SG BBM verliert gegen Rostov-Don knapp mit 31:32 Starke Leistung in fast leerer Halle

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Trotz zwei Ellenbogen im Gesicht versucht sich die Bietigheimerin Anna Loerper am Kreis gegen Anna Sen (links) und Ksenia Makeeva vom HC Rostov-Don durchzusetzen.  ⇥ Foto: Marco Wolf

Die SG BBM Bietigheim bietet Russlands Meister Rostov-Don in der Champions League die Stirn und verliert unglücklich mit 31:32. Das Ordnungsamt lässt keine Zuschauer in der MHP-Arena zu.

Die letzte Aktion beim Champions-League-Duell zwischen der SG BBM Bietigheim und dem HC Rostov-Don war am Sonntagnachmittag Dramatik pur: Beim Stand von 31:32 trat Kim Naidzinavicius nach Ablauf der 60 Minuten – die Schlusssirene war bereits ertönt – zum letzten Freiwurf an. Die SG-Kapitänin hämmerte den Ball aus dem Rückraum an die Latte, wo er auf die Torlinie und dann zurück ins Feld sprang. Um Millimeter verpassten die Bietigheimerinnen darum einen Achtungserfolg gegen den russischen Meister und verloren auch das vierte Saisonduell in der Königsklasse. In der Achtergruppe A belegen sie nach wie vor den letzten Tabellenplatz.

Gaugisch lobt sein Team

„Meine Mannschaft hat heute ein starkes Spiel gegen ein europäisches Topteam abgeliefert. Ich bin sehr zufrieden mit unserem Auftreten, leider nicht mit dem Ergebnis. Es war eine sehr enge Partie und kein Vergleich zu unserem letzten Spiel in der Bundesliga gegen die Kurpfalz Bären“, bilanzierte Markus Gaugisch. Der SG-Trainer bedauerte, wie auch sein schwedischer Kollege Per Johansson aus Rostov, dass das Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden musste. „Es ist schade für den Sport. Dieses hochklassige Spiel hätte ein volles Haus verdient“, stellte Johansson fest. „Aber wir müssen akzeptieren, dass das die neue Realität ist und uns an die Situation gewöhnen“

Erst am späten Samstagabend war die SG BBM vom Ordnungsamt Ludwigsburg und dem Hallenbetreiber darüber informiert worden, dass zu dem Heimspiel aufgrund der gestiegenen Corona-Fälle keine Zuschauer in der MHP-Arena zugelassen sind. Daraufhin musste der Klub aus dem Enztal kurzfristig umdisponieren: Er sagte das Catering ab, stornierte den Sicherheitsdienst und informierte diejenigen Karteninhaber, deren E-Mail-Adresse vorlagen.

Von den 450 ursprünglich erwarteten Fans kamen letztlich etwa 20 trotzdem zur Halle – und mussten unverrichteter Dinge wieder gehen. So waren nur Offizielle, Vereinsvertreter, Helfer und die Presse in der fast leeren Arena zugegen. Das kleine Häuflein Augenzeugen sah ein packendes Duell, bei dem die Bietigheimerinnen dem großen Favoriten alles abverlangten. Die Mannschaft aus dem Süden Russlands wirkte etwas zu selbstgefällig und schien überrascht von der heftigen Gegenwehr, die der Bundesligist leistete.

Gaugisch musste wie schon beim 31:22 am Mittwoch in Ketsch erneut auf Stine Jørgensen verzichten – die wurfgewaltige Norwegerin plagen wie gehabt Wadenprobleme. Bis zur 20. Minute stand es entweder unentschieden, oder die Spielgemeinschaft lag mit ein bis zwei Treffern vorne. Dann machte Rostov-Don noch mal Dampf und innerhalb von vier Minuten aus einem 10:11-Rückstand mit fünf Toren am Stück eine 15:11-Führung. Doch damit war das Bietigheimer Kämpferherz noch nicht gebrochen. Im Gegenteil: Mit einer Energieleistung kamen die stark aufspielende Naidzinavicius und ihre Mitstreiterinnen bis zur Pause wieder auf 16:17 heran.

In der zweiten Hälfte holte die SG BBM die Führung prompt zurück. Beim 22:18 (37.) betrug der Bietigheimer Vorsprung sogar bereits vier Treffer. Eine der Erfolgsgarantinnen war die nach der ersten Auszeit (23.) für Emily Sando eingewechselte Torfrau Valentyna Salamakha. Die ehemalige aserbaidschanische Nationalkeeperin vereitelte mehrere hochkarätige Chancen. Bahnte sich hier tatsächlich eine Sensation an? Soweit ließen es die Russinnen dann aber doch nicht kommen. Vor allem die 1,85-Meter-Wuchtbrumme Anna Sen war mit ihrer Wurfkraft aus dem Rückraum kaum aufzuhalten und avancierte mit acht Toren zur Topwerferin. Beim schwäbischen Außenseiter erwischten neben Salamakha und Naidzinavicius auch die deutschen Nationalspielerinnen Antje Lauenroth (7 Tore), Luisa Schulze (6) und Julia Maidhof (5) einen Sahnetag.

Am Ende ließen bei der SG die Kräfte und auch die Konzentration im Abschluss nach und Rostov-Don wendete die drohende Blamage ab. „Bietigheim war heute genauso gut wie wir. Es war pures Glück, dass wir das Spiel gewonnen haben“, würdigte Gästetrainer Johansson die starke Leistung des Underdogs.

 
 
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