Senioren im Verein Im Alter von zwölf Jahren zum Musikverein

Von Helga Spannhake
Otto Ilg spielt, seit er zwölf Jahre alt war, die Klarinette im Musikverein Stadtkapelle Markgröningen. Foto: /Oliver Bürkle

Durch seinen Vater kam Otto Ilg zum Musikverein Stadtkapelle Markgröningen und ist ihm bis heute treu geblieben. Unvergessen sind vor allem die Auslandsreisen in die USA sowie nach Japan.

Otto Ilg steht in seiner kleinen Schuhmacherwerkstatt hinten im Hof. In der Hand hält er eine Klarinette. Seine Lippen umschließen das filigrane Rohrblatt. Er holt tief Luft und seine Finger gleiten behände über die Klappen seines Instruments. Auch mit 86 Jahren sitzt noch jeder Ton. „Es geht noch“, sagt er erfreut. Aber das ist eigentlich auch kein Wunder, begleitet ihn die Musik doch nahezu täglich durch sein langes Leben. „Mein Vater war ein Vereinsmensch“, erinnert sich Otto Ilg an seinen Vater Eugen.

Mitte der 1920er-Jahre trat der dem, damals noch ganz frisch gegründeten, Musikverein bei und nahm später seinen, 1936 geborenen Sohn Otto im Alter von zwölf Jahren mit. Bis dahin war die Ziehorgel das Kinderinstrument, aber „das war nicht das Richtige für mich“, besinnt sich Otto Ilg. Daher nahm er privaten Klarinettenunterricht und schon vier Wochen später hatte er seinen ersten Einsatz. „Da war das Niveau noch nicht so hoch wie heute“, aber es habe doch schon ganz gut funktioniert, weiß er noch.

Verletzung bringtdie Entscheidung

In seiner Kindheit widmete sich Otto Ilg nicht nur der Musik, auch das Fußballspielen betrieb er mit großer Leidenschaft. Zehn Jahre lang bespielte er den grünen Rasen und im Alter von 18 Jahren, rief die Amateurliga – allerdings war das Training immer sonntags und überschnitt sich damit nun zeitlich genau mit dem Musizieren in der Markgröninger Stadtkapelle. Otto Ilg musste sich entscheiden, entweder die Musik oder der Sport. Eine Verletzung, die er sich zuzog, nahm ihm diese schwierige Wahl ab und er blieb somit der Tonkunst treu.

Ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt lächelnde Musiker. Entstanden ist es anlässlich des Jubiläums zum 30-jährigen Bestehen: „Ich bin der Einzige von ihnen, der noch lebt“, sagt Otto Ilg und dabei schwingt ein Hauch von Melancholie in seiner Stimme mit. 58 Jahre war er aktiv am Vereinsleben beteiligt, vertrat 25 Jahre lang als aktiver Beisitzer im Ausschuss seine Musikerkollegen, und diverse Auslandsreisen sind ihm bis heute unvergessen: Zuerst ging es 1958 nach Brest in Frankreich. 1972 und 1976 in die USA.„Das war eins von de Beschte“, bestätigt der rüstige Senior.

Teilnahme an der Steuben Parade in New York

Philadelphia, Washington und New York waren die Stationen des Musikvereins und sie machten sogar bei der traditionsreichen German-American Steuben Parade auf der Fifth Avenue mit. Ehefrau Anneliese, damals fesch im Dirndl, weiß noch gut, dass bei diesem Auftritt so manch ausgewanderter Deutsche Heimweh bekam: „Die sind auf uns zu gerannt, riefen, dass wir einen Gruß nach Marbach mitnehmen sollen“.

Japan war ein weiteres Reiseziel. „War schee, aber doch auch sehr fremd“, befindet Otto Ilg. Anneliese erinnert sich: „Die Konzerte waren einmalig“, und besonders gut kam die Klarinettenmuckl-Polka beim Publikum an.

Auch wenn Otto Ilg inzwischen passives Ehrenmitglied beim Musikverein Stadtkapelle Markgröningen ist, so hat er seine Klarinette nie ganz aus der Hand gelegt: „Das wichtigste ist der Ansatz“, sagt Otto Ilg und ergänzt, dass ihm die Kraft seiner Gesichtsmuskeln doch nach einer Stunde ausgeht. Das Drücken der Klappen dagegen sei nach wie vor kein Problem. Die Finger sind gelenkig geblieben und als es 2020 aufgrund von Corona nur Videos des klingenden Adventskalenders in der Schäferlaufstadt gab, spielte er „Leise rieselt der Schnee“.

Zum Abschluss gibt esimmer La Paloma

Mit seinem alten Vereinsfreund Toni macht er noch heute Musik. Die Pandemie hatte das Zusammentreffen zwar auch erschwert, aber jetzt packen sie ihre Klarinetten wieder häufiger aus: „Zum Abschluss spielen wir immer La Paloma“, schmunzelt Otto Ilg und seine Anneliese kommt dann mit einem leckeren Vesper zu den Männern.

 
 
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