SG BBM holt Supercup nach Gala gegen Dortmund Ein Statement an die Konkurrenz

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Die Handballerinnen der SG BBM bejubeln den ersten Titelgewinn der Saison 2021/22. Nach 2017 und 2019 haben die Bietigheimerinnen am Samstag in der Dortmunder Helmut-Körnig-Halle zum dritten Mal den Supercup an die Enz geholt. ⇥ Foto: Beautiful Sports/Zeising/Imago Images

Der Pokalsieger aus Bietigheim gewinnt zum dritten Mal den Supercup. Beim 31:21-Triumph über Dortmund unterstreichen Dulfer und Co. eindrucksvoll ihren Anspruch auf die Meisterschaft.

Es war ein beeindruckendes Statement, das die Handballerinnen der SG BBM Bietigheim eine Woche vor dem Bundesliga-Saisonstart an die Konkurrenz sendeten. Mit einem überraschend deutlichen 31:21-Sieg bei Borussia Dortmund holten sie am Samstag zum dritten Mal nach 2017 und 2019 den Supercup an die Enz. Für Markus Gaugisch war es nach dem DHB- Pokal im Mai der zweite Titelgewinn als SG-Coach. „In meiner Männer-Trainerlaufbahn hatte ich auch viele wichtige Spiele, aber da ging es immer um den Abstieg aus der Ersten Liga. Jetzt einen Pokal in die Hand zu bekommen, macht noch viel mehr Spaß“, sagte der 47-jährige gebürtige Göppinger nach dem Triumph.

Internationale Startaufstellung

Vor den 500 zugelassenen Fans in der Helmut-Körnig-Halle waren die Bietigheimerinnen dem Gastgeber in allen Belangen überlegen und unterstrichen mit einem 1a-Auftritt ihren Anspruch auf den Meistertitel 2021/22. Der amtierende Meister aus Westfalen scheint derweil beim Neuaufbau noch ganz am Anfang zu stehen. Gleich neun Neuzugänge muss BVB-Trainer André Fuhr integrieren. Durch die wochenlang abwesenden fünf Olympia-Teilnehmerinnen stellt diesmal auch die Vorbereitung eine besondere Herausforderung dar. 

Bei Bietigheim leistete der neue niederländische Block mit der frischgebackenen Kapitänin Danick Snelder sowie den aus Dortmund gekommenen Kelly Dulfer und Inger Smits bereits ganze Arbeit. Das Oranje-Trio steuerte 15 der 31 SG-Treffer bei und stand auch beim Anpfiff auf der Platte, genauso wie die brasilianische Torhüterin Gabriela Moreschi und die tschechische Linksaußen Veronika Malá. Aus dem bisherigen Kader hatte Gaugisch zudem Karolina Kudlacz-Gloc und Trine Østergaard in die rein internationale Startaufstellung berufen. Im Laufe des Duells erhielten auch die deutschen (Ex-)Nationalspielerinnen vor den Augen von Bundestrainer Henk Groener ausgiebig Einsatzzeit. Die Qualität blieb dabei unverändert hoch, egal, wer gerade mitmischte.

 Abgesehen von der Anfangsphase, in der die Borussia forsch loslegte, beherrschte Bietigheim das Geschehen. Angetrieben von der überragenden Dulfer, die mit acht Toren die Topwerferin des Abends war, spielte die SG wie aus einem Guss. Die Gäste machten kaum technische Fehler, stellten eine extrem aggressive Abwehr und kamen mit viel Angriffswucht vor allem aus dem Rückraum zum Erfolg. Nach einer 16:13-Pausenführung eilte die Gaugisch-Sieben in der zweiten Hälfte mit zehn Toren am Stück auf 30:17 davon. Sage und schreibe 16 Minuten musste der BVB in jener Phase auf einen Treffer warten, ehe die Ex-Bietigheimerin Laura van der Heijden dem Spuk ein Ende bereitete.

Lob für Dulfer und fürs Kollektiv

„Das war eine wahnsinnig konzentrierte Leistung. Wir haben über 60 Minuten viel Power entwickelt und die Qualität und das Tempo hochgehalten“, lobte Gaugisch später sein Team. Der Coach wollte eigentlich keine Handballerin hervorheben – und tat dies auf Nachfrage dann doch: „Kelly hat ein Wahnsinnsspiel gemacht, aber insgesamt haben wir im Kollektiv überzeugt.“

Am Samstag (19 Uhr) kommt nun die HSG Blomberg-Lippe zum Rundenstart in die Viadukthalle. Keine Frage: Für Werbung in eigener Sache und Euphorie im Umfeld haben die Bietigheimerinnen mit ihrer Supercup-Gala gesorgt. Doch Gaugisch hebt präventiv schon mal den Zeigefinger. „Eine Saison ist lang, da kann viel passieren. Es ist wichtig, nicht nur die besten Spielerinnen zu haben, sondern aus ihnen auch die beste Mannschaft zu machen.“ Am Samstag zweifelte wohl kein Zuschauer daran, dass die SG die beste Mannschaft schon hat. Der Meister aus Dortmund kann ein Lied davon singen.

Stimmen zum Supercup-Sieg der SG BBM

Markus Gaugisch, Trainer der SG BBM Bietigheim: Der Supercup hat Spaß gemacht – erst recht, weil wieder Zuschauer dabei sein durften. Das war heute wie bei einem Pokalspiel - in dem sind Fehler auch nicht wiedergutzumachen. Ich hatte aber volles Vertrauen zur Mannschaft, dass wir uns gut zeigen. Unser Tempo konnte Dortmund nicht mitgehen. Auch in der Verteidigung war die Dominanz zu sehen. Wir haben die Passwege zugemacht, die Eins-gegen-eins-Duelle gewonnen und Bälle geblockt. Das Kribbeln für die neue Saison ist da, auch wenn die kein Selbstläufer wird.

Kim Naidzinavicius, Rückraumspielerin der SG: Man konnte schon erahnen, dass wir so eine Leistung auf die Platte bringen können. Ich sehe ja, wie wir im Training arbeiten. Unter der Woche hatten wir schon ein sehr gutes Freundschaftsspiel gegen Metz. Leicht war es heute aber nicht, dafür ist der BVB zu gut besetzt. Wir waren top fokussiert, jede Spielerin wollte das reinbringen, was sie zur Verfügung hatte. Wir konnten gut durchwechseln und so die Kräfte verteilen. Jede hat ihren Teil zum Erfolg beigetragen. Ich hoffe, dass wir nun am Samstag genauso souverän in die Saison starten.

Henk Groener, Bundestrainer: Bietigheim ist ganz klar der Favorit auf den Titel, vor allem nach so einem Ergebnis. Vom BVB bin ich aber auch nicht enttäuscht. Es war klar, dass es einen Unterschied in der Qualität und der Eingespieltheit geben würde. Die Dortmunderinnen werden sich im Lauf der Saison steigern und auch steigern müssen, wenn sie die SG BBM schlagen wollen. Wenn sich die Mannschaft erst mal gefunden hat, wird sie auch für Bietigheim ein sehr ernstzunehmender Gegner sein. Von den deutschen Nationalspielerinnen habe ich viele gute Szenen gesehen.

 
 
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