SCB gewinnt das Playoff-Finale gegen die Kassel Huskies Steelers sind Meister und steigen auf

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Bietigheimer Jubel: Norman Hauner, C.J. Stretch und Co. bejubeln den 1:1-Ausgleich. Am Ende feierte das Team aus dem Ellental auch die DEL2-Meisterschaft und den Aufstieg. Foto: Andreas Eberle

Die Steelers gewinnen das entscheidende fünfte Playoff-Finalspiel bei den Kassel Huskies mit 5:2. Damit sind sie DEL2-Meister und treten in der neuen Saison in der DEL an.

Meisterschaft! Aufstieg! Die Bietigheim Steelers sind am Ziel. Mit einem 5:2-Auswärtssieg im entscheidenden fünften Playoff-Finalspiel gewannen sie am Samstagabend die Best-of-Five-Serie gegen die Kassel Huskies und so auch den DEL2-Titel. Und da erstmals seit 2008 die Meisterschaft wieder mit dem sportlichen Aufstieg verbunden ist, tritt der SCB in der neuen Saison erstmals in der DEL an - ein erfolgreiches Lizenzierungsverfahren vorausgesetzt.

Glückliche und stolze Spieler

"Das ist der Wahnsinn. Ich war schon bei zwei DEL-Meisterschaften dabei, aber so etwas wie in diesem Jahr habe ich noch nie erlebt", sagte Kapitän Nikolai Goc und wies auf die schwierige Ausgangslage hin - mit dem Lizenztheater im vergangenen Sommer und der schwierigen Corona-Situation, die die Mannschaft gleich zweimal in die Quarantäne zwang, beim zweiten Mal gar unmittelbar vor dem Beginn der Endrunde. "Ich bin unglaublich stolz, zum fünften Mal bei einer Meisterschaft hierzustehen", sagte René Schoofs. Bietigheims Rekordspieler bedauerte aber, dass die Mannschaft den größten Erfolg der Klubgeschichte in dieser Saison ohne die Unterstützung der Fans einfahren musste: "Wir haben Spiele abgeliefert, da hätte die Hütte gebrannt. Ich weiß, wie das bei uns im Stadion ausgesehen hätte."

Kassel-Fans singen vor der Halle

Die Steelers gingen mit einem unveränderten Kader ins entscheidende Finalspiel, sprich wie gehabt fehlten die verletzten Jimmy Hertel, Nikolai Goc, Riley Sheen und Brett Breitkreuz. Für zumindest etwas Kasseler Heimatmosphäre sorgten die etwa 70 Huskies-Fans, die sich vor der Halle mit Masken und Abstand versammelt hatten und die kompletten 60 Minuten durchsangen, ohne etwas vom Spiel zu sehen. Ein im Umlauf angebrachtes Mikrofon übertrug die Anfeuerung dann in die Arena.

Kurioser Führungstreffer

Doch den Ton gaben auf dem Eis im ersten Drittel nicht die Schlittenstunde an, sondern die Gäste aus Schwaben. Wie schon bei den beiden Siegen zuvor starteten die Bietigheimer Cracks beherzt und mit viel Offensivelan in ihr Alles-oder-nichts-Spiel und hatten mehr sowie die wesentlich besseren Chancen als der Gegner. Ihr erstes Powerplay führte in der achten Minute gleich zum 1:0 - und das Tor war sehr kurios. C.J. Stretch hatte abgezogen, der Puck flog erst an den linken Pfosten, schlitterte dann an der Torlinie entlang zum rechten Pfosten, von dem die Scheibe ins Feld zurückflutschte. Doch vom Rücken des bereits auf dem Boden liegenden Huskies-Goalies Gerald Kuhn fand sie dann doch noch ihren Weg ins Netz zur verdienten Steelers-Führung.

Viele Chancen, wenig Ertrag

Allerdings können auch die Nordhessen plötzlich Powerplay, was bisher als große Kasseler Schwäche galt. Beim ersten Überzahlspiel - nach einem Wechselfehler saß Youngster Robert Kneisler auf der Strafbank - war EC-Verteidiger Stephan Tramm mit einem ansatzlosen Schuss erfolgreich (15.). Die Riesenmöglichkeit zur erneuten Führung vergab Evan Jasper: Der Kanadier scheiterte im Eins-gegen-eins-Duell am exzellent reagierenden Kuhn. Mit 20:8 lagen die Steelers bei den Torschüssen vorne, nach Treffern stand es aber nur 1:1. Die magere Torausbeute sollte sich noch rächen. 

Doubrawa zeichnet sich aus

Das Mitteldrittel war zuletzt immer ein Problem der Schwaben  so auch diesmal. In der 27. Minute schoss Vincent Saponari die Hausherren erstmals in Front. Die größte Ausgleichchance vergaben Stretch und Norman Hauner im Duett nach einem doppelten Doppelpass. Generell wirkte die Schützlinge von Trainer Danny Naud nun nicht mehr ganz so spritzig - möglicherweise zollten nun die drei Serien mit jeweils fünf Spielen seit Playoffbeginn ihren Tribut. Anderseits zeigten sich die Huskies auch stark verbessert und waren jederzeit brandgefährlich im Angiff. SCB-Torhüter Leon Doubrawa hatte jedenfalls genug Gelegenheit, sich auszuzeichnen und tat das auch fleißig.

Im letzten Durchgang hatten die Steelers zunächst bei einem Kasseler Pfostentreffer in Überzahl Glück. Genauer zielte Hauner beim folgenden Powerplay der Gäste - sein strammer Schuss passte genau in den linken oberen Torwinkel zum 2:2 (46.). Und es kam noch besser für die Gäste: Jasper probierte es mit seiner Lieblingsfinte, dem Bauerntrick, umkurvte also das gegnerische Gehäuse und vollstreckte aus spitzem Winkel zum 3:2 (49.).Schon wieder hatte das Momentum gewechselt. Als Hauner dann mit seinem zweiten Treffer auch noch zum 4:2 traf, war der Traum ganz nah - und die Meisterschaft ließ sich das Team nicht mehr nehmen. Mit einem Empy-Net-Goal machte Verteidiger Tim Schüle in der vorletzten Minute mit dem 5:2 den Deckel drauf. Der Rest war ein einziges Bietigheimer Freudenfest. Mit Siegerzigarren, lauter Ballermann-Musik, Bier- und Sektduschen - und natürlich dem Siegerpokal.

"Wir haben immer daran geglaubt", sagte Schoofs. Und fast jeder Steelers-Profi, der sich nach dem großen Triumph äußerte, wies auf die Topleistung ihres jungen Schlussmanns Doubrawa hin: "Er ist unglaublich. Ich habe noch nie einen so guten 19-Jährigen gesehen. Was er geleistet hat, war abnormal. Für mich ist er der MVP." Und Robin Just pflichtete bei: "Leon hat gehalten wie ein 30-jähriger Haudegen. Es ist unfassbar, wie cool er immer geblieben ist."

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