SG BBM schlägt Ferndorf mit 33:27 Mit Psychologie zum vierten Heimsieg

Von
Nikola Vlahovic nimmt aus dem Rückraum Maß. Das 21-jährige SG-Eigengewächs war am Mittwochabend ein Aktivposten beim Bietigheimer 33:27-Heimsieg gegen Ferndorf. Sein Teamkollege Jonathan Fischer versucht hier, die TuS-Deckung um Andreas Bornemann (links) zu stören. ⇥ Foto: Marco Wolf

Trainer Hannes Jon Jonsson löst mit Kommunikation die Blockade bei der SG BBM. Das Ergebnis ist ein Bietigheimer 33:27-Erfolg über Ferndorf zum Jahresabschluss. Die Schmach in Dessau ist getilgt.

Wie ist es um die psychologischen Fähigkeiten von Hannes Jon Jonsson bestellt? Die Antwort auf diese Frage war vor dem Zweitliga-Heimspiel der SG BBM Bietigheim gegen den TuS Ferndorf elementar. Denn nach dem 26:39 am Sonntag in Dessau, dem zweiten Auswärtsdebakel innerhalb von neun Tagen, hatte der isländische Coach das Training auf nur noch eine Einheit reduziert und stattdessen die Kommunikation in den Vordergrund gestellt. „Wir haben die Zeit mehr zum Reden genutzt als zum Trainieren“, berichtete Jonsson und sprach von einer Kopfsache sowie einer Blockade, die es zu lösen gelte.

SG BBM klettert auf Rang 14

Dass der interne Meinungsaustausch gefruchtet hat, zeigte sich in den 60 Minuten. Denn obgleich die Auftaktphase am Mittwochabend wieder in die Hose ging und die Bietigheimer Ballwerfer in der 13. Minute mit vier Toren hinten lagen, zeigten sie diesmal Moral, Biss. Leidenschaft und Kampfgeist – und diese Tugenden wurden belohnt. Am Ende gewann die SG BBM auch ihre vierte Heimpartie hintereinander mit 33:27 und feierte einen versöhnlichen Jahresabschluss nach einem turbulenten Handball-Jahr. In der Tabelle verbesserte sie sich um zwei Plätze auf Rang 14. Für die Ferndorfer ging die Talfahrt dagegen ungebremst weiter. Der Dorfverein aus Kreuztal kassierte die fünfte Pleite in Serie und schlittert immer mehr in den Abstiegssumpf.

Obwohl mit dem Ex-Bietigheimer Patrick Weber und Kapitän Jonas Faulenbach zwei ihrer besten Kräfte fehlten, legte die Rumpftruppe aus dem Siegerland in der Sporthalle am Viadukt forsch los. Der TuS bestrafte die Fehler, die Bietigheim zu Beginn machte, eiskalt und nutzte jeden Konter zu einem Treffer, was sich in einer 7:3- und 8:4-Gästeführung widerspiegelte.

Nach dem fahrigen Start und einer ersten Auszeit von Jonsson (13.) zeigte der einstige Erstligist von der Enz dann aber eindrucksvoll, zu was er in der Lage ist, wenn er seine Leistung bringt. Mit jedem Treffer kehrte ein Stückchen mehr Selbstvertrauen ins zuletzt so unbeständig auftretende SG-Ensemble zurück. Nachdem Eigengewächs Nikola Vlahovic mit dem Tor zum 9:9 erstmals seit dem 1:1 wieder ausgeglichen hatte (19.), entwickelte sich vorübergehend ein enges Duell, das der TuS noch bis zur 35. Minute offen halten konnte.

In den restlichen Spielzeit war Ferndorf dann aber nur noch ein Spielball der nun wie entfesselt aufspielenden Schwaben. Mit vier Toren am Stück zum 20:17 (40.) riss die Spielgemeinschaft erstmals die Führung an sich. Die Fehlerquote ging bei der SG BBM stark nach unten, die Trefferquote im Abschluss stark nach oben. Unterm Strich stand ein klarer 33:27-Erfolg, der nach der holprigen Anfangsphase so keineswegs zu erwarten war.

„Die Jungs haben es heute richtig gut gemacht, es waren Spaß und Lockerheit dabei. Es hat Spaß gemacht, an der Seitenlinie zu stehen und zuzuschauen“, sagte Jonsson. Der Bietigheimer Coach und Seelenmasseur in Personal­union zeigte sich vor allem von der Abteilung Attacke und den 21 Treffern in der zweiten Hälfte angetan. „Im Angriff war das eine unserer bisher besten Leistungen in dieser Saison“, schwärmte er.

Sein Team bewies in der Offensive Geduld, statt es mit dem Kopf durch die Wand zu versuchen, agierte variabel und hatte letztlich auch den längeren Atem. Besonders durchschlagskräftig zeigten sich die Rückraums-Asse Jonas Link und Tim Dahlhaus, die sich mit jeweils sechs Treffern die Topwerfer-Rolle teilten, sowie Youngster Vlahovic und Linksaußen Martin Marcec, die beide viermal erfolgreich waren. Eine starke Vorstellung bot auch der fünfmal erfolgreiche Kreisläufer Jonathan Fischer.

„Die letzten drei Monate waren für uns sehr schwierig, vor allem mental. Es gab Enttäuschungen, es gab Corona“, sagte Jonsson, der seinen Schützlingen nun erst mal für die nächsten elf Tage frei gibt: „Momentan tut uns nichts besser als Urlaub. Ich hoffe, die Jungs können jetzt mal ein paar Tage abschalten und denken mal nicht an Handball, an Corona und Tests.“ Ab dem 11. Januar beginnt dann die Vorbereitung auf das Nachholspiel am 29. Januar beim Aufsteiger TuS Fürstenfeldbruck.

 
 
- Anzeige -