in dieser Zeit zu den Vereinszielen zählte, war „unter den Geschichtsvereinen im Land ein Unikum“, schreiben die Autoren. Das war nötig, weil viele Altstadtgebäude den damaligen Ansprüchen der Nachkriegsgeneration nicht mehr gerecht wurden und durch Parkplätze oder Neubauten ersetzt werden sollten.

Beim Abriss des Spitalareal sei die Stadt kurz vor der Vereinsgründung  mit schlechtem Beispiel vorangegangen und habe eine Klosteranlage fast vollständig zerstört. Angesichts des Zeitgeistes „Weg mit dem alten Glomb!“ wollte die „Denkmal-Lobby“, so Fendrich und Mertz, durch den Verein die Zerstörung der historischen Identität Markgröningens stoppen und eine alternative Perspektive für die Altstadt entwickeln. Nach einigen Rückschlägen und den Abrissen verschiedener Häuser gelang es, Sanierungen einzuleiten und für die 1200-Jahrfeier im Jahr 1979 ein Gestaltungskonzept rund um den Marktplatz zu entwerfen und auch umzusetzen.

Stadtführung und Exkursion

Ausstellungen in der Zehntscheuer, die Einführung der Altstadtsatzung zum Denkmalschutz und die Herausgabe von Veröffentlichung zur Stadtgeschichte in der Reihe „Durch die Stadtbrille“ folgten bereits in den 1980er Jahren. Exkursionen, Stadtführungen und Vorträge, die Erforschung prominenter Gebäude in der Altstadt sowie die Dokumentation der Stadt, unter anderem im Dritten Reich, sollten folgen. Der Verein diskutierte über die Ausrichtung der eigenen Arbeit, überstand Generationenwechsel und politische Dispute über Denkmalschutzprojekte. Er erweiterte seine Führung durch kostümierte Geschichtenerzähler und nahm 2018 erste eigene hochauflösende Erkungen des Untergrunds mithilfe von Georadar-Untersuchungen vor.

Im dem jetzt erschienen elften Band der Reihe „Durch die Stadtbrille“ liefern 19 Autorinnen und Autoren auf 192 Seiten einen Abriss der 50-jährigen Vereinsgeschichte. Aber nicht nur durch das: Mit vielen Bildern illustriert widmet sich der Band im Teil „Geschichtsforschung“ der Belagerung der Festungsstadt Asperg, dem Jubiläum des Frauenwahlrechts und bisher unbekannten Skizzen der Markgröninger Altstadt von 1856. Jüngere Altstadt-Skizzen, eine Lohntabelle von 1797, Einblicke in das Leben einer Spitalmagd und ein Interview mit einem Holocaust-Überlebenden finden sich in der Rubrik „Geschichten“.

Neun Beiträge

Die Rubrik „Denkmalpflege“ umfasst neun Beiträge: Berichte über archäologische Grabungen an der Vaihinger Steige, die Georadar-Untersuchungen in der Altstadt, die bauhistorische Untersuchung der Bartholomäuskirche, die Sanierung des Unteren Schafhauses und die Suche nach Grenzsteinen im Rotenacker Wald.

Eine Bilanz in Sachen Denkmalschutz zog der AGD im Rahmen der Ausstellung „Unsere Altstadt: Verluste, Erfolge, Chancen” im Oberen Tor, deren Inhalte in der „Stadtbrille“ wiedergegeben werden.

Am Ende wird der Internetauftritt des AGD vorgestellt, „der mit weit über 5000 digitalisierten Fotos und fast 900 000 Seitenaufrufen in der Welt der Geschichtsvereine sicher einmalig ist“, sagt AGD-Vorsitzender Günther Mertz.

„In den vergangenen 50 Jahren wurde im Dialog mit der Stadtverwaltung viel geleistet“, resümieren Peter Fendrich und Günther Mertz im ersten Beitrag der Stadtbrille, „doch die Arbeit geht nicht aus“.

Weitere Info: Das Buch ist in der Markgröninger „Buchhandlung am Markt“ sowie in der Zentrale des Rathauses erhältlich. Online-Bestellungen sind unter www.agd-markgroeningen.de möglich.

 
 
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