Schwerpunkt Feuerwehr Eine Feuerspritze für 3900 Mark

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Bei einem Festzug in Kleiningersheim wird die damals neue Tragkraftspritze TS 8 von einem Porsche Diesel gezogen.⇥ Foto: Kleiningersheim aus vergangener Zeit/Friedrich Einkörn

Die Gründung der Kleiningersheimer Feuerwehr geht auf das Jahr 1863 zurück. In Großingersheim wurde vom Oberamt Besigheim im Jahr 1878 eine Pflichtfeuerwehr ins Leben gerufen

Den Protokollbüchern der Feuerwehr in Ingersheim ist zu entnehmen, dass in Großingersheim zum ersten Mal am 11. März 1879 ausgerückt wurde. Dabei, so ist in einem Beitrag des langjährigen Kommandanten Friedrich Rühle in der Ortschronik von 1979 nachzulesen, soll Feuerwehrmann Kurtz beim ersten Einsatz „aufreizende Reden“ geführt haben. Er tue nicht mehr „Soldäteles“ und sei auch kein „Bube“. Kurtz erhielt 6 Mark Strafe und wurde nach dem Verlesen der Statuten aus der Feuerwehr ausgeschlossen.

Ein Jahr später rückte die Feuerwehr aus Anlass des Sängerfestes aus. Dabei habe sich der Feuerwehrmann Strohmaier so betrunken, dass er, um weiteres Aufsehen und einen Skandal zu vermeiden, vom Platz entfernt werden musste. Nachfolgend bekam Strohmaier einen Verweis.

Daraus ist ersichtlich, dass die Feuerwehr schon früh für Ordnung in den eigenen Reihen sorgte, schließlich wurden an die Wehr immer größere Ansprüche gestellt. So bekam die 1863 gegründete Kleiningersheimer Feuerwehr, als auch die etwas später gegründete Großingersheimer Feuerwehr – beide wurden 1922 in Freiwillige Feuerwehren umbenannt – im Jahr 1928 mechanische Leitern mit einer Länge von 11,5 Metern. In beiden Ortsteilen gab es bereits Feuerspritzen, deren Kaufpreis für Großingersheim 3900 Mark betrug, und die dort bis 1950, in Kleiningersheim bis 1946, im Einsatz waren.

Technische Aufrüstung folgte

Mit der Industrialisierung folgte die technische Aufrüstung der Feuerwehr. Angeschafft wurden zunächst gebrauchte Tragkraftspritzen (TS). In Großingersheim kam ab 1963 dann ein Ford-Transit 1500 TSF zum Einsatz, in Kleiningersheim gab es zum 100-jährigen Jubiläum eine neue TS 8, so Rühle in seinem Bericht. Weitere Feuerwehrfahrzeuge der Marken Mercedes und Hanomag folgten.

Um alle Gerätschaften unterzubringen wurden in Großingersheim und Kleiningersheim die Magazine und Gerätehäuser verlegt. In Kleiningersheim zog man 1954 von einem beengten Raum im Rathaus in ein neues Gerätehaus mit Boxen für ein Feuerwehrauto und den Postomnibus, das heute noch hinter dem alten Schuppen der damaligen Genossenschaftsbank steht.

In Großingersheim erfolgte der Umzug von einem im Jahr 1956 umgebauten Magazin, das im Rathaus untergebracht war, in die gegenüberliegende Kelter. Dort hatte es Platz für Geräte, es gab sanitäre Einrichtungen, einen Unterrichtsraum sowie zwei Fahrzeugboxen.

Optimal ausgerüstet

Der „Traum aller Feuerwehrleute“, so Rühle in der Chronik, erfüllte sich im Jubiläumsjahr 1979. Der Wehr wurde das TLF 16 H überreicht. Das Fahrzeug hatte einen 2400 Liter fassenden Tank, eine Saugpumpe, Schnellbergungsgerät, Atemschutz und wurde mit Funk ausgestattet. Damit war man optimal ausgerüstet. Beim Löschen, dem Einsatz bei Hochwasser, bei Verkehrsunfällen, Ölunfällen, Autobränden und Hilfeleistungen jeglicher Art.

Als verdienstvolle Feuerwehrmänner nennt Rühle in der Ortschronik für Großingersheim Gottlob Ansel, der 22 Jahre Kommandant war und am 16. Dezember 1944 bei einem Fliegerangriff ums Leben kam. Eine herausragende Persönlichkeit für Kleiningersheim nennt Rühle Kommandant Wilhelm Binder, der 20 Jahre dieses Amt ausführte. Friedrich Rühle war selbst von 1961 bis 1978 Kommandant und verstarb im März 2018.

Der Zusammenschluss der beiden Feuerwehren erfolgte mit dem Zusammenschluss der beiden Teilorte zum 1. Januar 1972. Ziel war es damals schon, ein gemeinsames Feuerwehrhaus zu beziehen. Dies erfolgte 1998 mit dem Bezug einen Gebäudes an der Karl-Braun-Straße, von dem aus es möglich ist in angemessener Zeit in beide Ortsteile auszurücken. Derzeitiger Kommandant ist Andreas Fritz – und auch die technische Entwicklung schreitet weiter voran.

Im Oktober 2018 vergab der Gemeinderat die Beschaffung eines Löschfahrzeuges LF 10, welches ein 40 Jahre altes Fahrzeug ersetzt. Die Kosten belaufen sich dafür auf insgesamt rund 480 000 Euro.

 
 
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