Senioren im Landkreis Der schwere Weg zum Impftermin

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Der Eingang des Impfzentrums in Ludwigsburg.⇥ Foto: Martin Kalb

Über 80-Jährige gehören zur ersten Gruppe, die gegen Covid-19 geimpft wird. Der Weg zu einem Termin ist aber beschwerlich. Seniorenvertreter fordern Verbesserungen und bieten Hilfe.

Wir hätten uns gewünscht, dass die Planungen sehr viel früher und konsequenter erfolgt wären“, sagt Nora Jordan-Weinberg, Vorsitzende des Kreisseniorenrats zur Impfkampagne. Das Ganze sei etwas holprig gestartet. Gerade die Möglichkeiten zur Terminvereinbarung kritisiert sie. Fast unmöglich sei die Terminreservierung über die die Nummer 116 117, zudem sei es selbst für Senioren, die sich mit dem PC auskennen, äußert kompliziert, über das Internet einen Termin zu erhalten.

Gleichzeitig fordert sie Verständnis dafür, dass nicht jeder sofort geimpft werden könne. „Ein wenig Gelassenheit könnte nicht schaden“, so Jordan-Weinberg zur aktuellen Diskussion. Der Kreisseniorenrat hoffe, dass bald genügend Impfstoff verfügbar sein wird „und ein weiteres Impfzentrum geöffnet werden kann, zum Beispiel in Besigheim“.

Hinweis per Post

Einen konkrete Verbesserungsvorschlag für die Impfkampagne hat der Kreisseniorenrat auch: „Über 75-Jährige sollten eine Aufforderung per Post bekommen, mit einer gut funktionierenden Telefonverbindung zur Terminabsprache. Eventuell könnte auch schon ein fester Termin angeboten werden.“

Von Angst und Einsamkeit im Lockdown bei einigen seiner Mitglieder berichtet Karl Binder vom VdK-Ortsverband Freudental. Die Unsicherheit wegen eines Impftermins versucht er den Senioren zumindest zu nehmen. „Mit der Unterstützung des Bürgermeisters haben wir einen Termin- und Fahrservice gestartet“, sagt Binder. Die Gemeinde habe alle Menschen über 80 angeschrieben und für den Service des VdK-Ortsverbands geworben. Etwa 20 hätten sich gemeldet und um Hilfe bei der Terminvereinbarung gebeten.

„Das ist sehr zeitaufwendig“, erzählt Binder. Den ganzen Tag über schaue er immer wieder online, ob es freie Termine gebe. „Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich dann tatsächlich mal einen ergattere“, sagt Binder, der mittlerweile neun Impftermine ausmachen konnte. Übers Telefon versucht er es gar nicht mehr.

„Es liegt am Impfstoff“

Kritik am System im Kreis kommt aber kaum von Binder: „Es hängt eben alles mit dem verfügbaren Impfstoff zusammen.“ Klar wäre es wünschenswert, dass etwa die Hausärzte impfen könnten, aber das gebe eben der Impfstoff nicht her. Zum Impfzentrum verliert Binder auch kein schlechtes Wort. Erst zwei Impflinge habe der VdK-Ortsverband dorthin gebracht. „Es ist gut erreichbar. Klar ist das von Freudental ein Stück zu fahren, aber so ist das nun einmal“, sagt Binder.

Auch Renate Wendt, Vorsitzende des Dachverbands Seniorenarbeit in Bietigheim-Bissingen, hat für Senioren Hilfe angeboten. „Wir machen Termine für unsere Senioren aus, wenn diese keine andere Möglichkeit haben“, sagt Wendt. Ein Urteil über die Impfkampagne möchte sie noch nicht fällen, dazu sei es noch zu früh. Sie habe nur gehört, dass die Organisation im Impfzentrum sehr gut sein soll. Einziges Problem sei eben einen Termin zu bekommen. In Ausnahmefällen organisieren Wendt und ihre Mitstreiter auch schon mal eine Fahrgelegenheit zum Zentrum. Da kann sie auf viel Unterstützung in der Stadt zählen, sagt sie: „In der Not zeigt sich, dass viele Menschen sehr hilfsbereit sind.“

Daniela Bing von der Caritas ist dort unter anderem für das Projekt „Ehrenamtlicher Seniorenbergleiter“ zuständig. Aktuell sind dabei 25 Senioren registriert, die regelmäßig Besuch von Ehrenamtlichen bekommen. „Von Ehrenamtlichen höre ich, dass bei den Senioren die Bereitschaft zur Impfung sehr groß ist. Wer fit am PC ist, betreibt einen großen Aufwand einen Termin zu ergattern“, so Bing. Wer nicht fit ist oder keine Angehörigen habe, der stehe allerdings vor einem Problem. Auch wenn die Caritas kein offizielles Angebot zum Impfterminservice hat, helfe man natürlich wenn sich jemand in der Angelegenheit an sie wende.

 
 
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