SGV Freiberg Reisigs erstes Tor: ein Fall für die ARD-Sportschau

Von Andreas Eberle
Ruben Reisig (vorne) behauptet den Ball gegen Leon Pomnitz. Der Freiberger Mittelfeldspieler schoss gegen Fulda-Lehnerz ein Traumtor. Foto: Avanti/Ralf Poller

Der 26-jährige Mittelfeldmann erzielt beim Freiberger 3:1-Heimsieg gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz einen Treffer der Marke Tor des Monats. Der SGV beendet mit einer Topleistung seine Schwächephase und trotzt den internen Querelen.

Seit 1971 lässt die ARD-Sportschau von den Fernsehzuschauern ein Tor des Monats wählen. Sollte das Video von Ruben Reisigs erstem Saisontreffer den Weg in die WDR-Sendezentrale nach Köln finden – dort wird die Sportschau produziert –, ist dieser ein heißer Kandidat für das Tor des Monats im November 2022. Beim 3:1-Heimsieg des SGV Freiberg im Regionalliga-Aufsteigerduell gegen die SG Barockstadt Fulda-Lehnerz erzielte der 26-jährige Mittelfeldspieler einen Treffer zum Zungeschnalzen: Nach einem weiten Pass von Jan Koch hielt der auf Verdacht in den Strafraum gelaufene Reisig, mit dem Rücken zum Tor stehend, die Hacke hin und überlupfte den aus seinem Kasten geeilten 1,98-Meter-Keeper Samuel Zapico zum 2:0 (38.).

Mit Kreativität und Glück

„Ich könnte jetzt sagen, dass das gewollt war und dass ich das genauso kann, aber ich habe nur versucht, den Ball irgendwie zu verarbeiten. Ein bisschen Glück war schon dabei“, schilderte Reisig den Geniestreich. Der im Sommer von den Stuttgarter Kickers an den Wasen gewechselte Deutsch-Ghanaer hofft, dass sein Treffer bei der Abstimmung zum Tor des Monats berücksichtigt wird: „Es wäre toll, wenn wir als SGV Freiberg mal national zu sehen wären.“ Trainer Ramon Gehrmann lobte Reisigs Kreativität bei dessen Torpremiere. „Mir wäre es aber lieber, er würde öfter treffen – und dafür nicht ganz so schön“, stellte der Fußball-Lehrer schmunzelnd fest.

Das Traumtor krönte am Samstagnachmittag einen starken Freiberger Auftritt – von der Nummer eins Michael bis zur Nummer 71, die eben jener Reisig trug. Die Mannschaft zeigte eine Reaktion auf die 0:5-Pleite beim FSV Frankfurt und den Querelen im Verein, die in der Rücktrittsankündigung von Sportdirektor Marco Grüttner gipfelte. Wäre die Wasen-Elf in den vergangenen Wochen immer so konsequent, konzentriert und gut organisiert aufgetreten wie gegen Fulda-Lehnerz, hätte sie die Vorrunde in der oberen Tabellenhälfte abgeschlossen – und nicht auf Rang 13, wo der Neuling zur Saisonhalbzeit steht.

Neues Personal, neue Taktik

Gehrmann hatte tief in die Trickkiste gegriffen und personell sowie taktisch umgestellt: Der nach auskurierter Ellbogenverletzung in die Innenverteidigung zurückgekehrte Koch brachte wieder mehr Stabilität in die Abwehr. Dafür durfte Azur Velagic erstmals im defensiven Mittelfeld ran – und Reisig bekam eine etwas offensivere Rolle als bisher. Im Angriff saß der formschwache Torjäger Marcel Sökler zunächst nur auf der Bank. Als einzige Spitze lief das laufstarke Offensivtalent Mohamed Baroudi auf. Zudem brachte Christian Mauersberger, ein weiterer Rückkehrer, zusätzliche Spielkultur aufs Feld.

Sehenswert war bereits die Freiberger 1:0-Führung gewesen: Baroudi düpierte SG-Kapitän Marius Grösch an der Seitenlinie und startete dann vom Mittelfeld aus einen Alleingang. Nach einem Zuspiel setzte David Tomic das Solo nahtlos fort und feuerte den Ball aus 15 Metern flach ins Eck – Zapico, der Fuldas kurzfristig erkrankten Stammtorhüter Tobias Wolf vertrat, fiel bei seinem Abwehrversuch so langsam nach unten wie eine Bahnschranke (19.). Glück hatte der SGV allerdings im Gegenzug, als ein abgefälschter Schuss von Moritz Reinhard knapp vorbeistrich.

Gegen den VfB Stuttgart II und Worms hatte Freiberg jeweils eine 2:0-Führung noch verspielt und sich mit einem Remis begnügen müssen. Diesmal wiederholte sich so ein Malheur nicht – auch dank Sökler. Keine zehn Minuten nach der Einwechslung tauchte der wegen eines Nasenbeinbruchs mit einer Maske spielende Mittelstürmer am Fuldaer Strafraum auf. Sein Querpass prallte ans Bein von Aaron Frey und von dort unhaltbar ins kurze Eck – 3:0 (78.). Dass Unglücksrabe Frey in der Endphase nach einem langen Ball per Direktabnahme auf 1:3 verkürzte (81.), war nur ein Schönheitsfleck auf der SGV-Weste.

Mannschaft schottet sich ab

Im Vorfeld hatte sich das Wasen-Team abgeschottet. „Die Woche war schon der Wahnsinn. Wir wollten das Tabellenplatz-Problem völlig intern lösen und als Einheit auftreten. Das haben wir heute gemacht“, sagte Coach Gehrmann. Von den Turbulenzen im Klub und im Umfeld wollen sich er und seine Kicker nicht aus der Ruhe bringen lassen: „Unser Job ist nur, Punkte zu holen – und das ist schwer genug. Darauf sollten wir uns konzentrieren.“

 
 
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