SGV Freiberg - FSV 08 Bissingen Derby-Interview mit Torwart Burkhardt

Von Andreas Eberle
Sven Burkhardt ist seit Januar 2020 der große Rückhalt beim SGV Freiberg. Nach dieser Oberliga-Saison kehrt er zum FSV 08 Bietigheim-Bissingen zurück. ⇥ Foto: Hansjürgen Britsch/Pressefoto Baumann

Sven Burkhardt steht beim Oberliga-Hit zwischen dem SGV Freiberg und dem FSV 08 Bietigheim-Bissingen im Fokus. Im Sommer wechselt der SGV-Keeper wieder die Seiten. Von Andreas Eberle

Sven Burkhardt ist einer von drei Spielern, die im Sommer vom SGV Freiberg zum Oberliga-Nachbarn FSV 08 Bietigheim-Bissingen wechseln. Im BZ-Interview spricht der 39-jährige Torhüter über das Derby an diesem Samstag (14 Uhr) im Wasenstadion, die Gründe für den Abschied aus Freiberg trotz Aufstiegsperspektive und seine lange Karriere.

Macht es Sie nervös, dass sich am Samstag im Wasenstadion besonders viele Blicke auf Sie richten?

Sven Burkhardt: Für mich ist es durch die anstehenden Wechsel im Sommer von Freiberg zurück nach Bissingen schon eine spezielle Situation. Mir ist klar, dass alle auf mich schauen. Nervös macht mich das aber gar nicht. Ich nehme das Spiel gegen 08 wie jedes andere Spiel und versuche meine Leistung abzurufen.

Kann man den Derbycharakter und die Kulisse als Spieler auf dem Feld wirklich so einfach ausblenden?

Natürlich ist ein Derby immer etwas Besonderes. Da sind noch mehr Emotionen im Spiel. Der Underdog will den Obereren schlagen. Es ist immer alles möglich. Die Tabellensituation spielt da gar keine so große Rolle. Wichtig ist es, den Fokus zu bewahren.

Haben Sie aus dem Umfeld Ihres künftigen Klubs mit Blick auf das Prestigeduell schon die eine oder andere Nachricht bekommen?

Nein, das war schon in den letzten beiden Spielen gegeneinander nicht der Fall. Da kam auch keine Kampfansage oder ein Misston. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass der eine oder andere Bissinger mit Freiberg noch eine Rechnung offen hat. Generell haben beide Mannschaften aber ein super Verhältnis.

Die Nullachter haben vor zwei Wochen mit einem 2:1 bei den Stuttgarter Kickers den Titelrivalen vom Tabellenthron gestoßen. Haben Sie Angst, dass Freiberg nun dasselbe Schicksal erleiden könnte?

Wenn wir den Gegner auf die leichte Schulter nehmen und nicht mit 100 Prozent ins Spiel gehen, kann uns das auch passieren. Gerade in den großen Spielen und gegen die großen Vereine sind die Bissinger immer für eine Überraschung gut. Das wissen wir. Unsere Sinne sind geschärft. Wenn wir fokussiert bleiben, unsere Leistung abrufen und die Vorgaben des Trainers genau umsetzen, werden wir als Sieger vom Platz gehen.

Herrscht nun so kurz vor dem Derby eine andere Stimmung im Team als vor einem normalen Punktspiel?

Das würde ich nicht sagen. Die Stimmung im Team ist so gut wie immer. Die meisten SGV-Spieler kommen von weiter weg und haben darum als Auswärtige das Derbygefühl nicht so sehr im Blut. Bei mir und bei Marco Grüttner, die hier aus dem Kreis kommen, ist das schon etwas anders. Aber jeder im Team weiß um die Brisanz und hat ja auch in der Vorrunde erlebt, was in Bissingen beim Derby los war – abgesehen von Marco Kehl-Gomez, der erst in der Winterpause zu uns gestoßen ist.

