Sexueller Missbrauch von Handballschützlingen Mehr als fünf Jahre Haft für Trainer

Von Heike Rommel
Der Täter wurde vor dem Landgericht Stuttgart verurteilt.⇥ Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Der Angeklagte hatte beim SV Fellbach und der SGBBM Bietigheim Handball-Schützlinge über Jahre hinweg missbraucht.

Fünf Jahre und vier Monate Gefängnis lautet das Urteil im Prozess gegen den ehemaligen  Handballtrainer, der beim SV Fellbach und bei der SG BBM Bietigheim Spieler im Kindes- und Jugendalter sexuell missbraucht hat (die BZ berichtete). Der heute 53-Jährige hat sich bereit erklärt, jeweils 10 000 Euro Schmerzensgeld an acht Opfer zu bezahlen, die vor dem Stuttgarter Landgericht als Nebenkläger aufgetreten waren.

Mit dem Urteil blieb die Kammer unterhalb des Strafantrags der Staatsanwaltschaft, die sechs Jahre Haft gefordert hatte. Der Verurteilte hat seine Taten teilweise gefilmt. Tatort war zumeist seine Fellbacher Wohnung. Gutachterlich wurden dem Mann von einem Psychiater pädophile Neigungen attestiert, die sich nach den Worten des Vorsitzenden Richters, Dr. Johannes Steinbach, im Jugendalter herausgebildet und im Erwachsenenalter fortbestanden haben. Psychisch krank sei der Verurteilte aber nicht und auch voll schuldfähig. Vom Maßregelvollzug mit  Sicherungsverwahrung sah das Gericht ab, weil es „eine nicht wesentlich erhöhte Rückfallgefahr“  sieht.

Der 1966 in Stuttgart geborene und in Ditzingen aufgewachsene  Diplom-Sozialpädagoge war seit 1993 als Sozialarbeiter beim Jugendamt im Landratsamt Ludwigsburg tätig, wo es zu einem Aufhebungsvertrag kam. Dann arbeitete er als EDV-Berater und in seiner Freizeit als Handballtrainer. Von 2001 bis 2019 trainierte er bei verschiedenen Vereinen auch Kinder und Jugendliche.

Der sexuelle Missbrauch  beim SV Fellbach passierte zwischen 2006 und 2019. Als die Kripo die Wohnung des Fellbachers durchsuchte, fand sie das pornographische Material. Der Urteilsbegründung zu Folge habe er Druck auf seine Opfer ausgeübt, die wegen ihrer sportlichen Förderung von ihm abhängig waren. Für sexuelle Gefälligkeiten gab es auch Geschenke wie beispielsweise Amazon-Einkaufsgutscheine.

Der Angeklagte hatte bereits zu Beginn des Verfahrens ein Geständnis abgelegt und um Entschuldigung gebeten. Strafschärfend wirkte sich bei der Urteilsfindung der lange Tatzeitraum und die Ausnutzung der Machtposition als Trainer aus. Strafmildernd wertete die Kammer, dass der Mann keine Gewalt angewendet habe, jedoch sehr wohl „psychologische Tricks“, dass er von Anfang an geständig war, dass er den sämtlich männlichen Opfern Aussagen im Detail erspart hat, und dass er nicht vorbestraft war.

Umfassendes Geständnis

In Fellbach hatte der Verurteilte seine Trainer-Tätigkeit angeblich wegen „sportlicher Differenzen“ beendet. Von 2020 bis zu seiner Verhaftung Ende November 2021 war der Mann Trainer bei der SG BBM Bietigheim, wo er einen Jugendspieler sexuell missbrauchte. Auch diese Tat gab der heute 53-Jährige vor Gericht zu.

Die Mutter dieses Jungen hatte sich an die Vereinsleitung gewandt, wo der Fellbacher als recht väterlich, kompetent und angesehen galt. Eine Art Vaterersatz soll der Mann auch für den Sohn einer Alleinerziehenden und den Neffen seiner Ex-Ehefrau in Fellbach gewesen sein. Auch diese Jugendspieler wurden zu Opfern des Mannes.

Die Verhandlungen in dieser Sache liefen zum Schutz der Opfer teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ursprünglich sollte der Prozess bis in den Juni hinein dauern, doch wegen des Geständnisses konnte das Gericht auf die  Vernahme einiger Zeugen verzichten.

 
 
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