Sachsenheim Einbahnstraße bleibt Aufregerthema

Von Martin Hein
Die Einbahnstraßenregelung und der Wegfall von Stellplätzen in der Von-Koenig-Straße stößt teilweise auf Kritik. Foto: /Werner Kuhnle

Nach wie vor wird die Pop-Up-Maßnahme zur Verkehrsberuhigung in der Von-Koenig-Straße und Brunnenstraße kontrovers diskutiert. Neben viel Kritik gibt es auch Anregungen und Lob. Bei der Stadt will man mit einer Bewertung noch warten.

Anfang September wurden in der Großsachenheimer Innenstadt Pflanzkübel aufgestellt und die Von-Koenig-Straße und Brunnenstraße im Rahmen einer so genannten Pop-Up-Maßnahme zur Einbahnstraße deklariert.

Testweise soll dadurch der Durchgangsverkehr in diesem Bereich verringert werden. Mehr Aufenthaltsqualität im Städtle ist das erklärte Ziel. Die Pop-Up-Maßnahme wird nach dem Willen der Stadtverwaltung und des Gemeinderats zunächst sechs Monate getestet (die BZ berichtete).

Durch Verkehrszählungen und Onlinebefragungen will man sich bei der Stadt ein Bild machen, wie die Maßnahme bei der Bevölkerung ankommt. Von Anfang an zeichnete sich ab, dass diese Maßnahme nicht überall auf Zustimmung stößt. Die aktuelle Stimmungslage spiegelt sich auch im Gemeinderat wieder.

Kritik an Einbahnstraßenregelung

Der fraktionslose Gemeinderat Oliver Häcker forderte bei der Sitzung des Gremiums Anfang Oktober, dass man die Maßnahme so schnell wie möglich rückgängig machen solle. Die Einbahnstraßenregelung funktioniere überhaupt nicht, die Maßnahme sei der Genickbruch für die Innenstadt. Bürgermeister Holger Albrich wies darauf hin, dass die Maßnahme zunächst sechs Monate gelte. Der gesamte Innenstadtbereich sei ruhiger, Fußgänger und Radfahrer hätten mehr Platz, so Albrich.

Häcker zitierte einen Facebook-Beitrag wonach jemand schrieb: „nach Sachsenheim komme ich nicht mehr rein!“ Hugo Ulmer (CDU) fand ebenfalls kritische Worte für die Maßnahme: „Das ist Murks, was da gemacht wurde.“ Thomas Wörner (GLS) verwies auf eine Untersuchung, nach der Einbahnstraßenregelungen etwa 1,5 mal mehr Verkehr verursachen würden. Er selbst habe das Gefühl, dass mehr Verkehr in dem Bereich sei.

Man wolle erst Daten sammeln, erwiderte Bürgermeister Albrich. Auch Helga Niehues (SPD) riet, zunächst abzuwarten und genaue Daten auswerten. Sollten die Zahlen entsprechend sein, müsse man auch den Mut haben, zu sagen: „Nix wars“. Genauso uneins wie im Gemeinderat, wird die Maßnahme nach wie vor in der Öffentlichkeit wahrgenommen und kontrovers diskutiert. Vor allem auf Facebook machen sich etliche Sachsenheimer gehörig Luft, und kritisieren die Einbahnstraßenregelung sowie den Wegfall von Stellplätzen. Bei der Stadt sind, nach Auskunft von Nicole Klingler, zuständig für Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit, inzwischen ebenfalls Anregungen, Kritik eingegangen. Zehn Rückmeldungen sind bisher über die Homepage, per Mail oder durch persönlichen Besuch in der Stadtverwaltung geäußert worden. Über den Online-Ideenmelder gab es 22 Rückmeldungen.

Anwohner der Brunnenstraße äußerten sich positiv überrascht. Der Verkehrsstrom habe merklich nachgelassen, es gebe jedoch immer noch Autofahrer, die entgegen der Einbahnstraße fahren. Ein Vorschlag ist, die Von-Koenig-Straße ebenfalls zur Fußgängerzone zu erklären. Anwohner und Besucher des Ärztehauses könnten in der Tiefgarage Lammstraße, die dringend renoviert werden müsse, parken.

Eine andere Zuschrift fordert, dass die Brunnenstraße wieder von der Hauptstraße aus befahrbar sein müsse. Die gegenwärtige Regelung sei geschäftsschädigend für die dort ansässigen Betriebe. Feuerwehreinsätze würden durch die Einbahnstraßen-Regelung verzögert. Ein Bürger wünscht sich Stellplätze für Motorroller oder Motorräder. Nicole Klingler weist darauf hin, dass zu Beginn der Maßnahme, keine Verstöße geahndet wurden, sondern freundlich auf die geänderte Verkehrsführung hingewiesen wurde. Inzwischen würden jedoch „Knöllchen“ für falsch parkende Fahrzeuge verteilt.

„Stadt ist guter Dinge“

Seitens der Stadt sei man nach wie vor guter Dinge, so Nicole Klingler. Die Problematik mit dem Ärztehaus, Arztpraxen und Apotheke habe man im Blick. Eine Erhebung habe ergeben, dass im unmittelbaren Gebiet um die Von-Koenig-Straße, Brunnenstraße und dem Äußeren Schlosshof ausreichend Stellplätze zur Verfügung stehen, die jedoch überwiegend nicht ausgelastet seien.

„Mehrwert für Bürger schaffen“

Einige Rückmeldungen, die bei der Stadt eingegangen sind, zielen darauf ab, dass man nun außen herum fahren müsse, aber das sei so nicht richtig. Um in der Brunnenstraße oder dem Äußeren Schlosshof etwas zu erledigen, könne man einfach im Parkhaus an der Hauptstraße parken. Dies spare Sprit und Zeit, zumal auch das Ausfahren aus dem Quartier einfacher sei. Klinger verweist darauf, dass in vielen anderen Städten beispielsweise in der Innenstadt in Bietigheim-Bissingen oder Ludwigsburg solche verkehrsberuhigenden Maßnahmen erfolgreich umgesetzt und sogar Fußgängerzonen eingerichtet wurden, auf die heute niemand mehr verzichten wolle. Ziel der Maßnahme sei, dass am Ende des Projekts ein Mehrwert für die Bürger geschaffen werde. 

 
 
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