Was wird im Derby der Schlüsselfaktor sein?

Die Mannschaft mit dem größeren Willen wird sich durchsetzen. Bissingen hat viel Qualität im Kader und wir haben auch eine brutale Qualität im Team. Entscheidend ist, wer seine Qualitäten am Samstag auch zu 100 Prozent auf den Platz bringt.

Warum haben Sie sich entschlossen, Freiberg am Saisonende den Rücken zu kehren und an den Bruchwald zurückzukehren?

Der SGV will zur neuen Saison komplett auf Profitum umschalten. Wenn sechsmal die Woche trainiert wird und morgens und nachmittags Einheiten angesetzt sind, kann ich das nicht mehr mit meinem Beruf vereinbaren. Denn ich arbeite immer bis 15.30 Uhr in Stuttgart. Darum habe ich nach einem neuen Verein gesucht, der Interesse hat – und bin so auch wieder mit Bissingen ins Gespräch gekommen. Da bei 08 Torhüter Henning Bortel im Sommer aufhört und unser Meinungsaustausch sehr gut war, haben wir uns auf den Wechsel verständigt.

Hätten Sie nicht gern noch mit Freiberg in der Regionalliga gespielt?

Klar hätte mich das gereizt. Das Ziel eines jeden Sportlers ist es, so hoch wie möglich zu spielen. Zumindest eine Regionalliga-Saison hätte ich gerne mitgenommen. Aber wenn das aus einem bestimmten Grund nicht geht, muss ich das akzeptieren und abhaken – auch wenn es weh tut und ein bisschen enttäuschend ist. In den vergangenen zwei Jahren habe ich noch mal alles dem Sport untergeordnet – Familie und Beruf – und alles reingehauen, um mit dem SGV in die Regionalliga aufzusteigen. Ich hoffe, wir schaffen jetzt auch tatsächlich den Sprung nach oben.

Sie sind mit 39 Jahren im Spätherbst Ihrer Karriere. Wie lange wollen Sie noch spielen?

Zu meiner Frau habe ich mal gesagt, dass ich mit 40 aufhöre, aber daraus wird nun nichts (lacht). Ich bin mit mir und meinem Körper im Reinen. Solange mein Körper mitmacht, ich keine Beschwerden habe und weiterhin Gas geben kann, will ich spielen. Ich bin selbst gespannt, wie lange meine Karriere dann noch geht. Darüber hinaus entscheidet aber natürlich auch der Verein, wie lange er auf einen älteren Torwart wie mich setzt.

Während Ihrer langen Laufbahn haben Sie viele Höhen, aber auch einige Tiefs erlebt. Was würden Sie im Nachhinein anders machen?

(lacht). Ich würde definitiv früher ins Tor gehen. Von der F- bis zur A-Jugend war ich Stürmer und bin dann erst mit 18 zwischen die Pfosten gewechselt. Und ab und zu habe ich später auf die falschen Leute gehört, die viel versprochen und nichts gehalten haben. Davon abgesehen bin ich aber sehr zufrieden, wie meine Karriere verlaufen ist.

ZUR PERSON

Sven Burkhardt (39) hat – abgesehen von einem kurzen Abstecher zur SG Sonnenhof Großaspach – seine ganze Fußball-Laufbahn beim SGV Freiberg (neun Jahre) und dem FSV 08 Bissingen (zehn Jahre) verbracht. Für die beiden hochklassigsten Vereine im Kreis absolvierte der 1,87 Meter große Torwart-Routinier 351 Oberliga-Spiele. Burkhardt lebt mit seiner Frau Yvonne und der achtjährigen Tochter Mia in Ingersheim. Der Fan des VfB Stuttgart und des FC St. Pauli arbeitet als Kfz-Mechaniker bei einem Stuttgarter Autobauer. Als Hobbys nennt er Fahrradfahren, Wandern, Sauna und Fußballgucken

 
 
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