Schiedsrichter auf höchster Ebene Premiereneinsatz beim Nations-Cup

Von Daniel Haug
Tim Meissner ist seit er zwölf oder 13 Jahre alt ist an der Pfeife aktiv. Sein großer Traum ist es, bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Partien zu leiten. Foto: World Sport Pics/Frank Uijlenbroek

Der Bietigheimer Schiedsrichter Tim Meissner blickt auf sein Debüt für den Weltverband FIH zurück und hat bereits neue Ziele im Blick.

Für Tim Meissner hat es in diesem Jahr schon knapp einen Monat vor Heiligabend Bescherung gegeben. Ende November war der Hockey-Schiedsrichter des Bietigheimer HTC für eine Woche erstmals bei einem Turnier des Hockey-Weltverbands FIH im Einsatz – beim Nations-Cup in Südafrika. „Das war das bisher bedeutendste Turnier für mich“, sagt der 32-Jährige. Seine Nominierung dafür lief aber ziemlich unspektakulär ab. „Ich habe eine Mail vom Weltverband bekommen, dass mich der FIH-Schiedsrichterausschuss nominiert hat“, erzählt Meissner, der hauptberuflich als Zahntechnikermeister arbeitet.

Dass er für den neu eingeführten Nations-Cup in Frage kam, der den Nationalmannschaften auf den hinteren Plätzen der Weltrangliste als Qualifikation für die Pro League dient, liegt an seinem Status als Schiedsrichter, den sich Meissner erarbeitet hat „Ich war jetzt für drei Jahre in einem temporären FIH-Schiedsrichter-Kader, dem sogenannten Advancement Panel. Hier kann man für bestimmte Wettbewerbe nominiert werden, um je nach Leistung in den nächsten Kader auf- oder auch wieder abzusteigen“, erklärt der Unparteiische, der als einziger Deutscher und einer von 32 Schiedsrichtern weltweit diesem Kader angehört.

Im südafrikanischen Potchefstroom war Meissner in drei Gruppenspielen und einem Halbfinale auf dem Feld im Einsatz. Hinzu kamen weitere Einsätze als Reserve- und Videoschiedsrichter. „Das war genau das, was ich mir erhofft und auch als Ziel gesetzt hatte. Wir waren ein zehnköpfiges Schiedsrichterteam, das auf den drei Positionen Feld, Reserve und Video rotiert hat“, sagt Meissner, der mit Frau und Sohn in Schwieberdingen lebt.

Als Spieler und an der Pfeife aktiv

Viel Zeit, um mehr vom Land Südafrika zu sehen, blieb aber nicht. „An einem unserer zwei freien Tage haben wir als Schiedsrichterteam eine Safari gemacht. Am anderen wollten wir raften gehen, aber der Wasserstand des Flusses war zu hoch“, berichtet Meissner, der durch seine Familie zum Hockey gekommen ist und vor seiner Schiedsrichterlaufbahn selbst als Spieler aktiv war. „Ich habe beim Bietigheimer HTC alle Jugendmannschaften durchlaufen. Irgendwann war der Verein auf der Suche nach Schiedsrichtern – und so habe ich das mit zwölf, 13 Jahren mal gemacht und Spaß daran gefunden“, erinnert sich Meissner.

Über mehrere Jahre war Meissner an der Pfeife und parallel auch als Spieler aktiv, unter anderem in der Bietigheimer Regionalligamannschaft. „Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass ich als Schiedsrichter erfolgreicher sein kann und habe mich darauf fokussiert“, erzählt er. Seit 2010 leitet Meissner Spiele in der Bundesliga – sowohl auf dem Feld als auch in der Halle. Außerdem stehen Einsätze bei deutschen Meisterschaften, bei U18- und U21-Europameisterschaften sowie bei der Euro Hockey League, der Champions League für Hockeyteams, in seiner Vita.

Ziel ist WM und Olympia

Mit seiner Leistung beim Nations-Cup hat sich Meissner durchaus für eine Einstufung in den nächsthöheren Kader empfohlen – das Elite-Panel. „Um für einen Aufstieg in Frage zu kommen, benötigt man 90 Punkte. In Südafrika wurde ich mit 95 Punkten bewertet“, berichtet der Familienvater, der seit 2017 auch im Schiedsrichter-Ausschuss des Deutschen Hockey-Bunds ist.

Ob er tatsächlich hochgestuft wird, ist noch offen. „Ich habe die Hoffnung als Nachrücker zur Europameisterschaft in Mönchengladbach nächstes Jahr zu kommen“, berichtet Meissner und hat weitere Ziele im Blick. „Auf einen Einsatz bei einer WM habe ich es in den nächsten Jahren definitiv abgesehen. Bei Olympia ist das Ganze immer etwas komplizierter, aber Los Angeles 2028 hätte definitiv etwas.“

Unabhängig davon ob das gelingt, ist Meissner ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk schon sicher: Seine Frau erwartet im Januar das zweite Kind.

 
 
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